Auf einem Schild mit United Internet-Schriftzug spiegelt sich die Unternehmenszentrale

Anleger entsetzt Preisstreit mit Telefonica: United Internet stürzt ab

Stand: 21.09.2020, 19:45 Uhr

Der Internet- und Telekomkonzern United Internet hat wegen unerwartet hoher Preisforderungen des Konkurrenten Telefonica Deutschland für die Nutzung dessen Mobilfunknetzes die Prognose gesenkt. Die Anleger treten die Flucht an.

Mit einem Abschlag von 23,7 Prozent belegten am Montag die Titel von United Internet den letzten Platz im MDax. Die im TecDax Aktien notierten Aktien der United-Internet-Tochter Drillisch sackten um 27,7 Prozent ab. Die Anleger reagierten auf die Eskalation im Preisstreit mit Telefonica.

Die Prognosesenkung infolge des Preisdisputs mit Telefonica Deutschland sei sehr negativ für die United-Tochter 1&1 Drillisch, schrieb Goldman-Analyst Andrew Lee. Es drohe bei diesen Preisen für die Mobilfunkkapazitäten ein jahrelanger Gewinnrückgang.

Jeffries-Analyst Ulrich Rathe sieht sich in seiner skeptischen Einschätzung der Lage bestätigt, die ihn Ende 2019 zur Abstufung der Papiere von United Internet bewogen hatte. Der Preisdisput bedeute ein unkalkulierbares Risiko für das Geschäftsmodell von 1&1 Drillisch. Gleichwohl befänden sich 1&1 Drillisch und Telefónica Deutschland wohl weiter in konstruktiven Verhandlungen, so dass Letztere eher taktisch agiert haben könnten.

Dauerhafte Ergebnisrückgänge

United Internet hatte gestern mitgeteilt, dass statt eines Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von ungefähr 1,266 Milliarden Euro und damit auf Vorjahreshöhe nun ein Rückgang auf 1,18 Milliarden Euro erwartet werde. "Außerdem wird es auch in den Folgejahren zu hohen Ergebnisrückgängen kommen, sollten die von Telefonica geforderten Preise dauerhaft anwendbar sein."

United Internet hält die die am Freitag in Rechnung gestellten Vorleistungspreise für Juli und August für nicht angemessen und will dagegen vorgehen. Telefonica Deutschland (O2) und die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch verhandeln derzeit über die Preise für die Bereitstellung von Mobilfunkkapazitäten. Diese muss Telefonica Deutschland unter anderem als eine Auflage der Fusion mit E-Plus bereitstellen.

United Internet-Chef Ralph Dommermuth

United Internet-Chef Ralph Dommermuth . | Bildquelle: Imago

Auswirkungen auf 5G-Ausbau

"1&1 Drillisch hält die von Telefonica ab 1. Juli 2020 geforderten Vorleistungspreise für nicht in Übereinstimmung mit den Selbstverpflichtungen von Telefonica unter der Freigabeentscheidung der EU-Kommission zum Zusammenschluss mit E-Plus", hieß es in der Mitteilung. Zudem seien die Preise nicht im Rahmen des bisher bestehenden Vertrags mit Telefonica. Hier laufe seit Juli die erste fünfjährige Verlängerungsphase, auch wenn es noch keine Einigung über die Preise gab.

Der Ausgang der laufenden Verhandlungen habe auch Auswirkungen auf den von 1&1 Drillisch geplanten Aufbau eines leistungsfähigen 5G-Netzes, hieß es weiter. Telekom, Vodafone, Telefónica sowie 1&1 Drillisch haben für entsprechende Frequenzen des 5G-Netzes Milliarden auf den Tisch gelegt.

Telefónica Flaggen vor dem E-Plus Gebäude

Telefónica Flaggen vor dem E-Plus Gebäude. | Bildquelle: Telefonica Deutschland

Beim Ausbau ist Kooperation zwischen den Wettbewerbern gefragt, doch daran hakte es zuletzt. Anders als die Wettbewerber verfügt die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch bisher noch nicht über ein eigenes Mobilfunknetz. Da einige 1&1-Frequenzblöcke erst in einigen Jahren bereitstehen werden, mietet das Unternehmen bis dahin welche von Telefónica.

Bundesnetzagentur eingeschaltet

Am Abend nach Börsenschluss wurde bekannt, dass 1&1 Drillisch im Streit die Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur einschalten will. Die Agentur solle ihre Schiedsrichterrolle gegenüber Vodafone und Deutsche Telekom wahrnehmen, hieß es.

ts/rm/dpa