Jerome Powell und die Zinsen

Powell spricht von drei Prozent und mehr US-Zinsen so hoch wie seit 2011 nicht mehr

Stand: 04.10.2018, 10:36 Uhr

Die US-Wirtschaft ist stark - eigentlich ein positives Zeichen. Doch den amerikanischen Notenbankchef Jerome Powell veranlasst es, stärker steigende Zinsen in Aussicht zu stellen. Das treibt die Renditen für US-Staatsanleihen - und wäre eine Gefahr für den Aktienmarkt.

Die USA befänden sich in "außergewöhnlichen Zeiten" mit einer niedrigen Inflation und sehr geringer Arbeitslosigkeit. Daher könnte der Leitzins über das so genannte neutrale Niveau gehen. Unter "neutral" versteht man ein Zinsniveau, das die Wirtschaft weder bremst noch anschiebt. Die Fed sieht es gegenwärtig bei etwa drei Prozent.

Derzeit liegt der Leitzins der Fed in einer Spanne zwischen 2,0 und 2,25 Prozent. Viele Beobachter waren bisher davon ausgegangen, dass die Fed ihren Straffungskurs im Laufe des kommenden Jahres beenden wird, weil dann das neutrale Niveau erreicht sein dürfte. Dieses Szenario wird durch Powells Bemerkungen in Frage gestellt. Allerdings beschwichtigte er: "Aktuell sind wir wahrscheinlich noch weit von diesem Punkt entfernt."

An den Finanzmärkten sorgte die Aussage Powells gleichwohl für Unruhe. Die Rendite für zehnjährige amerikanische Staatsanleihen kletterte über die Marke von 3,2 Prozent. Es ist das erste Mal seit dem Jahr 2011, dass dieses Niveau überschritten wird. Das färbte ab auf deutsche Staatsanleihen, deren Rendite bei den zehnjährigen Papieren auf 0,54 Prozent stieg. Die Entspannungssignale aus Italien unterstützten die Entwicklung. Denn dann sind die als eher sichere Häfen gefragten US-Anleihen weniger gefragt. Das drückt auf die Kurs, was im Gegenzug die Renditen nach oben treibt.

Am Aktienmarkt macht sich das bemerkbar, weil Investoren ihr Geld nun eher bereit sind umschichten in Anleihen. Der Dax verliert daher heute. Allerdings sind Banken und Versicherer wegen der Zinsfantasie gefragt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1021
Differenz relativ
+0,03%

Die Zinserhöhungsfantasie kommt auch der amerikanischen Währung zugute. Sie erstarkte. Umgekehrt fiel der Euro bis auf 1,1464 Dollar.

bs