Barometer

Virus lässt Anleger keine Atempause Unbeständiger Börsen-Sommer

Stand: 02.08.2020, 11:11 Uhr

Der Corona-Sommer bleibt wechselhaft - auch an den Börsen. Nach einer starken ersten Monatshälfte sind die Juli-Gewinne im Dax wieder weggeschmolzen. Auch in der ersten August-Woche dürfte es unbeständig werden.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Sommer, Sonne, Sorglosigkeit – das war zuletzt mehrere Wochen lang die Devise unter den Aktienanlegern. Seit Ende Mai kletterte der Dax von fast 11.600 Punkten auf bis 13.313 Zähler. Zum Rekordhoch fehlten nur noch knapp 500 Zähler. Doch dann wurde es einigen Anlegern mulmig, sie bekamen kalte Füße - und traten den Rückzug an. In der letzten Juli-Woche rutschte das deutsche Börsenbarometer wieder um gut vier Prozent ab. Damit schmolz der gesamte Monatsgewinn dahin.

Die harte Corona-Realität hat die Börsianer wieder eingeholt. Weltweit steigende Virus-Neuinfektionen vor allem in den USA, aber auch eine zunehmende Ausbreitung in Teilen Europas haben die Furcht vor einer zweiten Welle geschürt. Hinzu kamen verheerende Konjunkturdaten. In der EU brach die Wirtschaftsleistung um rund 12 Prozent ein, in den USA annualisiert um ein Drittel.

Angst vor der zweiten Welle

Die Sorgen vor einer zweiten Welle dürften in den kommenden Wochen die Finanzmärkte beherrschen, glauben Experten wie die Volkswirtin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Ähnlich sieht das Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank. "Die Frage einer zweiten Infektionswelle und eine im Herbst drohende Insolvenzwelle bleiben ein latentes Aktien-Risiko", warnt er.

Chefanlagestratege Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank hält die Befürchtungen für berechtigt, dass die in Gang gekommene wirtschaftliche Erholung wieder gebremst werden könnte. Er rechnet mit einer Fortsetzung der Konsolidierung an den Aktienmärkten - wenn auch ohne den ganz großen Druck nach unten.

Preist die Börse die V-Erholung aus?

Die Hoffnung auf eine rasche Erholung der Wirtschaft war wohl zu voreilig, glauben die Experten des Fuchs-Börsenbriefs. Sie gehen davon aus, dass "die Börse ihre V-Erholung nun abbricht und sich der Realwirtschaft wieder angleicht".

Wie der Zustand der Realwirtschaft ist, dürften neue Konjunkturdaten in der nächsten Woche zeigen. So werden am Donnerstag und Freitag Daten zum Auftragseingang und zur Produktion der deutschen Industrie veröffentlicht.

US-Arbeitsmarkt im Blickpunkt

In den USA stehen am Montag und Mittwoch die ISM-Indices an, am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht. Die BayernLB prophezeit eine kräftige Erholung. Zuletzt dämpften die Rekord-Infektionszahlen in den USA die Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung. Sollten weitere Lockdowns gerade in den südlichen US-Bundesstaaten nötig werden, drohen neue Bremsspuren in der US-Wirtschaft.

Am Freitag lief das wichtige Hilfspaket für die Arbeitslosen aus. Auf ein neues Programm konnten sich bislang die Parteien noch nicht einigen. Immerhin hat US-Präsident Donald Trump den Ernst der Lage inzwischen erkannt. Er hat begriffen, dass eine Eindämmung der Pandemie seine Wahlchancen im November erhöht.

Die unglaubliche Nasdaq-Rally

Noch nimmt die Wall Street die Virus-Gefahr recht locker. In der abgelaufenen Woche stieg der S&P 500 um 1,7 Prozent, die Nasdaq gar um 3,7 Prozent. Im Juli stieg die Tech-Börse um fast sieben Prozent, der S&P 500 legte 5,5 Prozent zu. Nur der Dow hinkte mit einem Plus von 2,5 Prozent etwas hinterher.

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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Zuletzt gaben phänomenale Quartalszahlen der Big Techs neuen Schub. Apple, Facebook und Amazon übertrafen erneut die Erwartungen. Apple stieg zum wertvollsten Börsenunternehmen der Welt auf.

In der kommenden Woche ebbt die Zahlenflut in den USA ab. Lediglich Walt Disney (Dienstag), Zynga (Mittwoch) und Uber (Donnerstag) legen Bilanzen vor.

14 Dax-Konzerne legen Bilanzen vor

Dagegen nimmt die Berichtssaison in Deutschland Fahrt auf. Alleine 14 Dax-Konzerne geben Einblick in ihre Bücher. Den Anfang macht MTU am Montag, am Dienstag folgen Bayer und Infineon, am Mittwoch melden Allianz, BMW, Conti, Deutsche Post und Vonovia ihre Bilanzen. Den Zahlenreigen rundet am Donnerstag Siemens, Henkel, Merck, Münchener Rück, Adidas und Beiersdorf ab. Aus der zweiten Reihe präsentieren die Lufthansa, die Hannover Rück, Dax-Aufstiegskandidat Symrise und der Corona-Profiteur Teamviewer ihre Bilanzen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Spannend dürfte auch die Entwicklung bei der Commerzbank werden. Am Montag tagt der Aufsichtsrat, um die Führungskrise zu lösen. Am Mittwoch folgen die Quartalszahlen. Es dürfte eine heiße Woche werden!

nb