Unilever London

Umzug abgeblasen Unilever muss in London bleiben

Stand: 05.10.2018, 12:03 Uhr

Eigentlich wollte der Konsumgüterhersteller Unilever seinen Firmensitz von London nach Rotterdam verlegen - nicht nur wegen dem Brexit. Doch daraus wird nichts.

Nach zunehmenden Protesten angelsächsischer Investoren hat der Konsumgüterkonzern Unilever den geplanten Umzug der Konzernzentrale abgesagt. "Wir haben festgestellt, dass unser Vorschlag bei einer bedeutenden Gruppe von Anlegern keine Unterstützung gefunden hat", teilte der Hersteller von Magnum-Eis, Dove-Seife und Lipton-Tee am Morgen mit.

Unilever-Zentrale in Rotterdam

Unilever-Zentrale in Rotterdam. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Daher sei es angemessen, den Rückzug aus der britischen Hauptstadt abzublasen. Nun bleibt die umstrittene Struktur mit zwei Hauptverwaltungen in Rotterdam und London erhalten. Über weitere Schritte werde das Unternehmen nun beraten, sagte Aufsichtsratschef Marijn Dekkers.

Übernahmeversuch abgewehrt

Der frühere Bayer-Chef leitet seit 2016 das Kontrollgremium. Unilever hatte im März beschlossen, sich künftig auf seinen Hauptsitz in den Niederlanden zu beschränken. Dies hatte der Konzern seinen Aktionären versprochen, nachdem er 2017 einen 143 Milliarden Dollar schweren Übernahmeversuch des US-Konzerns Kraft Heinz abgewehrt hatte.

Konzernchef Paul Polman hatte betont, dass der für 2019 geplante EU-Austritt Großbritanniens bei der Entscheidung keine Rolle gespielt habe. Allerdings habe die geplante Abschaffung der Dividendensteuer in den Niederlanden das Votum für Rotterdam befördert.

Fondsgesellschaften wehren sich

Der Hersteller von Seifen wie Dove oder Eiscreme der Marke Ben & Jerry's hatte die Offerte aus den USA zwar abgewehrt, will sich aber nun in dem sich rasch wandelnden Markt effizienter aufstellen. Der Henkel-Konkurrent räumte jedoch ein, für den Umzug keine ausreichende Unterstützung erhalten zu haben.

Unilever-Zentrale in Hamburg

Unilever-Zentrale in Hamburg. | Quelle: picture-alliance/dpa

Dabei handelt es sich um Fondsgesellschaften wie Columbia Threadneedle, Janus Henderson und Schroders. Sie halten rund zwölf Prozent der Anteile an Unilever und haben sich von Anfang an gegen den Abzug aus London ausgesprochen. Dabei wollte Unilever mit dem Schritt seine Strukturen vereinfachen und Kosten sparen - eigentlich eine Aktion im Sinne der Fonds. Doch der Umzug hätte auch negative Folgen gehabt.

So wäre Unilever mit ziemlicher Sicherheit aus dem wichtigen britischen Aktienindex FTSE 100 geflogen. Für die britische Wirtschaft ist die jüngste Entscheidung des Konzerns ein positives Zeichen. Vielen Unternehmen macht die Unsicherheit um die Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU zu schaffen.

lg