Injektion

Zusammen gegen das System US-Konzerne wollen eine Krankenkasse gründen

Stand: 31.01.2018, 10:29 Uhr

Amazon, JPMorgan und Berkshire Hathaway planen gemeinsam eine Krankenversicherung für ihre Mitarbeiter. Dazu wollen sie ein eigenes Unternehmen gründen. Die Aktien des amerikanischen Gesundheitssektors gerieten nach der Ankündigung unter Druck.

Der Plan ist revolutionär: Amazon, JPMorgan und Berkshire Hathaway wollen künftig die Gesundheitsversorgung ihrer über 1,1 Millionen Mitarbeiter übernehmen. Die Konzerne kündigten am Dienstag an, dafür gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, das die Kosten der Gesundheitsvorsorge für ihre Beschäftigten senken.

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Dabei soll es sich aber nicht um ein gewinnbringendes Konzept halten, so Berkshire-Chef und Star-Investor Warren Buffett. Das Ziel sei  eine "vereinfachte, qualitativ hochwertige und transparente Gesundheitsversorgung zu angemessenen Kosten".

Konzernchefs kritisieren das System

New Yorker Bürgerinnen demosntrieren pro Medicare (Krankenversicherung)

Medicare. | Bildquelle: picture alliance/ZUMA Press

Wie so oft liegt genau dort das Problem. Das amerikanische Gesundheitssystem ist vor allem eines: teuer. Die Gesundheitsausgaben stiegen in der Vergangenheit jährlich schneller als die Inflation. Im vergangenen Jahr machten sie rund 18 Prozent der US-Wirtschaft aus - laut der OECD sind es jährlich rund 9.000 Dollar pro Kopf.

Buffett kritisierte das Gesundheitssystem und seine "ausufernden Kosten". Er verglich das System mit einem hungrigen Bandwurm, der auf die amerikanische Wirtschaft aus sei. Das System könnten die drei Konzerne zwar nicht ändern – aber sie wollen es auch nicht weiterhin akzeptieren. "Unserer Ziel ist es, Lösungen zu schaffen, die unseren US-Arbeitnehmer, ihren Familien und potenziell allen Amerikaner zu Gute kommen", sagte JPMorgan-Chef Jamie Dimon.

Dem Gesundheitssystem geht’s an den Kragen

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Bislang stehen nur erste Pläne. Doch der größte amerikanische Internethändler, die größte US-Bank und die Investmentgesellschaft schicken einige ihrer Top-Manager zur weiteren Ausarbeitung ins Rennen. Zunächst geht es um technologische Lösungen. Amazon soll bereits das Pharmageschäft und dessen Vertrieb unter die Lupe genommen haben. In der Vergangenheit gab es bereits Gerüchte um die Übernahme von Apotheken.

Die Idee der drei Unternehmen könnte schon bald Nachahmer finden. Denn das Problem sind nicht nur hohen Kosten für Arztbesuche und Medikamente: Die amerikanischen Krankenversicherer selbst treiben die Kosten in die Höhe. Sie setzen auf sogenannte Pharmacy Benefit Manager: Die handeln im Auftrag von Krankenversicherungen die Preise für Pharmaprodukte mit Apotheken aus. Unklar ist dabei, was die Versicherungen so tatsächlich einsparen und wie viel vom Verkaufspreis in den Taschen der Preisverhandler verschwindet.

Muffensausen bei US-Krankenversicherern

Die Ankündigung der drei Top-Konzerne sorgte daher für eine deutliche Reaktion bei den amerikanischen Krankenversicherungen. Versicherungsanbieter UnitedHealth und die Apothekenkette CVS verzeichneten einen Verlust von rund sieben Prozent abwärts. Die Versicherung Aetna und Pharmacy Benefit Manager ExpressScripts verloren immerhin vier Prozent. Weitere Reaktionen waren bei den Kursen der Versicherer Anthem, Cigna und der Pharmahändler Cardinal Health und McKesson auszumachen.

jz