TUi-Flugzeuge am Brüsseler Flughafen

Unsichere Reiselage Tui: Weniger Reisen im Winter

Stand: 22.09.2020, 10:50 Uhr

Wegen der mauen Nachfrage dünnt der Reiseveranstalter Tui sein Angebot für den Winter 2020/21 aus. Die Kapazitäten seien zuletzt um ein weiteres Fünftel auf 40 Prozent reduziert worden, teilte der weltgrößte Tourismuskonzern mit.

"Dies spiegelt die anhaltende Unsicherheit im Hinblick auf Reisebeschränkungen wider." Die Buchungen für das Winterprogramm lägen wegen der Corona-Krise 59 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, während der durchschnittliche Verkaufspreis um drei Prozent gestiegen sei.

Aufgrund der unsicheren Reiselage und den aktuellen Reisewarnungen rechnet der Konzern mit einer etwas schlechteren Entwicklung der Kassenlage im ersten Geschäftsquartal 2021 von Oktober bis Dezember.

Milliardenkredite vom Bund

Obwohl dem Reisekonzern aufgrund der gebeutelten Reisebranche im zurückliegenden Halbjahr zwei Staatskredite zugesichert und ausgezahlt wurden, hält Tui-Chef Fritz Joussen die Reduzierung des Winter-Angebots für notwendig. Bereits im April hatte der Reisekonzern einen KfW-Kredit über 1,8 Milliarde Euro erhalten. Nachdem der erste Staatskredit nicht ausreichte, stellte die Bundesregierung einen weiteren Kredit in Höhe von 1,2 Milliarden Euro in Aussicht. Insgesamt beläuft sich damit Tuis Liquiditätspuffer auf 2,4 Milliarden Euro.

Im Sommer 2021 plant Tui zum aktuellen Zeitpunkt, wieder 80 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazitäten anzubieten. Viele Urlauber haben ihre Reise auf das kommende Jahr verschoben oder umgebucht.

Die Corona-Krise hat den Reisekonzern aus Hannover hart getroffen. Wie Konzernchef Fritz Joussen im August mitteilte, habe Tui den mit Abstand größten Geschäftseinbruch seiner Unternehmensgeschichte verzeichnet. Der Umsatz sei zwischen April und Juni um 98,5 Prozent eingebrochen, was zu einem Quartalsverlust von 1,45 Milliarden Euro führte.

Hartes Sparprogramm

Tui reagierte auf die schlechten Zahlen mit einem Sparprogramm, welches Auswirkungen auf 8.000 Stellen haben könne. Mit dem angekündigten Programm will Tui jährlich 300 Millionen Euro einsparen. Der Reiseanbieter geht davon aus, dass die Einsparungen bis zum Geschäftsjahr 2023 voll wirksam werden.

Am Dienstag verlor die Aktie des Reisekonzerns zwischenzeitlich über ein Prozent. Seit Beginn der Krise hat die Aktie knapp 70 Prozent verloren. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Tui auf „verkaufen“ belassen. Reisewarnungen bleiben weiter ein Problem, schrieb Analyst Felix Schlueter in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Für die Liquiditätsentwicklung bedeute dies nichts Gutes.

acb/dpa-AFX