Vapiano

37 Millionen fehlen Corona besiegelt Vapianos Schicksal

Stand: 02.04.2020, 12:00 Uhr

Angeschlagen war Vapiano schon vorher. Die Folgen der Corona-Krise, geschlossene Restaurants und Ausgangsbeschränkungen, waren für das Management aber endgültig nicht mehr zu bewältigen. Die Restaurantkette meldet Insolvenz an.

Die Schnellrestaurant-Kette Vapiano meldet Insolvenz beim Amtsgericht Köln an. Die Banken und die drei Großaktionäre seien sich nicht über die weitere Finanzierung einig geworden, teilte das Management mit. Am Ende fehlten knapp 37 Millionen Euro, nachdem fast alle der 230 Pizza- und Pasta-Restaurants von Vapiano weltweit zur Eindämmung der Corona-Pandemie schließen mussten, die Kosten aber weiterliefen.

Vanessa Hall, Vapiano

Vanessa Hall, CEO von Vapiano. | Bildquelle: Vapiano

Kein Interesse mehr an neuer Finanzspritze

Daher werde nun Insolvenzantrag gestellt, teilte Finanzvorstand Lutz Scharpe mit. Vapiano gilt allerdings bereits seit längerem als Sanierungsfall. Allein in den ersten neun Monaten 2019 liefen 46 Millionen Euro Verlust auf, neuere Zahlen liegen nicht vor. Die Kette hatte bereits vor zwei Wochen Alarm geschlagen: Man sei zahlungsunfähig und brauche dringend Staatshilfe. Damals war noch von einem Liquiditätsbedarf von 24 Millionen Euro die Rede.

Doch die Kredite der Staatsbank KfW sind Firmen vorbehalten, die nicht schon vor der Corona-Pandemie in der Krise waren. Eine Lösung mit Hilfe der nordrhein-westfälischen Förderbank NRW.Bank scheiterte, weil sich die sechs Gläubigerbanken nicht mit den Großaktionären über eine weitere Finanzspritze einig wurden, wie zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen sagten. "Die Aktionäre hatten kein Interesse mehr, frisches Geld zu geben", sagte einer der Insider.

Besucher sitzen in der Sonne vor einem Vapiano-Restaurant in Münster

Vapiano-Restaurant in Münster: Einst, als die Restaurants noch besucht waren. | Bildquelle: imago

10.000 Mitarbeiter betroffen

Größter Aktionär von Vapiano ist die Beteiligungsfirma der ehemaligen Tchibo-Eigentümerfamilie Herz, Mayfair, mit 47,4 Prozent. Die Banken hatten gedrängt, das Mayfair-Aktienpaket an einen Treuhänder zu übergeben, bis die Sanierung abgeschlossen sei. Vapiano-Gründer Gregor Gerlach und die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander kommen zusammen auf knapp 35 Prozent.

Für Vapiano arbeiten nach Unternehmensangaben weltweit rund 10.000 Mitarbeiter, davon 3.800 in Deutschland. Ein Teil der Restaurants in Deutschland wird von Franchisenehmern betrieben, die sich von der Insolvenz nicht betroffen sehen.

Die Aktie: ein Desaster

Die Restaurantkette hatte sich lange gegen den Niedergang gewehrt. Aber auch eine abgespeckte Menükarte oder neue Bestellterminals brachten nicht die erhoffte Wende. Dabei florierte das Geschäft der Kette jahrelang, doch bei der Expansion übernahm sich das Unternehmen. Viele neue Restaurants wurden zu Verlustbringern. Hinzu kam, dass Konkurrenten wie L'Osteria stärker wurden - diese Kette setzt auf Bedienung am Tisch, bei Vapiano hingegen müssen sich die Gäste das Essen selbst am Tresen bestellen und holen.

Für Anleger waren Vapiano-Aktien ein schlechtes Investment. Beim Börsengang im Sommer 2017 wurde der Angebotspreis bei 23 Euro festgesetzt. Nur ganz selten schaffte es das Papier, die Marke zu übertreffen. Das Rekordhoch der Aktie hatte im Januar 2018 noch bei 25,20 Euro gelegen. Heute büßen Vapiano mehr als 60 Prozent ein und kosten etwas mehr als 30 Cent.

ts/dpa-AFX/rtr