Donald Trump verkündet US-Steuerreform
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Milliardeneffekte US-Steuerreform: Warum die einen leiden, die anderen nicht

Stand: 17.01.2018, 11:16 Uhr

Den großen Banken beschert die Absenkung der amerikanischen Körperschaftssteuer zunächst massive Verluste. Firmen wie die Autobauer freuen sich dagegen über Entlastungen. Warum ist das so?

Von der am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Absenkung der US-Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent profitieren alle Unternehmen, Banken und Versicherungen genauso wie große Industriebetriebe oder Dienstleister. Die Steuerreform zwingt aber alle Unternehmen mit Geschäften in den USA zur Neubewertung ihrer latenten, also erwarteten Steuerpositionen.

Neubewertung der Verlustvorträge

Dass die Reform bei einigen Banken zunächst zu milliardenschweren Belastungen geführt hat, ist keine Besonderheit der neuen Gesetzgebung, sondern eine Folge der Finanzkrise. Viele Institute wie die Citigroup hatten in der Krise riesige Verluste erlitten. Diese haben sie über die Jahre steuerlich geltend gemacht, um ihre Last zu drücken. Da nun die Körperschaftssteuer auf 21 Prozent absinkt, fallen die erwarteten Verlustvorträge (deferred tax assets) niedriger aus - und führen entsprechend zu höheren Belastungen.

Anders ausgedrückt: Weil durch die Senkung der Steuersätze die bereits bilanzierten künftigen Steuerverbindlichkeiten und - forderungen neu bewertet werden müssen, hat das Gesetz massive Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung der Unternehmen. Geld fließt dabei allerdings keines: Bei den Effekten geht es nur darum, dass bereits erfasste Posten anders bilanziert werden – mal mit positivem Ausgang, mal mit negativem.

Einmalige Belastung

Banken wie die Citigroup oder die Bank of America, die in der Finanzkrise besonders hohe Verluste erlitten hatten und milliardenschwere Verlustvorträge bilden mussten, sind von der Steuerreform entsprechend stark betroffen.

Dabei dürfte es sich nach Aussage von Experten um eine einmalige Belastung handeln. In diesem Jahr werden auch die jetzt belasteten Unternehmen von der Absenkung der Steuersätze profitieren können.

Kein Spezifikum der Banken

Doch diese Belastungen sind kein Spezifikum der Banken. Die erforderliche Neubewertung von Verlusten kann auch bei Industrieunternehmen Löcher in die BIlanz reißen. So bei Heidelberger Druck aus dem SDax: Weil der Druckmaschinenhersteller in der Vergangenheit hohe Verlustvorträge angesammelt hat und er diese nun nicht mehr in bisheriger Höhe geltend machen kann, muss er 25 Millionen Euro abschreiben.

Auch das in Hilden (NRW) ansässige Biotechunternehmen Qiagen stellt sich im vierten Quartal 2017 wegen der US-Steuerreform auf eine Belastung in Höhe von 110 bis 120 Millionen Dollar ein, fallen doch auf die Verlustvorträge nicht mehr 35 Prozent, sondern nur noch 21 Prozent Steuern an.

Positive Auswirkungen hat die Absenkung und Neubewertung der künftigen Steuerforderungen für Unternehmen ohne nennenswerte Verlustvorträge. Dazu gehören die Autobauer Daimler und BMW. Sie hatten in der Bilanz mit einer Steuerbelastung von 35 Prozent gerechnet. Weil der Steuersatz nun auf 21 Prozent sinkt, kommt es zu kräftigen Entlastungen.

lg

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US-Steuereffekte für deutsche Konzerne Unternehmen passen Gewinnerwartungen an

<b>FMC</b><br />Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) ist mit seinen Dienstleistungen rund um die Blutwäsche massiv in den USA vertreten. FMC rechnet dank der Senkung der Steuersätze mit einem einmaligen Buchgewinn von rund 200 Millionen Euro in diesem Jahr. Dieser ergebe sich insbesondere aus der Neubewertung passiver latenter Steuern, teilte das Dax-Unternehmen am Freitagabend in Bad Homburg mit. Weitere positive Effekte dürften aber auch im laufenden Geschäft durch die geringere Steuerbelastung folgen.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

FMC
Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) ist mit seinen Dienstleistungen rund um die Blutwäsche massiv in den USA vertreten. FMC rechnet dank der Senkung der Steuersätze mit einem einmaligen Buchgewinn von rund 200 Millionen Euro in diesem Jahr. Dieser ergebe sich insbesondere aus der Neubewertung passiver latenter Steuern, teilte das Dax-Unternehmen am Freitagabend in Bad Homburg mit. Weitere positive Effekte dürften aber auch im laufenden Geschäft durch die geringere Steuerbelastung folgen.