Aktionäre auf der Volkswagen-Hauptversammlung 2015
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Aktienboom bei Ü60 So viele Aktionäre wie seit 2007 nicht mehr

Stand: 19.02.2018, 11:17 Uhr

Der Höhenflug an den Börsen im vergangenen Jahr hat vielen Deutschen wieder Lust auf Aktien gemacht. Die Zahl der Aktionäre hierzulande stieg auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. Besonders Rentner griffen zu.

Was einzelne Online-Broker schon festgestellt hatten, scheint sich nun zu bestätigen: Die Deutschen entdecken die Aktien wieder! 2017 stieg die Zahl der Aktionäre um fast 1,1 Millionen auf 10,06 Millionen, gab das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Montag bekannt. Das ist ein Zuwachs von zwölf Prozent. Jeder sechste Deutsche (15,7 Prozent) besitzt demzufolge Aktien oder Aktienfonds.

Damit ist das Niveau von vor der Finanzkrise wieder erreicht. Zuletzt gab es 2007 über zehn Millionen direkte und indirekte Aktionäre. Danach schrumpfte die Zahl der Aktienbesitzer auf knapp 8,4 Millionen, bevor sie ab 2011 wieder leicht anzog.

Aktienquote immer noch recht niedrig

Dennoch will das Aktieninstitut noch nicht von einer Trendwende sprechen. "So erfreulich die Entwicklung 2017 war, Entwarnung für die Aktienkultur bedeutet dies nicht", schreibt die Aktien-Lobby. Denn im internationalen Vergleich sei die Aktienquote immer noch sehr niedrig. In den USA etwa gibt es deutlich mehr Aktionäre - allerdings fördert der Staat dort die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich.

Chart Aktionäre und Aktienfonds-Besitzer

Aktionäre und Aktienfonds-Besitzer. | Bildquelle: Deutsches Aktieninstitut, Grafik: boerse.ARD.de

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Ein weiterer Grund für die Skepsis des Aktieninstituts ist das prozyklische Verhalten der Anleger. In der Vergangenheit seien sie meist der Kursentwicklung nachgelaufen und hätten sich bei fallenden Kursen wieder von ihren Anlagen getrennt. "Der Lackmustest einer längeren Phase fallender Kurse oder steigender Zinsen auf Alternativanlagen steht noch aus."

Vor allem Ü60-Jährige setzen auf Aktien

Zudem sind es vor allem die über 60-Jährigen, die den neuen deutschen Aktienboom mitmachen. 2017 stieg in dieser Altersgruppe die Zahl der Aktionäre um knapp 400.000. Mittlerweile ist gut jeder dritte deutsche Aktionär über 60.

Bei der Altersgruppe der 14- bis 39-Jährigen investiert nur jeder Zehnte (10,5 Prozent) in Aktien. Immerhin gab es 2017 auch bei den jüngeren Anlegern einen Zuwachs von 240.000 Aktionären.

Kluft zwischen Ost und West

Die Aktionärsquoten in Ost- und Westdeutschland drifteten im vergangenen Jahr weiter auseinander. In den alten Bundesländern stieg die Anzahl der Aktienbesitzer um 12,9 Prozent, während sie in den neuen Bundesländern nur um 7,8 Prozent zulegte. Die Aktienquote in Ostdeutschland liegt mit 11,2 Prozent der Bevölkerung nun wieder deutlich unter dem Niveau von Westdeutschland mit 16,9 Prozent.

Ein Grund könnte sein, dass die Aktienbesitzer relativ wohlhabend sind. Laut dem Aktieninstitut verfügen rund vier Millionen Aktionäre über ein monatliches Einkommen von über 4.000 Euro. Bei den Bürgern, die weniger als 2.000 Euro monatlich verdienen, beträgt die Aktienquote nur 5,9 Prozent.

Aktien gegen Altersarmut?

Top-Manager wie zuletzt Siemens-Chef Joe Kaeser hatten zuletzt eine Vermögensbildung über Aktien als Mittel gegen die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm in Deutschland vorgeschlagen. Dafür erntete er Hohn und Spott in Satire-Shows.

Um die deutsche Aktienkultur weiter zu fördern, verlangt das Aktieninstitut eine stärker auf Aktien fokussierte Altersvorsorge. Zudem macht sich die Lobby für ein Ende der steuerlichen Diskriminierung der Aktienanlage stark.

Von Zeiten der Börseneuphorie zu Beginn des neuen Jahrtausends, als unter anderem die "Volksaktie" Telekom die Menschen in Scharen anlockte, sind die Aktionärszahlen in Deutschland ohnehin noch weit entfernt: 2001 gab es in Deutschland fast 13 Millionen Aktionäre, die Aktionärsquote lag bei 20 Prozent. Das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt verschreckte viele Kleinanleger nachhaltig.

nb