United Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Aktie des Tages United Internet: Die Wette läuft

Stand: 27.03.2019, 10:32 Uhr

Die Aktie des Telekommunikations- und Internetanbieters United Internet kannte bis letzten Monat nur eine Richtung: nach unten. Das hat Gründe, mischt das Unternehmen doch bei der milliardenschweren Versteigerung von Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G mit. Doch wie geht es weiter?

Wenn Konzernchef Ralph Dommermuth am morgigen Donnerstag die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2018 präsentiert, dürfte auch die Beteiligung des Unternehmens aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur eine Rolle spielen. Denn die Auktion ist teuer, so teuer, dass sich viele Anleger fragen, ob ein mittelständisches Unternehmen wie United Internet die nötigen Ausgaben dafür überhaupt wird stemmen können.

Zudem ist fraglich, wie die Wette ausgeht und was aus United Internet wird, falls das Unternehmen bei der 5G-Auktion nicht zum Zuge kommt. Tatsächlich ist die Aktie seit ihrem Hoch im Januar 2018 bei gut 59 Euro abgestürzt und hat bis zum Februar diesen Jahres fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Seit dem Tief bei 30,76 Euro hat sich das Papier zwar stabilisiert, doch ob das nachhaltig ist bleibt abzuwarten.

"Gesunde Langfristigkeit"

United Internet-Chef Ralph Dommermuth

United Internet-Chef Ralph Dommermuth . | Bildquelle: Imago

Dass der Aktienkurs von United Internet unter seinen Netz-Plänen leidet, nimmt Dommermuth in Kauf. Dem "Handelsblatt" sagte er: "Ich betreibe das Geschäft nun seit 31 Jahren und habe meinen Aktionären nie etwas anderes versprochen als gesunde Langfristigkeit." Und weiter: "Wir haben jetzt eine reelle Chance, große Entwicklungen anzustoßen und die Zukunft unseres Unternehmens aktiv zu gestalten. Am Ende wird es sich für die Aktionäre auszahlen, wenn wir auch im Mobilfunk eine tiefe Wertschöpfung haben, so wie es in unseren anderen Geschäftsfeldern bereits der Fall ist.“

Die Analysten sind offenbar ähnlicher Meinung. Die meisten empfehlen die Aktie zum Kauf, keiner rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei über 53 Euro - weit über dem aktuellen Kurs von gut 34 Euro.

Positive Analysten

UBS-Experte Polo Tang verweist auf unterschiedliche Szenarien für die Auktion. Selbst wenn 1&1 Drillisch Frequenzen ersteigern würde, sei es nicht sicher, dass das Unternehmen auch tatsächlich ein eigenes Netz aufziehen würde. Schließlich könnten die Lizenzen auch weiterverkauft oder zurückgegeben werden.

Zudem müsse ein Netzeinstieg von Drillisch nicht zwingend den Markt durcheinanderwirbeln. Letztlich seien sich Investoren auch unsicher, wie viele Frequenzen für ein eigenes Netz nötig seien.

Auf einem Schild mit United Internet-Schriftzug spiegelt sich die Unternehmenszentrale

Firmensitz von United Internet in Montabaur. | Bildquelle: Imago

Usman Ghazi von Berenberg sieht ebenfalls positive Zeichen für den Sektor. Würden Preise wie zuletzt bei einer Auktion in Italien gezahlt, wären 8,5 Milliarden Euro für die Frequenzen nötig - allerdings sei die Nachfrage in Deutschland nach "frischem Mobilfunkspektrum" in den angebotenen Frequenzbereichen voraussichtlich deutlich niedriger. Daher könnten insgesamt auch nur rund drei Milliarden Euro an Frequenzausgaben für die Branche fällig werden.

Kann sich United Internet das leisten?

Trotzdem war zuletzt die Furcht groß, dass sich United Internet mit teuren Ausgaben für ein 5G-Netz verheben könnte, zumal sich die Tochter 1&1 Drillisch vor der Versteigerung zusätzliche 2,8 Milliarden Euro an Kreditlinien gesichert hat. Bisher ist der Konzern im Mobilfunk nur Anbieter ohne eigenes Netz, der freie Kapazitäten vor allem von O2 und Vodafone anmietet und damit eigene Tarife am Markt anbietet.

Ein eigenes Mobilfunknetz mit eigenen Sendestationen würde United Internet und 1&1 Drillisch auch im Mobilfunk zum Infrastrukturanbieter machen - ein weitgehend anderes Geschäftsmodell als bisher. Zudem wären hohe Investitionen in die Technik erforderlich. Über die Nutzungsdauer lasten dann Abschreibungen auf den Gewinnen.

Sinkt die Dividende?

Für den Fall der Ersteigerung von Frequenzen will 1&1 Drillisch die Dividendenpolitik überdenken, die bisher eine Ausschüttung von 80 Prozent des operativen Konzernergebnisses vorsieht. Und auch im laufenden Geschäft war zuletzt nicht alles Gold.

So ging die unter Druck stehende Telefonica im vergangenen Jahr zwischenzeitlich mit Kampfpreisen im Billigsegment an den Markt - Dommermuth wollte aber nicht so viel Rabatt geben und musste daraufhin die Kundenprognose senken. 1&1 Drillisch hatte seinerseits bereits rund 300 Millionen Euro an Subventionen für Smartphones ausgelobt, um Kunden in teurere Tarife zu locken.

lg/dpa-AFX