Vapiano-Schriftzug

Aktie mal wieder unter Druck Vapiano verschiebt Jahresabschluss erneut

Stand: 02.05.2019, 10:56 Uhr

Im Ringen um dringend benötigtes Geld hat die Restaurantkette Vapiano zum zweiten Mal ihren Jahresabschluss verschoben. Die Anleger sorgen sich weiter um die finanzielle Lage, die Aktie knickt ein.

Die Verhandlungen über eine 30 Millionen Euro schwere Refinanzierung mit Banken und unter Beteiligung der Großaktionäre seien noch nicht abgeschlossen, teilte das Kölner Unternehmen am späten Dienstagabend mit. Daher werde der Jahresabschluss von diesem Freitag auf den 24. Mai verschoben. Bereits zuvor war der Termin bereits einmal hinausgezögert worden.

Den Anlegern schmeckt Vapiano schon lange nicht mehr. Brachte es das Unternehmen anfangs auf einen Börsenwert von 600 Millionen Euro, so ist es inzwischen nur noch 160 Millionen Euro wert.

Auch am Donnerstagmorgen ging die Aktie auf Talfahrt: Zu Handelsbeginn rutschte sie bis zu 9,8 Prozent auf Tradegate ab. Zur Stunde liegt das Papier im Xetra-Handel mit über drei Prozent im Minus und steht bei 5,90 Euro. Damit haben die Papiere seit dem Rekordhoch Anfang 2018 mehr als 76 Prozent an Wert eingebüßt.

Geld für den Umbau benötigt

Die Restaurantkette leidet unter einer wohl zu rasant abgewickelten Expansion vor und nach dem Börsengang. 2017 ging Vapiano an die Börse und trieb mit dem Geld der neuen Anteilseigner das Geschäft voran - scheinbar zu schnell. Neu eröffnete Restaurants wurden zu Problemfällen statt zu Kassenschlagern. Ende 2018 hatte der Konzern 231 Restaurants in 33 Ländern. Mancherorts sorgten lange Wartezeiten für Ärger.

Besucher sitzen in der Sonne vor einem Vapiano-Restaurant in Münster

Vapiano-Restaurant in Münster. | Bildquelle: imago

Mit dem Geld soll das unter Druck stehende Geschäft umgebaut werden. Vapiano-Chef Cornelius Everke, der im Dezember nach mehreren Gewinnwarnungen Jochen Halfmann an der Spitze abgelöst hatte, will sich wieder auf Klassiker der Karte beschränken und komplizierte Gerichte, die für verlängerte Kochzeiten sorgen, abschaffen. Verbesserte IT-Systeme sollen außerdem den digitalen Bestellprozess in den Restaurants optimieren.

Die geplante Ausweitung der Mitnahme- und Lieferangebote soll ebenfalls noch einmal überdacht werden. Stattdessen will Everke bereits bestehende Restaurants verbessern und das Wachstumstempo deutlich drosseln. "Unsere vorrangige Priorität ist es, die Profitabilität des Unternehmens zu steigern", sagte Everke Ende des Jahres.

Zurück in die Gewinnzone?

Vorläufigen Zahlen zufolge kam der Konzern 2018 auf einen Umsatz von rund 370 Millionen Euro - statt angestrebter Erlöse zwischen 375 und 385 Millionen Euro. Auch das Ebitda liegt offenbar niedriger als gedacht. Hinzu kommen außerplanmäßige Abschreibungen, so dass sich der Nettoverlust gegenüber dem Vorjahr vermutlich deutlich ausweiten wird.

Vapiano hinkt den Planungen somit weiter hinterher. Mit dem Umbau will Everke den Konzern zurück in die Gewinnzone bringen - dafür braucht er Geld. Die Verhandlungen für die benötigten Finanzmittel dauern nun aber länger als geplant.

tb