Logo und Schriftzug von Air Berlin an einer Boeing 737

Wilde Zockerei bei Air Berlin Der Unsinn mit der Aktie von Air Berlin

von Bettina Seidl

Stand: 12.10.2017, 16:13 Uhr

Die Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin. Die Air-Berlin-Aktie schoss bereits nach der Ankündigung katapultartig in die Höhe - völlig unsinnigerweise.

Um mehr als 50 Prozent kletterte die Air-Berlin-Aktie heute gleich in den ersten Handelsminuten nach oben, von 16 Cent auf 25 Cent. Zeitweise belief sich das Plus sogar auf mehr als 100 Prozent, und das Papier wurde zu 35,4 Cent gehandelt, bevor es wieder abwärts ging.

Hoffen wir, dass kein unbedarfter Anleger dabei war und nur noch Spekulanten, die wissen, dass sie sich die Finger verbrennen können. Zwar klingen die heutigen Nachrichten positiv: Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Beide Unternehmen haben heute einen entsprechenden Kaufvertrag unterzeichnet, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr schon am Morgen in Berlin angekündigt hatte.

Doch was heißt das? In der Regel übernimmt im Pleitefall niemand das komplette Unternehmen, weil auf den Käufer dann auch sämtliche Schulden übergehen. Und die sind ordentlich bei Air Berlin, ein Schuldenberg von mehr als einer Milliarde Euro wäre zu schultern. Auch die Lufthansa ist daran nicht interessiert.

Deshalb werden bei einer Pleite nur die Vermögenswerte und nicht die Aktien übernommen, und das Unternehmen wird abgewickelt. So sieht es auch bei Air Berlin aus. Lufthansa-Chef Spohr will laut eigenem Bekunden 81 Flugzeuge übernehmen, 3.000 Mitarbeiter neu einstellen und dafür 1,5 Milliarden Euro investieren.

Welche Aussichten haben Anleihegläubiger?

Für die Aktionäre wird davon aber nichts übrig bleiben. Denn im Falle der Insolvenz werden zunächst die Gläubiger bedient, also in erster Linie der Bund und die kreditgebenden Banken. Dann kommen die Anleihe-Gläubiger an die Reihe. Der Kurs der Anleihe von derzeit fünf Prozent spiegelt die Erwartung der Börse wider: dass die Anleihe-Gläubiger nur noch mit fünf Prozent ihres Geldes rechnen.

Welche Aussichten haben Aktionäre?

Erst wenn alle Gläubiger bedient sind, kämen die Anteilseigner, also die Aktionäre an die Reihe. Vorausgesetzt, es wäre dann noch etwas zu verteilen. Danach sieht es aber nicht aus. Die Aktionäre gehen mit großer Wahrscheinlichkeit leer aus. Die Air-Berlin-Aktie ist also wertlos. In dieser Realität sind die Aktionäre von Air Berlin aber noch nicht angekommen. Seit dem Insolvenzantrag Mitte August hat sich der Aktienkurs zwar pulverisiert, er fiel von 0,75 Euro auf ein Tief von 0,12 Euro. Doch heute scheint die Hoffnung zurück.

Sei es durch spekulativ orientierte Trader, die wissen, dass die Aktien insolventer Firmen immer wieder irrationale Kurssprünge gut sind, oder durch unwissende Anleger. Dem langfristig orientierten Anleger sei aber ans Herz gelegt: Finger weg von der Air-Berlin-Aktie!