Vapiano

Weiter tief in den roten Zahlen Vapiano bekommt Probleme nicht in den Griff

Stand: 11.09.2019, 10:48 Uhr

Vapiano steckt mal wieder tief in den roten Zahlen. Der Schuldenberg der angeschlagenen Restaurantkette ist im ersten Halbjahr abermals deutlich gewachsen. Die neue Chefin will zurück in die Gewinnzone - ob das gelingt?

Erst vor wenigen Tagen übernahm die Britin Vanessa Hall den Chefposten bei der deutschen Pizza- und Pastakette. Ende 2018 wollte Cornelius Everke mit einem Sanierungsprogramm das Ruder herumreißen, doch nach nur neun Monaten im Amt warf er im August das Handtuch.

Vanessa Hall, Vapiano

Vanessa Hall ist die neue Chefin bei Vapiano. | Bildquelle: Vapiano

"Wenn man bereit ist und sich verpflichtet, für ein Unternehmen in einer schwierigen Situation an der Spitze Verantwortung zu übernehmen, dann erwarte ich von der entsprechenden Person Standfestigkeit", kritisierte Großaktionär Hans-Joachim Sander im Rahmen der Hauptversammlung vor wenigen Wochen.

Nun soll Hall, die zuvor an der Spitze des Aufsichtsrats saß, den Konzern aus der Krise führen - keine leichte Aufgabe. So hat Vapiano im ersten Halbjahr 2019 seinen Verlust auf 34,3 Millionen Euro ausgeweitet, eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Konzernumsatz stieg zwar auf 196,6 (Vorjahr: 175,1) Millionen Euro, dies lag aber an Neueröffnungen und Zukäufen in Australien und Darmstadt. Auf vergleichbarer Fläche sackte der Umsatz um 3,2 Prozent ab. Zudem wuchs der Schuldenberg deutlich an, wie die Kölner Firma am Mittwoch mitteilte.

Börsenwert schrumpft und schrumpft

Die Anleger hatten die Zahlen offenbar kommen sehen. Am Vormittag klettert die Vapiano-Aktie sogar ein wenig nach oben. Die Entwicklung des Papiers ist dennoch niederschmetternd. Kurz nach dem Rücktritt von Everke und der Hauptversammlung schickten die Anleger den Titel auf Talfahrt und der Kurs erreichte ein Rekordtief.

Innerhalb eines Jahres hat die Aktie fast 60 Prozent an Wert eingebüßt, seit dem Börsengang vor etwa zwei Jahren sogar mehr als 80 Prozent. Brachte es das Unternehmen anfangs noch auf einen Börsenwert von 600 Millionen Euro, ist dieser mittlerweile auf knapp 130 Millionen Euro geschrumpft. 2019 hatte Vapiano spektakulär drei Mal seinen Jahres- und Konzernabschluss für 2018 verschoben.

Vapiano steht stark unter Druck. Als Vapiano 2002 seine erste Filiale präsentierte, war es als eine Mischung aus Fast Food und italienischem Restaurant sehr beliebt. Das "Fast Casual" - also die Bestellung und Abholung direkt beim Koch - kam sehr gut an.

Pizza, Pasta und Probleme

Doch danach ging vieles schief. Negative Schlagzeilen wie lange Wartezeiten, verdorbenes Essen sowie Mäuse in der Küche machten die Runde. Der Hauptgrund für die Schieflage ist allerdings die missratene Expansion. Rasantes Wachstum um jeden Preis mit immer neuen Restauranteröffnungen - diese Strategie ist gründlich daneben gegangen.

Besucher sitzen in der Sonne vor einem Vapiano-Restaurant in Münster

Das Vapiano-Restaurant in Münster. | Bildquelle: imago

Der Konzern betreibt 235 Filialen in 33 Ländern, darunter sehr teure wie das riesige zweistöckige Lokal in der Pariser Rue Marbeuf unweit der Champs-Elysées. Viele Standorte erwiesen sich als Problemfälle: Den Kunden ging das ewige Schlangestehen und die hohen Preise zunehmend auf die Nerven.

Innerhalb weniger Jahre hatten die Kölner ihre mehr als 230 Restaurants auf fünf Kontinenten eröffnet - zu viel für durchgehend guten Service. An schnellen Gewinn ist da nicht zu denken. Die Firma habe die Komplexität ihres Expansionskurses völlig unterschätzt, sagte etwa Frank Rothauge, Geschäftsführer der AHP Capital Management GmbH, die über einen Fonds an Vapiano beteiligt ist. "Es dauert nun mal, bis ein neues Restaurant sich vor Ort etabliert hat und profitabel wird."

"Gästeloyalität verbessern"

Cornelius Everke

Cornelius Everke ist im August als Vorstandschef zurückgetreten. | Bildquelle: Imago

Der ehemalige Vorstandschef Everke wollte das Unternehmen konsolidieren, um profitabel zu werden. Dafür sollten die Abläufe effizienter, die Menükarte abgespeckt und einige Restaurants geschlossen werden. Doch der Rückzug aus dem Ausland stockt: Im August platzte vorerst der Verkauf der sechs Filialen in den USA, der eigentlich 20 Millionen Dollar einbringen sollte.

Immerhin: Das Überleben scheint vorerst gesichert. Vapiano bekam im Juni nach eigenen Angaben von Großaktionären und Banken die verbindlichen Kreditzusagen im Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro. Hall will nun die Sanierung fortsetzen und die Expansion verlangsamen, 2021 soll die Firma in die Gewinnzone zurückkehren. "Unsere Halbjahreszahlen bestätigen uns darin, zügig unsere Gästeloyalität zu verbessern", sagte die Britin.

Die neue Chefin ist eine erfahrene Gastronomie-Managerin, war unter anderem bei Mitchells & Butlers, YO! Sushi und gründete das Gastro-Konzept Jack & Alice. Vielleicht bekommt sie auch eine kriselnde Pizza- und Pastakette aus Deutschland wieder in den Griff.

tb