Proteste gegen Trumps Politik

Haushaltssperre schadet der Wirtschaft USA: Shutdown legt Börsengänge lahm

Stand: 15.01.2019, 11:48 Uhr

Seit 24 Tagen stehen viele Regierungsgeschäfte in den Vereinigten Staaten still. Der längste Shutdown in der Geschichte der USA blockiert auch den Finanzmarkt. Die Börsenaufsicht SEC kann keine Anträge mehr bearbeiten. Das durchkreuzt die Pläne einiger Tech-Unternehmen.

Seit kurz vor Weihnachten fehlt bei mehreren US-Behörden die nötige Finanzierung. Auslöser des Streits ist das von Donald Trump geforderte Budget für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Rund 800.000 Mitarbeiter von Regierung und Bundesbehörden müssen ohne Bezahlung arbeiten oder verbleiben im Zwangsurlaub. Das wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus.

Das Wachstum im ersten Quartal 2019 könnte durch den Teilstillstand um bis zu 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen, warnen Analysten von JPMorgan Chase. ForeScout zum Beispiel, eine Tech-Firma für Cybersicherheit, die rund 28 Prozent ihrer Erlöse über staatliche Behörden erwirtschaftet, dürften ausfallende Zahlungen laut Prognosen von Morgan Stanley besonders hart treffen.

Auch den Soft- und Hardware-Riesen Oracle und Microsoft könnte die Sperre Probleme bereiten. 15 Prozent des Umsatzes bei Oracle kommt vom Staat, bei Microsoft schätzen die Analysten den Anteil staatlicher Gelder an den Einnahmen auf neun Prozent.

Notbesetzung in der SEC

Nach Angaben des Chefökonomen des Präsidenten liegen die Kosten für den Shutdown bei etwa 1,2 Milliarden Dollar - pro Woche. Mit einer ähnlichen Summe rechnet auch die Ratingagentur Standard & Poor's.

Neben stillgelegten Nationalparks oder Museen und damit fehlenden Eintrittsgeldern spielt dabei auch der Lohnausgleich, den Beamte anders als Dienstleister normalerweise nach so einer Sperre bekommen, eine Rolle. Das könnte auch für die Mitarbeiter der Börsenaufsicht SEC gelten. Dort arbeiten aktuell nur 6,42 Prozent der Belegschaft.

Die Regierungsbehörde wurde am 27. Dezember geschlossen und arbeitet derzeit nur mit einer Notbesetzung: Lediglich 285 von 4436 Beschäftigten sind laut SEC bei der Arbeit. Eine Stilllegung der mächtigen SEC gab es seit 1995 erst drei Mal.

Börsengänge liegen auf Eis

U.S. Securities and Exchange Commission SEC

U.S. Securities and Exchange Commission . | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Der SEC stehen Mitarbeiter zur Verfügung, um auf Notfallsituationen wie Marktintegrität und Anlegerschutz, einschließlich Strafverfolgung, zu reagieren", schreibt die Agentur auf ihrer Website. Das sorgt für Papierstau und Verzögerungen. Börsengänge liegen somit zunächst auf Eis.

Dabei könnten 2019 die IPOs über Milliarden Dollar in den Markt pumpen. Wenn alle erwarteten Kandidaten folgen, könnte es ein Rekordjahr werden, berichtete das "Wall Street Journal" noch im Oktober.

Besonders kleinere Unternehmen leiden

Mindestens sieben Tech-Unternehmen planen einen Börsengang. Allein der Fahrdienst Uber strebt eine Bewertung von 120 Milliarden Dollar an. Das ist nach Angaben von Renaissance Capital fast dreimal so viel, wie die 190 Börsengänge im gesamten Jahr 2018 einbrachten.

Auch die IPOs des anderen Fahrdienstes Lyft, des Datenspezialisten Palantir oder der digitalen Pinnwand Pinterest müssen nun wohl verschoben werden. Große Konzerne können das verkraften. Kleinere Firmen allerdings brauchen den Börsengang, um frisches Geld an Land zu ziehen. Vor allem Biotech-Startups können nicht so lange ausharren wie die großen Namen aus dem Silicon Valley, warnen Finanzexperten.

Wie lange der Shutdown noch andauern wird, ist unklar. Eine Annäherung ist nicht in Sicht. Sollte die Haushaltssperre weiter gehen, könnten die Kosten bald selbst das geplante Budget der von Trump geplanten Mauer übersteigen.

tb