Tui-Chef Friedrich Joussen

Aktionäre freut‘s Tui: Werden Verlustbringer fallengelassen?

Stand: 19.05.2020, 10:09 Uhr

Der Reisekonzern zieht eine Trennung von Verlustbringern in Erwägung – am Markt kommt die Nachricht gut an. Auch die Lockerung der Reisebeschränkungen beflügeln die Tui-Aktie.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Montagabend einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Zunächst wolle Tui aber versuchen, die betreffenden Unternehmenssparten wieder fit zu machen. Welche Bereiche genau von der Trennung betroffen sein würden, stehe noch nicht fest.

Trennung ist letzte Option

Passagiere auf dem Tui- Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 3

Volle Kreuzfahrtschiffe - derzeit noch Fehlanzeige. | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendienst

Wie die Zeitung berichtet, habe Konzernchef Friedrich Joussen in einem Schreiben an die Belegschaft erklärt, dass Tui in den vergangenen Jahren stark genug gewesen sei, um "die strukturell schwächeren Gesellschaften im Konzern durchzubringen". Das habe sich jetzt geändert. Konzernteile, die schon länger Verlust machten und deren Ausblick auch nicht besser ist, müssten sich neu aufstellen. "Wenn dies nicht möglich ist, werden wir uns von Einheiten trennen oder ihren Betrieb einstellen", zitiert die "FAZ" weiter aus dem Schreiben. Der Appell richte sich an viele kleinere Einheiten, so die Zeitung. Aber auch die Landesgesellschaften des Konzerns, etwa die seit Jahren verlustreichen Geschäfte in Frankreich, sollten ihre Kosten senken.

Der Reisekonzern ist in besonderem Maße von der Pandemie betroffen. Derzeit verliert das Unternehmen jeden Monat eine dreistellige Millionensumme. Tausende Jobs sollen in Zukunft wegen des steigenden Spardrucks gestrichen werden.

Aktie legt kräftig zu

Am Dienstagmorgen kletterte die Aktie des Reisekonzerns zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent ins Plus. Derzeit ist das Papier immer noch rund sechs Prozent teurer als noch am Vorabend. Mit 2,89 Euro notierte die Tui-Aktie in der vergangenen Woche so tief wie noch nie. Seit dem letzten Hoch im November des vergangenen Jahres ist der Kurs um 72 Prozent eingestürzt.

Die Commerzbank hat Tui von "Hold" auf "Buy" hochgestuft, das Kursziel aber von 4,75 auf 4,50 Euro gesenkt. Der Reisekonzern springe von der Rasierklinge, schrieb Analyst Adrian Pehl in einer aktuellen Studie anlässlich der angekündigten Lockerungen der Reisebeschränkungen. Die Barmittel von Tui könnten nun ausreichen, auch wenn Pehl weitere Kapitalmaßnahmen weiter für wahrscheinlich hält. Der Experte betont aber auch die Risiken für seine Handelsempfehlung.

Lockerung der Reisebeschränkungen

TUI-Maschine über Palma de Mallorca

Tui-Maschine über Palma de Mallorca. | Bildquelle: imago images / Aviation-Stock

Aber nicht nur die Nachricht, dass Tui sich gegebenenfalls von seinen Verlustbringern trennen wolle, sorgt für Freude bei den Anlegern. Auch die weiteren Lockerungen der Reisebeschränkungen beflügeln den Kurs. Reiseveranstalter wie Tui, DER Touristik oder FTI rüsten sich für den Start und haben entsprechende Hygiene- und Schutzmaßnahmen entwickelt. "Wir haben uns in den vergangenen Wochen sehr intensiv mit den Regierungen der Urlaubsländer abgestimmt und begrüßen den Schritt, Sommerurlaub in den europäischen Feriengebieten darstellen zu können", sagte beispielsweise ein Tui-Sprecher.

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ARD-Börse: Tui im Corona-Taumel. Hoffnung auf den Sommer

Mit generellen Preiserhöhungen in der Krise rechnen Branchenexperten nicht. "Zwar haben beispielsweise Hotels, Restaurants oder Campingplätze durch Hygienevorschriften und geringere Auslastung höhere Kosten, doch der Konkurrenzdruck ist hoch. Vielen steht das Wasser bis zum Hals", sagte Tourismusexperte Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven.

ms/dpa-AFX