Forschungs- und Entwickliungszentrum von Varta

Absturz des Überfliegers Droht Varta mehr Konkurrenz aus China?

Stand: 08.01.2020, 11:33 Uhr

Die Aktien von Varta sind in den letzten Monaten von einem Hoch zum nächsten geklettert. Nun aber brechen die Titel ein. Laut einer Studie der Commerzbank setzen Sony, Samsung & Co zunehmend auf chinesische Batterie-Anbieter.

Varta scheint Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden. Wegen der starken Nachfrage, die der schwäbische Batteriehersteller nicht komplett habe bedienen können, hätten die Abnehmer des Unternehmens bei anderen Zulieferern eingekauft, schreiben die Analysten der Commerzbank in einer Studie. So soll der Bericht eines Leerverkäufers gezeigt haben, dass die chinesischen Firmen bei den großen Kunden aus der Elektronikbranche wie Samsung, Sony und JBL erfolgreich gewesen seien.

Varta mahnt Konkurrenten wegen Patentverstößen ab

Varta sei sich der Situation erst im Dezember bewusst geworden. Das MDax-Unternehmen glaubt aber, dass die chinesischen Wettbewerber gegen Patentschutz verstoßen haben und gehe nun rechtlich gegen sie vor, heißt es in der Commerzbank-Studie. Einem Insider zufolge seien die betroffenen Firmen bereits abgemahnt worden. Einstweilige Verfügungen seien in Vorbereitung.

Die Lithium-Ionen-Zellen von Varta werden zunehmend bei kabellosen Kopfhörern eingesetzt, zum Beispiel bei den AirPods von Apple. Sie gelten als besonders hochwertig und müssen nicht ständig nach kürzester Zeit wieder aufgeladen werden. Laut Vorstandschef Schein haben die Zellen aus Ellwangen eine um 30 Prozent höhere Energiedichte und kommen so auf eine längere Betriebszeit.

Commerzbank streicht Kaufempfehlung

Wegen der wachsenden Konkurrenz aus China streichen die Commerzbank-Analysten ihre Kaufempfehlung für Varta. Sie raten nun zum "Halten", belassen allerdings das Kursziel auf 135 Euro.

Die Herunterstufung durch die Commerzbank sorgt für den größten Kurssturz bei Varta seit dem Börsengang. Die Aktien sacken um gut ein Fünftel auf 93 Euro ab. Anfang Dezember hatten die MDax-Papiere noch ein Rekordhoch von 128 Euro erreicht. 2019 war der Kurs um knapp 388 Prozent nach oben gesaust. Varta war der deutsche Börsenstar aus der zweiten Reihe. Dank der starken Kursgewinne war Varta im Dezember in den Index der mittelgroßen Werte MDax aufgestiegen.

Düsterer Ausblick des Lithiumproduzenten Livent

Ein Händler verwies zudem auf einen pessimistischen Ausblick des US-Lithiumproduzenten Livent. Dieser warnte wegen fallender Preise beim Rohstoff für Elektroauto- und Smartphone-Batterien am Dienstag vor einem Gewinnrückgang 2020. Im abgelaufenen Jahr blieb Livent hinter den eigenen Erwartungen zurück. Der Umsatz lag zwischen 385 und 390 Millionen Dollar. Angepeilt hatte die Firma 400 bis 410 Millionen Dollar. Livent-Titel brachen im nachbörslichen US-Geschäft um 15 Prozent ein.

Trotz der angeblich zunehmenden Konkurrenz aus Fernost dürfte die hohe Nachfrage für die Varta-Batteriezellen anhalten. Experten gehen davon aus, dass sich die jüngste Erfolgsgeschichte der Schwaben in Zukunft weiter fortsetzt. Um den steigenden Bedarf zu decken, weitet Varta seine Kapazitäten und Investitionen erheblich aus. Bis zum Jahr 2022 sollen über 150 Millionen Zellen jährlich produziert werden. Bereits 2020 strebt Varta mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent eine weltweit führende Position mit Lithium-Ionen-Zellen an. Für den Ausbau in der Lithium-Ionen-Fertigung hatte sich das Unternehmen im Sommer über eine Kapitalerhöhung 100 Millionen Euro besorgt.

nb