Financial district New York

Quartalszahlen vorgelegt US-Banken trotzen der Zinspolitik - noch

von Lothar Gries

Stand: 15.10.2019, 14:32 Uhr

Gleich vier amerikanische Großbanken haben heute ihre neuesten Quartalszahlen vorgelegt. Erstmals bekommen sie auch die niedrigen Zinsen zu spüren. Grund zum Jammern wie in Europa haben sie aber nicht.

Tatsächlich scheffeln die US-Banken weiterhin Milliarden. Allein die größte US-Bank, JPMorgan, hat im dritten Quartal 9,1 Milliarden Dollar (plus acht Prozent) verdient - mehr als die gesamte deutsche Kreditwirtschaft im gesamten Jahr erwirtschaften wird.

Auch ist es JPMorgan gelungen, trotz zweier Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank Fed, den Zinsüberschuss im dritten Quartal zu steigern - um zwei Prozent auf 14,4 Milliarden Dollar. Gelungen ist dies dank des anhaltend starken Verbrauchergeschäfts.

Starkes Verbrauchergeschäft

So hat das in den USA wichtige Kreditkartengeschäft um zehn Prozent zugenommen, das Volumen der gewährten Immobilienkredite kletterte um 12 Prozent. Insgesamt stiegen die Einnahmen der Bank im dritten Quartal auf 30 Milliarden Dollar, rund acht Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Auch die Citigroup konnte der Zinspolitik trotzen. Die Bank steigerte im dritten Quartal ihre Einnahmen zwar nur um bescheidene ein Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar. Dank einer gesunkenen Steuerquote kletterte der Gewinn um sechs Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Einzig die auf Privatkunden fokussierte Bank Wells Fargo hat die niedrigen Zinsen im dritten Quartal bereist zu spüren bekommen. Der Gewinn sank von sechs Milliarden auf 4,6 Milliarden Dollar - auch und vor allem weil der Zinsüberschuss um 950 Millionen Dollar gesunken ist.

Schwerere Zeiten erwartet

Damit bleibt die Schere zwischen den amerikanischen Banken und den großen Geldhäusern in Europa weit geöffnet. Während die nach Bilanzsumme zehn größten US-Institute ihren Nettogewinn im ersten Halbjahr um knapp ein Prozent auf umgerechnet fast 70 Milliarden Euro erhöhen konnten, verzeichneten Europas zehn Top-Banken einen Gewinnrückgang: Ihr kumulierter Konzernüberschuss sank um knapp sechs Prozent auf gut 26 Milliarden Euro. 

Allerdings kommen auch auf die US-Banken schwerere Zeiten zu, denn auch diesseits des Atlantik trübt sich die Konjunktur ein. So musste die Investmentbank Goldman Sachs bereits im dritten Quartal einen herben Gewinneinbruch verbuchen, auf 1,8 Milliarden Dollar, 650 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Grund ist die gestiegene Vorsorge für faule Kredite bei gleichzeitig rückläufigen Einnahmen.

Im vierten Quartal könnte die Geldpolitik der Notenbank Fed noch schwerer belasten. Denn weitere Zinssenkungen sind nicht ausgeschlossen.

Niedrige Zinsen haben auch Vorteile

"In den USA zeigt die Zinskurve nach unten, was auch die Erträge aus dem derzeit noch boomenden Privatkundengeschäft bremsen wird. Bislang konnte das starke Verbrauchergeschäft die Schwächen im Investmentbanking kompensieren – das wird in den kommenden Monaten immer weniger möglich sein", prophezeit Claus-Peter Wagner, Partner und Leiter der Financial Services Prüfungsabteilung von EY in Europa. Hinzu kommen Sorgen vor einer Eintrübung der Konjunktur.

Doch die geringeren Zinsen haben auch einen Vorteil: Sie stimulieren die gesamte Wirtschaft, weil sie die Kreditvergabe befeuern. So rechnet der Verband der Hypothekenbanken (Mortgage Bankers Association) mit einem Plus bei der Immobilienfinanzierung von 21 Prozent im dritten Quartal.

Auch die amerikanischen Verbraucher nutzen die gesunkenen Zinsen zum Einkauf über ihre Kreditkarte. Das kommt den Banken zugute, die dank des hohen Konsums, einen Teil der ihnen wegen der expansiven Geldpolitik entgangenen Zinserträge wieder einspielen können.