Joachim Kuhn, Gründer und CEO des Würzburger Technologie-Start-ups «Va-Q-Tec» sitzt auf einer Thermo-Transportbox seines Unternehmens.

Corona als Beschleuniger Va-Q-Tec: Mit Transportboxen erfolgreich durch die Krise

Stand: 28.05.2020, 15:37 Uhr

In Zeiten der Pandemie sind Lieferketten wichtig – nicht zuletzt für medizinische Produkte. Bei der Herstellung, der Vermietung und dem Verkauf von Thermoboxen ist das Würzburger Unternehmen ganz vorne mit dabei.

"Profiteur klingt negativ behaftet – ich würde sagen wir sind Enabler, das bedeutet wir konnten erneut bestätigen, dass wir schnell und sicher überall auf der Welt temperaturkontrollierte Lieferketten ermöglichen können", antwortet Joachim Kuhn, CEO des Würzburger Mittelständlers Va-Q-Tec auf die Frage, ob er sein Unternehmen als Krisenprofiteur sieht.

Enabler sind Möglichmacher – zur Zeit ermöglicht das Unternehmen vor allem den sicheren Transport von Corona-Test-Kits. Diese sind temperaturempfindlich und dürfen ein gewisses Wärmelevel nicht überschreiten. Hier kommt Va-Q-Tec ins Spiel. Angefangen hat es mit stark dämmenden Vakuumpaneelen – jetzt kann die Firma den Transport von empfindlicher Arznei in Transportboxen, die Tage lang die gleiche Temperatur halten können, sicherstellen.

Va-Q-Tec-Boxen

Va-Q-Tec Transportboxen. | Bildquelle: Va-Q-Tec

Durch die Krise habe sich die Nachfrage nach solchen Transportboxen und -containern deutlich erhöht. Im ersten Quartal machte das Segment Healthcare mehr als 70 Prozent des Umsatzes aus. Erstaunt ist das Management über seine Marktstellung in der Krise. "Dass wir in der Covid-Situation ein wichtiger Player geworden sind und im Bereich thermoregulierender Transportboxen wahrscheinlich einer der Wichtigsten, hat uns selbst überrascht", erklärt Kuhn. Weltweit werden über die Hälfte der aktuellen Corona-Test-Kits in thermoregulierten Spezialboxen von Va-Q-Tec transportiert. Der Umsatz stieg im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 17,6 Millionen Euro.

Technologie mit Zukunft

Auch ohne die Corona-Pandemie würde das Geschäft bei Va-Q-Tec laufen, meint Joachim Kuhn. Die Krankheit beschleunige zwar das Wachstum, alleiniger Treiber sei sie aber nicht. "Die meisten aller Erkrankungen sind nicht Covid-19, der Healthcare-Bereich wächst generell sehr stark. Das war und ist unser Wachstumstreiber und wird es in den nächsten Jahren auch bleiben. Gut für uns ist aber, dass das Segment mit und durch die Pandemie derzeit noch stärker wächst."

Va-Q-Tec gehört zu einem der wenigen Unternehmen, die ihre Prognose für das Geschäftsjahr nicht gestrichen haben. Die Corona-Effekte mit einberechnet, erwartet das Management ein moderates bis mittelstarkes Umsatzwachstum bei stabil bleibender Marge.

Dr. Joachim Kuhn, Gründer und CEO des Würzburger Technologie-Start-ups Va-Q-Tec

Dr. Joachim Kuhn, Va-Q-Tec. | Bildquelle: Unternehmen

Risiken für das Geschäft für die Zeit nach der Pandemie sieht CEO Kuhn aktuell nicht und verweist auf die soliden Kennzahlen. Umsätze konnten immer wieder gesteigert werden, die Eigenkapitalquote stimmt. "Keiner kann vorhersagen, wie sich die wirtschaftliche Gesamtsituation entwickeln wird. Wenn der Gesundheitsmarkt einbrechen würde, wären wir davon auch betroffen. Aber davon gehe ich unter normalen Umständen nicht aus", erläutert Kuhn.

Auf seinem Erfolg ausruhen darf sich das 2001 gegründete Unternehmen, das seit 2016 an im Prime Standard der Frankfurter Börse notiert ist, dennoch nicht - weltweit gebe es rund ein Dutzend Konkurrenten, sagt der Unternehmenschef.

Zwei Sparten stechen heraus

Die Firma mit rund 400 Mitarbeitern hat sich auf drei Sparten spezialisiert: Das Produktgeschäft, das Servicegeschäft und das Systemgeschäft. Beim Produktgeschäft werden Vakuum-Paneele beispielsweise zur Dämmung von Kühlschränken hergestellt, das Servicegeschäft konzentriert sich auf die Vermietung von Transportboxen für temperatursensible Güter und im Systemgeschäft verkaufen die Würzburger thermische Boxen für die verschiedensten Anwendungen.

Entwicklung der Va-Q-Tec-Geschäftsbereiche

Entwicklung der Va-Q-Tec-Geschäftsbereiche.

Noch vor rund zwei Jahren spielte das Produktgeschäft eine sehr große Rolle und erfreute sich eines starken Wachstums. "Seitdem hat sich das Produktgeschäft seitwärts entwickelt, aktuell gibt es dort auch einen Rückgang. Das System- und Servicegeschäft steigt aber deutlich an. Vor allem im ersten Quartal 2020 ist die Entwicklung der beiden Segmente sehr stark", verdeutlicht Kuhn. Das Servicegeschäft wuchs im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent an, das Systemgeschäft sogar um 92 Prozent.

Aktie aktuell im Aufwind

Der Börse ist die Wachstumsstory der vergangenen Wochen aus Würzburg nicht verborgen geblieben. Nach der Erstnotiz Ende September 2016 ging es mit der Aktie zunächst stürmisch nach oben, dann aber bis Ende 2018 auch wieder kräftig bergab. Seitdem hatte sich das Papier zurückgekämpft und wurde Mitte März dieses Jahres durch die Krise und die allgemeine Schwäche der Märkte wieder herunterbefördert.

Die neuen Wachstumserfolge, das positive erste Quartal und die positiven Aussichten haben dem Titel nun aber zu alter Stärke verholfen. Mit 14,65 Euro je Anteilsschein liegt der Kurs auf dem Niveau von Ende 2019. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs um rund 87 Prozent. Derzeit weist das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von rund 193 Millionen Euro auf.

ms