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Erobert Alibaba den weltweiten Onlinehandel? Übernahmefantasie bei Zalando

Stand: 03.01.2019, 10:38 Uhr

Übernahmespekulationen haben am Donnerstag die Aktien von Zalando beflügelt. Die Titel von Europas größtem Online-Modehändler waren am Vormittag der größte Gewinner im MDax. Hintergrund scheint der Angriff des chinesischen Konzerns Alibaba auf den globalen Onlinehandel zu sein.

Händler führten die Kursgewinne des Berliner Unternehmens auf einen Bericht des "Handelsblatts" zurück. Start-up-Gründer Marcel Münch bezeichnete den Onlinehändler im Gespräch mit der Zeitung als "Übernahmekandidaten", wenn Alibaba bald massiv in Europa investiere. Interessant machten die Berliner der Zugang zu ihren 25 Millionen Endkunden sowie die relativ günstige Börsenbewertung, so Münch weiter.

Die Zalando-Papiere hatten bereits am Vorabend auf der Handelsplattform Tradegate nachbörslich leicht positiv auf das Interview reagiert. Am Donnerstag kletterten sie nun in der Spitze um bis zu 6,1 Prozent auf 24,36 Euro nach oben. "Die Spekulationen um Zalando sind nicht ganz neu, aber durch den Zeitungsbericht haben sie neue Nahrung erhalten", sagte ein Händler.

Eroberung des weltweiten Onlinehandels

Alibaba-Chef Jack Ma will die Welt verändern. "Wir stellen neue Regeln für die Zukunft auf", sagte er jüngst. Allein am Singles Day setzte Alibaba Waren im Wert von 30,7 Milliarden Dollar um. Zum Vergleich: Amazon nahm am Cyber Monday in den USA gerade mal 7,9 Milliarden US-Dollar an Erlösen ein. Die Märkte in Südostasien und Afrika hat Alibaba bereits erobert - nun ist Europa dran.

Alibaba-Zentrale in Hangzhou, China

Alibaba-Zentrale in Hangzhou, China. | Quelle: Unternehmen

Die belgische Stadt Lüttich sei als neuer Knotenpunkt des globalen Netzwerks von Cainiao, der Logistiktochter von Alibaba, ausgewählt worden, sagte Europa-Chef Terry von Bibra der belgischen Wirtschaftszeitung "L’Echo". Vom geplanten Logistikzentrum in der Nähe des Flughafens sollen europäische Firmen Produkte nach China liefern können und chinesische Ware nach Europa eingeführt werden.

Alibaba investiert 75 Millionen Euro - vorerst

Laut dem "Handelsblatt" soll der Standort rund 220.000 Quadratmeter umfassen, mindestens 75 Millionen Euro wolle Alibaba dort zunächst investieren. Allein aus Europa könnten in den kommenden fünf Jahren nach Angaben des Blattes Waren im Wert von über 200 Milliarden Euro in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt exportiert werden.

Von Bibra betonte, dass die Expansion in Europa weitergeht. "Das Wichtigste ist, dass wir eine enge Zusammenarbeit mit Lüttich entwickelt haben, auch wenn die Expansion von Alibaba in Europa hier nicht aufhören wird", sagte er und ergänzte: "Wir werden die Möglichkeit in Betracht ziehen, ein zweites oder drittes Zentrum zu schaffen. Es ist ein Prozess, der mehrere Jahre dauern wird."

Projekt geht weit über Belgien hinaus

Der Plan hat einen Namen: "electronic World Trade Platform", kurz eWTP. Mit dieser Plattform hat das chinesische Pendant zu Amazon das Ziel, den globalen Handel zu revolutionieren. Alibaba will die Hersteller direkt mit den Endkunden zusammenbringen - anders als der US-Gigant als reiner Plattformanbieter.

Bei seinem Handelskonzept ist Alibaba eng mit dem Logistikdienstleister Cainiao verknüpft. Das langfristige Ziel: Bestellungen aus China sollen innerhalb von 24 Stunden und in der restlichen Welt innerhalb von drei Tagen vollständig abgewickelt sein.

Zur Strategie gehören auch Übernahmen. Bereits gekauft hat Alibaba den asiatischen Onlinehändler Lazada. Ist Zalando das nächste Ziel?

tb