Deutsche Bank-Chef Christian Sewing auf der Hauptversammlung 2019
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Denkzettel für die Führungsspitze Tag der Abrechnung auf der Deutsche-Bank-HV

Stand: 23.05.2019, 19:25 Uhr

Aktie auf Rekordtief, mieses Image und ungewisse Zukunftsperspektiven: Der Frust der Aktionäre auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank war groß. Vor allem Aufsichtsratsboss Paul Achleitner musste sich viel Kritik anhören. Am Ende kam er doch mit einem blauen Auge davon.

Es sind zwar keine Traumwerte, die das Führungsduo erhalten hat, doch das Votum der Aktionäre ist eindeutig: Während Vorstandschef Christian Sewing mit 75,23 Prozent entlastet wurde, bekam Achleitner 71,63 Prozent der abgegebenen Stimmen. Vor einem Jahr hatte Achleitner noch 84,40 Prozent Zustimmung bekommen.

Zuvor hatte es Zweifel gegeben, ob Achleitner entlastet wird. Vorstandschef. Eine Nichtentlastung hätte zwar keine rechtlichen Folgen gehabt, wäre jedoch eine schwere Schlappe gewesen. Letztlich waren es offenbar die Ankeraktionäre der Bank, Blackrock, Katar und Cerberus, die - sicher mangels alternativer Kandidaten - für die aktuelle Führungsspitze des Hauses gestimmt haben.

Wütende Proteste

Schwarzer Koffer mit Aufschrift

Geldwäsche statt Kulturwandel. | Bildquelle: picture alliance/Arne Dedert/dpa

Draußen vor der Frankfurter Festhalle demonstrierten Klimaschützer und Kapitalismus-Kritiker mit provozierenden Plakaten gegen die Deutsche Bank. So protestierten sie mit einem offenen Geldkoffer, auf dem zu lesen war: Geldwäsche statt Kulturwandel! Ein anderer Aktivist fragte sich "Deutsche Bank – too big to Jail?" Die antikapitalistische Bewegung Attac hielt Transparente  mit dem Slogan "Deutsche Bank - Dreck auf der weißen Weste - Karussellhandel. Cum Ex. Kohlestrom." in die Höhe. Und die Gruppe "urgewald" forderte die Bank auf, aus der Finanzierung von Kohlebergbau und Waffengeschäften auszusteigen: "No War, No Warming. Schluss mit Krieg und Kohle."

"Mittäter der größten Katastrophe der Menschheit"

Drinnen in der altehrwürdigen Festhalle las die Schülerin und Klima-Aktivistin Luisa Neubauer, das deutsche Gesicht der Bewegung "Fridays for Future", der Deutschen-Bank-Spitze die Leviten. Sie warf dem größten privaten deutschen Geldinstitut vor, wegen der Finanzierung von Kohle- und Ölprojekten Mittäter der größten Katastrophe der Menschheit zu sein. Die Aktionäre forderte Neubauer auf, nicht länger zu schweigen.

Auch die Investoren übten heftige Kritik am Top-Management der Deutschen Bank. "Es ist traurig und schockierend, was aus der Deutschen Bank geworden ist", kritisiert Fondsmanagerin Alexandra Annecke von Union Investment auf der Hauptversammlung. Vor zwölf Jahren noch sei die Deutsche Bank auf Augenhöhe mit den US-Geldinstituten gewesen. Nun mache JPMorgan mehr als 20 Mal so viel Gewinn wie die Deutsche Bank und sei an der Börse 20 Mal so viel wert. "Das einstige Vorzeigeinstitut ist nur noch ein Koloss auf tönernen Füßen."

Deka: "Horrorfilm mit Überlänge"

Besonders bildreich drückte sich Fondsmanager Andreas Thomae von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka aus. "Im letzten Jahr hatten wir den Aktienkurs mit der Fahrt in einer Geisterbahn verglichen. Nun ist daraus ein Horrorfilm mit Überlänge geworden", schimpfte er.

Den Vorstand will die Deka diesmal entlasten. Mit dem Aufsichtsratschef Achleitner habe die Fondsgesellschaft jedoch die Geduld verloren. Thomae kündigte an, gegen die Entlastung von Achleitner zu stimmen. Es könnte am Ende eng werden für den Österreicher, der seit sieben Jahren das Kontrollgremium führt. In den vergangenen Wochen haben wichtige Aktionärsberater wie Glass Lewis und ISS ihren Kunden empfohlen, Achleitner nicht zu entlasten.

