Tik Tok

Kalter IT-Krieg? Auch Twitter schielt auf Tiktok

Stand: 10.08.2020, 11:41 Uhr

Das große Gerangel um Tiktok hat begonnen. Nach Microsoft hat nun auch Twitter Interesse an der chinesischen Video-App signalisiert. Die Trump-Regierung setzt derweil ihren Feldzug gegen die China-Apps fort und geht auch gegen Tencent vor.

Wer macht das Rennen im Kampf um das US-Geschäft der Teenager-App? Im Gerangel um die Zukunft von Tiktok ist ein weiterer Akteur auf der Bildfläche aufgetaucht. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat auch der Kurznachrichtendienst Twitter Interesse. Nach ersten Gesprächen sei aber unklar, ob Twitter die Pläne vorantreiben werde, schrieb die Zeitung am Wochenende unter Berufung auf Insider.

Microsoft könnte den Milliarden-Deal eher stemmen

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Der chinesische Tiktok-Eigentümer Bytedance verhandelt gerade unter massivem Druck aus dem Weißen Haus mit Microsoft über eine Übernahme des Geschäfts in den USA und mehreren anderen Ländern. Die populäre Video-App dürfte mehrere Dutzend Milliarden Dollar kosten. Twitter wäre dafür finanziell viel schlechter gerüstet als Microsoft. Der Windows-Konzern sitzt auf Reserven von mehr als 130 Milliarden Dollar. Allerdings könnte für den US-Kurznachrichtendienst von Vorteil sein, dass er anders als der Software-Konzern nicht zu den Großen der Branche gehört.

Das Zeitfenster für einen Deal um Tiktok ist begrenzt: US-Präsident Donald Trump verfügte am Donnerstag ein Verbot von Geschäften mit Bytedance, das Mitte September greifen soll. Gibt es bis dahin keine Lösung, würde dies das Aus für die App in den Vereinigten Staaten bedeuten. Tiktok kündigte umgehend an, rechtliche Schritte zu prüfen. Nach Informationen des US-Senders NPR ist mit einer Klage an diesem Dienstag zu rechnen.

Zuletzt hatte sich im Streit um Tiktok eine andere Lösung abgezeichnet: Trump hatte grünes Licht für einen Kauf der US-Operationen durch den US-Konzern Microsoft gegeben und den Unternehmen dafür bis zum 15. September Zeit eingeräumt. Das Verbot sollte erst kommen, wenn der Deal nicht gelingt. Nun war davon zunächst keine Rede mehr.

Facebook profitiert vom Streit

Lachender Dritter ist bisher... Facebook. Der Konzern profitiert vom Tiktok-Streit. Die Aktie legte am Freitag um gut drei Prozent auf 274,10 US-Dollar zu. Facebook hat erst am Mittwoch mit Instagram Reels einen Tiktok-ähnlichen Dienst präsentiert, mit dem ebenfalls Kurzvideos erstellt werden können. Allerdings könnte das weltgrößte soziale Netzwerk an Macht verlieren, sollte Microsoft den Zuschlag für das US-Geschäft von Tiktok bekommen. Dann würde mit einem Schlag Microsoft zu einem der größten Facebook-Rivalen werden.

Trump geht nun auch gegen WeChat-Betreiber Tencent vor

Derweil verschärft Trump seinen Feldzug gegen die China-Apps. Neben Tiktok nimmt sich der US-Präsident mit Tencent nun Asiens zweitwertvollsten Konzern nach Alibaba mit einer Marktbewertung von 686 Milliarden Dollar vor. Er verbietet wegen Sicherheitsbedenken per Dekret auch Transaktionen mit dem WeChat-Betreiber Tencent. Zu dem Internet-Giganten gehören nicht nur der WhatsApp-Rivale WeChat und der Bezahldienst WePay, die aus dem Leben vieler Chinesen nicht mehr wegzudenken ist. Tencent hält unter anderem auch fünf Prozent am Elektroautokonzern Tesla, zwölf Prozent an der Snapchat-Mutter Snap und ist auch an dem Musikstreaming-Dienst Spotify und dem weltgrößten Musiklabel Universal Music beteiligt.

Die US-Sanktionen gegen die chinesischen Betreiber der Video-Plattform TikTok und des Messengers WeChat setzen Prosus zu. Die Aktien des Technologie-Investors, der am WeChat-Eigner Tencent beteiligt ist, rutschen am Montag in Amsterdam um 3,5 Prozent ab. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Tage auf neun Prozent. Tencent büßten in Hongkong im gleichen Zeitraum etwa zehn Prozent ein.

Aktion "Netz-Reinigung"

Der Kampf gegen Tiktok und WeChat ist Teil der Aktion "Netz-Reinigung" der Trump-Administration. Apps wie Tiktok oder WeChat seien "eine erhebliche Bedrohung für die persönlichen Daten amerikanischer Bürger", rechtfertigt US-Außenminister Mike Pompeo die jüngsten Verbote. Experten halten es für möglich, dass sich die Trump-Regierung nun auch bald noch Alibaba und Baidu vorknöpft. Tech-Analysten sind beunruhigt. "Wir könnten den Beginn eines IT-Kriegs sehen", sagte Nana Otuki, Chefanalystin bei Monex Securities.

nb