Sicherheitsbeamter vor der Deutschen Bank an der Wall Street, New York

Neues Ungemach für den Primus US-Sammelklage gegen Deutsche Bank

Stand: 08.06.2018, 11:23 Uhr

In Amerika auf Schadenersatz verklagt zu werden, kann bekanntlich teuer werden. Jetzt muss sich die Deutsche Bank gegen eine neuen Klage wehren.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dabei geht es um den jüngsten Kurssturz der Aktie. Dieser hat jetzt ein juristisches Nachspiel. In einer am Donnerstag in New York eingereichten Sammelklage wird das Institut beschuldigt, Investoren falsch und irreführend über die Geschäftspraktiken in den USA informiert zu haben. Sie verlangen nun Schadenersatz für die erlittenen Verluste. Die Deutsche Bank erklärte, sie halte die Klage für unbegründet und werde sich energisch wehren.

"In schwierigem Zustand"

Hintergrund der Klage ist ein Medienbericht über einen Tadel der US-Notenbank Federal Reserve, der den Kursrutsch ausgelöst hatte. Darin hatte die Fed als Aufseherin über die Großbanken das US-Geschäft der Frankfurter schon vor einem Jahr als "in schwierigem Zustand" eingestuft. All das ließ die Deutsche-Bank-Aktie in den Keller rauschen, auch wenn das Institut in Sachen Kontrollen und Infrastruktur erneut Besserung gelobte.

Deutsche Bank in der Park Avenue, New York

Deutsche Bank in der Park Avenue, New York. | Bildquelle: picture-alliance / Pressefoto ULMER/Markus Ulmer

Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider berichtet, sei ein derartiger Tadel der Fed selten und führe zu einer kurzen Leine der Aufseher. In der Konsequenz habe die Deutsche Bank wichtige Personalentscheidungen zu US-Managern mit der Notenbank abstimmen müssen.

Die Klage nimmt neben dem Unternehmen selbst auch Ex-Chef John Cryan, den ehemaligen Co-Leiter der Investmentsparte, Marcus Schenck, sowie Finanzvorstand James von Moltke ins Visier, wie aus Gerichtsunterlagen hervorging.

Aktie unter zehn Euro

Der Blick auf den Chart zeigt, dass die Lage ernst ist. Bei Kursen unter zehn Euro liegt die Börsenbewertung der Bank nur noch bei rund 19,5 Milliarden Euro. Peanuts im Vergleich zur angelsächsischen Konkurrenz der großen Investmentbanken. Marktführer JPMorgan Chase bringt knapp 322 Milliarden Euro auf die Börsenwaage.

Am Freitag fällt das Papier in einem schwachen Gesamtmarktumfeld weiter zurück. Im Dax gehört die Aktie am Mittag zu den größten Verlierern.

rtr/rm

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Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Kosten reduzieren
Die Deutsche Bank hat im Vergleich zu anderen Geldinstituten ein gravierendes Kostenproblem. Die Einnahmen der Bank sind in der jüngsten Vergangenheit stärker gesunken als die bereinigten Kosten. Das Geldinstitut musste 2017 rund 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen - gut 11 Cent mehr als 2015. Um die Kosten zu senken, will sich die Bank von rund 10.000 Mitarbeitern, also einem Zehntel der Belegschaft, trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Gerüchten zufolge plant die Bank außerdem, weitere 188 der 723 Filialen im Privatkundengeschäft zu schließen.