DSW will Führungsvakuum vermeiden

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,36
Differenz relativ
-1,73%

Möglicherweise wird es nur einen Denkzettel geben. Denn Aktionärsschützer wie die DSW werden nochmals für die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmen. "Wir können uns keine Schwäche erlauben, eine Führungslosigkeit österreichischer Art schon gar nicht", sagte DSW-Vizepräsident und Anwalt Klaus Nieding dem Österreicher Achleitner mit Anspielung auf die Regierungskrise in der Alpenrepublik.

Achleitner räumt Fehler ein

Aufsichtsratsboss Achleitner zeigte sich am Tag der Abrechnung kämpferisch. Trotz heftiger Kritik will er im Amt bleiben. Er habe nicht vor, Investoren und Kunden im Stich zu lassen, sagt Achleitner. "An einem Denkmal liegt mir nichts, am Wohl der Deutschen Bank aber schon." Ein bisschen selbstkritisch zeigte sich der 62-Jährige: "Habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht? Ja natürlich habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich bin ich das nicht."

DeutscheBank-CEO Christian Sewing und Aufsichtsrat Paul Achleitner auf der HV 2019

DeutscheBank-CEO Christian Sewing und Aufsichtsrat Paul Achleitner. | Bildquelle: picture alliance/Arne Dedert/dpa

Zur Eröffnung der Hauptversammlung versprach Achleitner den Aktionären, die Neuausrichtung der Bank zu beschleunigen. "Wir müssen noch schneller und radikaler umbauen", sagte er am Donnerstagvormittag in der Frankfurter Festhalle. Wenn die Deutsche Bank nicht durch einen Zusammenschluss wachse – wie mit der Commerzbank geplant war -, "dann werden wir es organisch tun", kündigte er an. Trotz aller Schwierigkeiten sei die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg, betonte er.

Mit Blick auf die Ende April beendeten Gespräche mit der Commerzbank beteuerte Achleitner, keinerlei Druck politischer Seite bekommen zu haben. "Und ebenso wenig hat dieser Aufsichtsrat oder ich persönlich jemals irgendeinen Druck auf den Vorstand ausgeübt, diese Fusion einzugehen."

Sewing kündigt harte Einschnitte an

Vorstandschef Christian Sewing ging nicht näher auf die geplatzte Fusion mit der Commerzbank ein. Stattdessen kündigte er einen massiven Umbau des seit Jahren darbenden Investmentbankings an. "Wir sind zu harten Einschnitten bereit", sagte Sewing auf dem Aktionärstreffen. "Wir werden die Transformation beschleunigen - indem wir unsere Bank konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten, die für unsere Kunden relevant sind. Dafür stehe ich. Darauf können Sie sich verlassen", rief er tausenden Aktionären in der Frankfurter Festhalle zu.

Die Investmentbank soll nach Sewings Vorstellungen nur noch solche Geschäfte machen, die mindestens entweder ausreichend profitabel sind oder als Dienstleistung für andere Geschäftsbereiche wichtig sind. Als positive Beispiele nannte der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef die Beratung von Unternehmenskunden, die Ausgabe von Wertpapieren, die Währungsplattform, den Handel mit Unternehmensanleihen sowie die gewerbliche Immobilienfinanzierung in den USA. Bei anderen Bereichen werde das Management "sehr genau analysieren und dabei künftig genauso diszipliniert und kompromisslos sein wie beim Thema Kosten", kündigte Sewing an. Auch die Computersysteme der Bank kommen auf den Prüfstand.

 Demonstration der

Demonstration der "Ordensleute für den Frieden" vor der HV. | Bildquelle: picture alliance/Arne Dedert/dpa

DWS gehört zum Kerngeschäft

Im Privat- und Firmenkundengeschäft sieht der Manager noch viel Potenzial, allerdings sei die Sparte in puncto Profitabilität "besser unterwegs, als uns viele zugestehen", stellte Sewing fest. Zur Zukunft der Fondstochter DWS hielt er sich bedeckt. Die Gerüchte über eine Zusammenlegung des Vermögensverwaltungsgeschäfts von DWS und UBS kommentierte er nicht. Er beteuerte lediglich, dass "auch im Falle einer Fusion die DWS weiter zum Kerngeschäft der Deutschen Bank gehören" werde.

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Ist die Deutsche Bank noch zu retten?

Die Anleger scheinen die Äußerungen von Sewing und Achleitner nicht zu überzeugen. Die Aktie der Deutschen Bank sackte am Tag der Hauptversammlung erneut um über drei Prozent ab. Mit 6,35 Euro erreichte der Titel ein neues Rekordtief. Seit Jahresbeginn beträgt das Kursminus gut neun Prozent.

Trotz der aufgeladenen Stimmung sind diesmal weniger Aktionäre bei der Hauptversammlung vertreten als in den Vorjahren. Die Präsenz liegt in diesem Jahr nur bei 34,85 Prozent, 2018 waren es noch 42,6 Prozent gewesen.

nb