Skyline von New York vor US-Flagge.

Von Bank of America bis JPMorgan US-Banken: Das Schlimmste kommt erst noch

Stand: 15.04.2020, 15:31 Uhr

Die großen US-Banken haben im ersten Quartal drastische Gewinneinbußen erlitten, vor allem wegen einer gestiegenen Risikovorsorge. Und das könnte erst der Anfang sein.

So musste die Bank of America, eine der großen Universalbanken der USA, trotz leicht gestiegener Einnahmen einen Gewinneinbruch auf vier Milliarden Dollar vermelden, nach 7,3 Milliarden im gleichen Vorjahreszeitraum. Grund ist vor allem die auf 4,8 Milliarden Dollar angehobene Risikovorsorge für faule Kredite. Die belief sich im ersten Quartal des Vorjahres auf lediglich eine Milliarde Dollar. Am Vortag hatte bereits der amerikanische Branchenprimus JPMorgan einen Gewinneinbruch um fast 70 Prozent verkündet und dabei den gleichen Grund genannt.

Ganz ähnlich erging es der Investmentbank Goldman Sachs. Auch sie musste in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Gewinneinbruch um 49 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar hinnehmen. Dabei sanken die Erträge lediglich um ein Prozent auf 8,74 Milliarden Dollar.

Stark gestiegene Rückstellungen

Grund für den Ergebnisrückgang waren vor allem die Rückstellungen für faule Kredite: Sie vervierfachten sich per Ende März auf 937 Millionen Dollar von 224 Millionen ein Jahr zuvor. Dabei lief das operative Geschäft weiterhin gut. Im Handel und im Investmentbanking legten die Einnahmen im Vorjahresvergleich sogar um bis zu 28 Prozent zu. Mit den gestiegenen Rückstellungen wappnen sich die Banken für die befürchteten Kreditausfälle bei Unternehmen und privaten Haushalten in Folge des erwarteten Wirtschaftseinbruchs.

Das gilt auch für die Citigroup. Wegen der um fast fünf Milliarden Dollar gestiegenen Rückstellungen für faule Kredite brach der Gewinn im ersten Quartal um 46 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar ein. Die Erträge legten dagegen dank eines florierenden Aktien- und Anleihenhandels um zwölf Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar zu. "Unser Ergebnis für das erste Quartal wurde durch die Covid-19-Pandemie erheblich beeinträchtigt", sagte Vorstandschef Michael Corbat.

Größte Belastungen kommen noch

Experten befürchten, dass dies erst der Anfang einer noch viel schlimmeren Krise im zweiten Quartal sein könnte. Denn die Corona-Pandemie hat sich in den USA erst verspätet bemerkbar gemacht und die Wirtschaft lahmgelegt. Doch inzwischen haben bereits 16 Millionen Amerikaner ihre Jobs verloren. Viele haben keine Arbeitslosenversicherung und oftmals auch keine Ersparnisse, auf die sie nun zurückgreifen können. Laut einer Untersuchung der Notenbank Fed von 2019 sind derzeit 40 Prozent der Amerikaner nicht in der Lage, eine unerwartete Ausgabe von 400 Dollar zu stemmen. Das wird nun auch zur Belastung für die Banken.

Das sieht auch Citi-Chef Michael Corbat so. Er warnte, dass die größten Belastungen durch die Corona-Pandemie erst noch bevorstünden. Dennoch sehen sich die meisten US-Geldhäuser gut gerüstet, die Krise bestehen zu können, haben sie doch in den vergangenen Jahren viele Milliarden Dollar verdient und ihr Eigenkapital kräftig aufgestockt. Allein Goldman Sachs verfügte nach eigenen Angaben zum Stichtag 31. März über ein Kernkapital von 243 Milliarden Dollar.

Ein neue Finanzkrise wie in den Jahren 2008/2009 dürfte von den amerikanischen Banken also nicht ausgehen. Dennoch erwarten Analysten für das laufende und das kommende Jahr Gewinnrückgänge von bis zu 60 Prozent.

lg