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Quartalszahlen Twitter: Verluste schrumpfen – bald sogar Gewinn?

Stand: 26.10.2017, 14:16 Uhr

Der amerikanische Online-Kurznachrichtendienst Twitter macht immer noch keine Gewinne. Aber es gibt Hoffnung, dass das chronisch verlustreiche Unternehmen sein Geschäft allmählich in den Griff bekommt. Nach neuen Quartalszahlen steigt die Twitter-Aktie deutlich.

Im vergangenen Quartal übertraf Twitter die Erwartungen von Analysten bei Umsatz und Gewinn und steigerte die Zahl monatlich aktiver Nutzer auf 330 Millionen. Daraufhin legte die Aktie im US-Handel am Donnerstag zeitweise um gut 13 Prozent zu und näherte sich der 20-Dollar-Marke.

Im laufenden Quartal ist Gewinn möglich

Der Internet-Konzern deutet an, dass im laufenden vierten Quartal erstmals ein Gewinn nach GAAP-Rechnungslegung ausgewiesen werden könnte. Dafür müsste man allerdings ein Ergebnis am oberen Ende der Erwartungen vorlegen, teilte das US-Unternehmen mit.

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Aktuelle Zahlen fielen nochmals ernüchternd aus. Der Quartalsumsatz sank im Jahresvergleich um gut vier Prozent auf 589,6 Millionen Dollar. Der Nettoverlust im dritten Quartal wird hingegen als Lichtblick interpretiert: Unterm Strich ergab sich ein Minus von gut 21 Millionen Dollar nach einem Fehlbetrag von 103 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Pro forma weist Twitter einen bereinigten Gewinn pro Aktie von 0,10 Dollar aus, womit man Analystenschätzungen deutlich übertreffen konnte.

User-Zahlen zu hoch ausgewiesen

Allerdings musste Twitter auch einräumen, dass seit 2014 die Nutzerzahlen wegen eines Fehlers bei der Auswahl der Datenquellen leicht überhöht dargestellt wurden. Deshalb waren es im zweiten Quartal zum Beispiel 326 Millionen aktive Nutzer statt der zuvor gemeldeten 328 Millionen. Bis Ende September stieg die Zahl nach korrekter Berechnung auf 330 Millionen.

Twitter will sich künftig vor allem mit Werbung finanzieren. Es geht dabei vor allem um die Möglichkeit, Geld dafür zu bezahlen, dass Twitter-Beiträge in den Nachrichtenstrom der Nutzer eingebaut werden. Dabei kann die Aussendung auf bestimmte Regionen oder Nutzer-Gruppen fokussiert werden. So sollen zum Beispiel Unternehmen Nutzer erreichen können, die ihren Beiträgen bei Twitter nicht direkt folgen.

Twitter wird attraktiver für Werbekunden

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Aus diesem Grund achtet die Börse traditionell ganz besonders auf die Entwicklung der Nutzerzahlen bei Twitter: Mehr erreichbare Augen machen einen Dienst attraktiver für Werbekunden. Dabei wird Twitter auch immer wieder mit Facebook verglichen. Das weltgrößte Online-Netzwerk ist aber Twitter inzwischen mit mehr als zwei Milliarden Nutzern weit davongezogen und ist mit einem ähnlichen Modell hochprofitabel. Twitter setzt ähnlich wie Facebook verstärkt auf eine Selbstbedienungs-Plattform.

Zugleich stehen beide Dienste derzeit in den USA unter Kritik, weil unter anderem im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf mutmaßlich russische Drahtzieher das System nutzten, um mit Botschaften unter falscher Flagge soziale und ethnische Spannungen anzuheizen. Twitter-Manager sind zu einer Kongress-Anhörung zu dem Thema kommende Woche geladen.

Am Donnerstag behauptete die Chefredakteurin des russischen Senders "Russia Today" (RT), der oft als Propaganda-Sprachrohr des Kreml im Ausland bezeichnet wird, Twitter selbst habe sich aktiv darum bemüht, dass RT sich mit Werbung auf Twitter in den Wahlkampf einschalte.

Twitter bald nicht mehr in markanter Kürze?

Mitgründer und Chef Jack Dorsey hat Twitter einen Fokus auf aktuelle News und Personalisierung verschrieben und setzt dabei unter anderem auch auf Video. "Unser Ziel ist es, Inhalte zu liefern, die für Sie relevant sind, egal in welchem Format", bekräftigte er in einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Quartalszahlen. Die Idee ist, mit maschinellem Lernen die Nutzer so gut kennenzulernen, dass die Software automatisch für sie interessante Beiträge herausfiltern kann.

Vor einigen Wochen gewährte Twitter zudem einigen ausgewählten Nutzern probeweise die Möglichkeit, Tweets doppelt so lange Tweets als bisher mit bis zu 280 Zeichen abzusetzen. Dorsey sagte, Deutsch sei eine der Sprachen, in denen das bisherige Limit die Nutzer frustriere. Es sei aber noch zu früh, Schlussfolgerungen aus dem Test zu ziehen: "Wir beobachten noch, wie das den Dienst insgesamt beeinflusst." Ausführliche Daten würden aber in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Kritiker des Schritts warnten unter anderem davor, die 280 Zeichen könnten Twitter die markante Kürze nehmen.

mmr/dpa