Anhänger des Kongress-Abgeordneten Delgado jubeln
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Anleger reagieren gelassen US-Zwischenwahlen: Börsen wählen grün

Stand: 07.11.2018, 10:19 Uhr

Das gemischte Ergebnis der US-Kongresswahlen sorgt an den Börsen für Entspannung. Der Dax legt kräftig zu. Der große Verlierer ist der Dollar. Die US-Währung gibt am Mittwochmorgen nach.

Der Teilsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen macht das Regieren für US-Präsident Donald Trump künftig komplizierter. Er verfügt künftig nicht mehr über eine Mehrheit in beiden parlamentarischen Kammern. Das könnte sich auf wirtschaftspolitische Projekte auswirken und auch schärferen Gegenwind für den Präsidenten selbst bedeuten. "Die nächsten Jahre könnten für die Politikmaschinerie Trumps viel schwieriger werden," meinte Experte Stephen Innes vom Handelshaus Oanda. "Der Erfolg der Demokraten wird Trump das Leben schwerer machen", sagte auch Experte David Madden von CMC Markets.

Euro auf Drei-Wochen-Hoch

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Nach dem kleinen Denkzettel für Trump ist der US-Dollar unter Druck geraten. Im Gegenzug profitierten viele andere Währungen, darunter der Euro. Am Morgen kostet die Gemeinschaftswährung 1,1472 Dollar und damit knapp einen halben Cent mehr als am späten Vorabend. Der Euro notiert auf dem höchsten Stand seit Mitte Oktober.

Dax & Co im Aufwind

Dagegen reagieren die Börsen freundlich auf den Wahlausgang. Der Dax legt um 1,3 Prozent zu. Auch der EuroStoxx 50 steigt kräftig. "Stützend auf die Kurse sollte unabhängig vom eigentlichen Resultat der Wahl wirken, dass nun ein Unsicherheitsfaktor weniger für Nervosität sorgt", sagte der Leiter der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Bauer, Thomas Metzger.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Eine große Überraschung blieb bei den Kongresswahlen aus. Deshalb nehmen die Anleger die Ergebnisse gelassen auf. "Die Börsen sollten mit diesem Wahlergebnis ganz gut leben können", meint Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. "Eine weitere Steuerreform dürfte damit zwar vom Tisch sein. Dafür wird Donald Trump zumindest innenpolitisch berechenbarer."

Kommt jetzt eine Börsen-Rally?

Tagesschau24
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tagesschau24 Mittagsbericht vom 07.11.2018

Die Republikaner von Präsident Trump verlieren zwar ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus. Sie dürften aber die Kontrolle im Senat behalten, der zweiten Kammer im amerikanischen Kongress. Dieses Ergebnis war weithin erwartet worden.

Historisch gesehen gibt es nach US-Midterm Elections meist eine kleine Börsen-Rally. Seit 1950 haben die Aktienmärkte in den zwölf Monaten nach Zwischenwahlen im Schnitt 15 Prozent zugelegt. Kommt also jetzt die Jahresendrally?

nb

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Das sagen Ökonomen zur US-Wahl Erste Reaktionen

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts

"Es wird ungemütlich für Trump, aber Verbesserungen für Europa im Streit über Zölle und Militärausgaben erwarte ich nicht. Die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus hat meines Erachtens drei Konsequenzen.

Erstens wird Trump weitere Steuersenkungen, die er plant, nicht durchsetzen können. Zweitens muss im März 2019 die Obergrenze für die Staatschulden erhöht werden. Die Demokraten könnten dafür Maßnahmen zum Abbau des Budgetdefizits verlangen, also eventuell Steuererhöhungen. All das bedeutet, dass der schuldenfinanzierte Boom in den USA schneller enden könnte als bislang erwartet. Drittens werden die Demokraten Trump mit Untersuchungsausschüssen unter Druck setzen, eventuell sogar ein Verfahren zur Amtsenthebung einleiten. Wirklich stürzen können sie den Präsidenten nicht, weil die Republikaner den Senat beherrschen.

Prinzipiell wären die Demokraten wie Trump daran interessiert, ein Investitionsprogramm für die US-Infrastruktur auf den Weg zu bringen. Das könnte ein gemeinsames Projekt sein. Aber einen solchen Erfolg werden die Demokraten Trump kaum gönnen, deshalb wird das wohl nichts.

In der Handelspolitik wird sich wenig ändern. Viele Demokraten sind eher protektionistisch orientiert. Es kann sogar sein, dass Trump gegenüber Europa und China noch aggressiver wird, um davon abzulenken, dass er innenpolitisch unter Druck gerät und nicht mehr viel bewegen kann."