Vapiano
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Verluste ausgeweitet Vapiano: Pizza, Pasta und Probleme

Stand: 18.06.2019, 10:52 Uhr

Eigentlich wollte die Restaurantkette Vapiano ihre Jahreszahlen bereits Anfang Mai veröffentlichen. Doch die Präsentation musste zwei Mal verschoben werden. Heute war es nun so weit. Und die Zahlen zeigen wie groß die Schieflage bei dem Unternehmen wirklich ist. Doch Vorstandschef Everke macht Hoffnung.

Bis zum 24. Mai war offen, ob der seit kurzem amtierende Firmenchef Cornelius Everke eine Finanzspritze von insgesamt 40 Millionen Euro bekommt - das war der Grund, warum der Jahresabschluss zweimal verschoben worden war. Zehn Millionen Euro waren bereits Ende 2018 zugesagt worden.

Rasantes Wachstum um jeden Preis mit immer neuen Restauranteröffnungen - diese Strategie ist bei Vapiano gründlich daneben gegangen. Die rasche Expansion auch ins Ausland wie die Eröffnung eines riesigen zweistöckigen Lokals in der Pariser Rue Marbeuf unweit der Champs-Elysées hat Unsummen verschlungen. Ende 2018 hatte der Konzern 231 Restaurants in 33 Ländern.

Verlust fast verdreifacht

Vapiano-Schriftzug

Vapiano. | Bildquelle: Imago

Dabei erwiesen sich viele Standorte rasch als Problemfälle, weil vielen Kunden das ewige Schlangestehen vor den Pizza- und Pastatheken zunehmend auf die Nerven geht - und sie danach vor den Kassen erneut warten müssen und saftige Preise für das eher mittelmäßge Essen berappen sollen.

Das kommt nicht gut an: weder beim Kunden, noch bei den kreditgebenden Banken, noch an der Börse. Ende Mai hatte Vapiano spektakulär zum dritten Mal seinen Jahres- und Konzernabschluss für 2018 verschoben - auf heute. 2017 musste die Kette einen Verlust von rund 30 Millionen Euro vermelden, im vergangenen Jahr waren es bereits 101 Millionen Euro, wie der Konzern in der Nacht mitteilte. Darin enthalten sind Einmaleffekte in Höhe von 65 Millionen Euro.

Hohe Verschuldung, wenig Eigenkapital

Dabei konnte der Umsatz um gut 14 Prozent auf 372 Millionen Euro gesteigert werden - allerdings nur dank der Neueröffnungen. Auf vergleichbarer Fläche war der Umsatz leicht rückläufig. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) sank von knapp 39 auf 29 Millionen Euro.

Auch für das laufende Jahr rechnet auch für das Geschäftsjahr 2019 mit einem Verlust. "Das vergangene Jahr war eine Enttäuschung für uns, nun blicken wir aber nach vorne - die Finanzierung ist bis 2022 gesichert", sagte Vapiano-Vorstandschef Cornelius Everke am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorstand geht davon aus, dass sich das ERgebnis in diesem Jahr zwar deutlich verbessert, jedoch noch negativ im mittleren zweistelligen Millionenbereich ausfallen wird. Ein positives Ergebnis wird erst für 2021 in Aussicht gestellt.

Wie groß die Schieflage bei der Restaurantkette ist zeigen andere Kennzahlen: So ist die Nettoverschuldung auf 173,7 Millionen Euro gestiegen. Außerdem ist das Eigenkapital zum Jahresende 2018 auf 47 Millionen Euro abgeschmolzen, was einer Eigenkapitalquote von mageren 13,3 Prozent entspricht. Ein Jahr zuvor waren es noch 37,4 Prozent.

Überleben vorerst gesichert

Immerhin: Das Überleben von Vapiano scheint vorerst gesichert. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben die verbindlichen Kreditzusagen im Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro erhalten. Das Geld komme von den finanzierenden Banken und den Großaktionären.

Vapiano-Koch in Bonn bei Essenszubereitung

Vapiano-Koch in Bonn. | Bildquelle: imago

Die "Refinanzierungsverhandlungen zur Restrukturierung der Gesellschaft sowie zur weiteren Umsetzung der strategischen Neuakzentuierung" seien erfolgreich abgeschlossen, teilte Vapiano am späten Donnerstagabend weiter mit. Zu den größten Anteilseignern gehören Beteiligungsfirmen des Tchibo-Erben Günter Herz und der Welle-Erbin Gisa Sander. Dank dieser stabilen Ankeraktionäre war davon ausgegangen worden, dass Vapiano trotz schlechter Geschäfte an frisches Geld kommt.

Börsenwert abgestürzt

Nach den Zusagen für dringend benötigte Kredite haben sich die dramatisch gefallenen Aktien von Vapiano wieder etwas erholt, pendeln um die Marke von sechs Euro. Damit sind sie noch weit entfernt von dem noch vor einem Jahr erklommenen Preis von knapp 25 Euro. Erst die Anfang September erfolgte offizielle Gewinnwarnung ließ den Kurs dann in den Keller rauschen.

Brachte es das Unternehmen anfangs auf einen Börsenwert von 600 Millionen Euro, so ist es inzwischen nur noch 160 Millionen Euro wert. Ende 2018 wurde der Vorstands-Chefsessel neu besetzt, wenig später legte der Aufsichtsratsvorsitzende sein Amt nieder.

Alle Standorte auf den Prüfstein

Vorstandschef Cornelius Everke erklärte zu den Ursachen der Probleme bei Vapiano: "In der Vergangenheit haben wir uns bei der Auslandsexpansion etwas verhoben, aber die Marke Vapiano ist nach wie vor erfolgreich". Man werde sich konsolidieren und fokussieren, um wieder profitabel zu werden.Nun will Everke die Abläufe effizienter machen, die Menükarte abspecken und wohl auch einige Restaurants wieder schließen. Dazu sollen alle Standorte "hinsichtlich ihrer Ertragskraft geprüft“ werden. Wann diese Prüfung beendet sein soll, lässt Everke offen.

Dass der Aktienkurs seit Wochen auf der Stelle tritt, passt zur Einschätzung des Analysten Nikolas Mauder von Kepler Cheuvreux. Der sieht zwar mit der kürzlich erfolgten Refinanzierung einen großen Risikofaktor beseitigt, die Krise des Unternehmens sei aber noch lange nicht ausgestanden. Vapiano habe vor allem Zeit für die Umsetzung der neuen Unternehmensstrategie gewonnen, erklärte Mauder.

lg