Füße am Sandstrand

Profiteur der Thomas-Cook-Pleite Tui rechnet mit einem besseren Sommer

Stand: 11.02.2020, 16:08 Uhr

Zwar hat Europas größter Reisekonzern im ersten Quartal saisontypisch tiefrote Zahlen geschrieben. Für das gesamte Geschäftsjahr ist die Tui aber optimistisch – und setzt auf ein starkes Sommergeschäft.

Nach der Insolvenz des Rivalen Thomas Cook rechnet Tui-Chef Fritz Joussen mit einem kräftig wachsenden Reiseabsatz für den Sommer. "Der Reisemarkt in Deutschland und Großbritannien wird voraussichtlich schrumpfen, aber wir werden Marktanteile gewinnen", prophezeite Joussen bei der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag in Hannover. "Wir haben nach der Insolvenz von Thomas Cook praktisch sofort deren Hotels in unser Programm aufgenommen", sagte Joussen.

14 Prozent mehr Buchungen

Tatsächlich läuft das Reisegeschäft prächtig. In der Wintersaison lägen die Buchungen mit Stand Anfang Februar drei Prozent höher als im Vorjahr - trotz sechs Prozent höherer Preise. Für den Sommer seien bereits 36 Prozent des Angebots verkauft, teilte die Tui mit. Die Buchungen hätten um 14 Prozent angezogen.

Die Coronavirus-Epidemie wirke sich jedenfalls noch nicht spürbar auf das Buchungsverhalten der Kunden aus. China ist für Tui bisher ohnehin kein wichtiger Markt. Zudem sei derzeit keine Hochsaison für Asienreisen, sagte Joussen.

Für das bis Ende September Geschäftsjahr 2019/20 erwartet das Tui-Management jetzt ein Umsatzplus im hohen einstelligen Prozentbereich. Das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) soll zwischen 850 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro liegen. Im Geschäftsjahr 2018/19 lag es bei rund 893 Millionen Euro.

Boeing-Flugverbot belastet Bilanz

Dass das Ergebnis nicht noch höher ausfällt, liegt am anhaltenden Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 MAX. Tui geht von einer zusätzlichen Belastung von 220 bis 245 Millionen Euro aus. "Wir erwarten in diesem Geschäftsjahr keine Auslieferung der MAX-Jets mehr", sagte Tui-Chef Fritz Joussen.

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Im ersten Quartal (bis Ende Dezember) fiel ein saisontypisch operativer Verlust (bereinigtes Ebit) von rund 147 Millionen Euro. Das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 77 Prozent mehr. Unter dem Strich verringerte sich der Nettoverlust allerdings um fast acht Prozent auf 129 Millionen Euro. Reiseanbieter schreiben in der reiseschwachen Wintersaison in der Regel rote Zahlen, weil sie ihre Fixkosten nicht decken können. Ihre Gewinne fahren sie vor allem in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Kritik auf Hauptversammlung in Hannover

Am Dienstag hält die Tui zudem in Hannover ihre Hauptversammlung in Hannover ab. Auf Kritik bei Anteilseignern stießen Pläne, die Berechnung der Vorstandsvergütung zu ändern. "Die fetten Jahre für uns Aktionäre sind vorbei - nur für den Vorstand soll das nicht so sein", sagte Josef Gemmeke von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Wenn es darum gehe, die Mindestvergütung anzuheben, solle Tui das auch so benennen. Stattdessen seien 20 Seiten im Geschäftsbericht notwendig, um die Auswirkungen der verschiedenen Faktoren zu zeigen.

Aufsichtsratschef Dieter Zetsche wies dies zurück. Es gehe nicht um eine Erhöhung des Mindestbetrags. Die neue Berechnung ermögliche eine "bessere Ausrichtung für die Zukunft". Für 2019 hatte der Tui-Vorstand nur das Festgehalt und keine Jahresprämie bekommen.

Aktien heiß begehrt

Tui hatte zuletzt mitgeteilt, dass das Geschäft mit Luxus-Kreuzfahrten weiter wachsen soll. Dafür weitet der Konzern seine Zusammenarbeit mit dem Branchenriesen Royal Caribbean Cruises aus: Die bisher hundertprozentige Tui-Tochter Hapag-Lloyd Cruises wird in das Gemeinschaftsunternehmen Tui Cruises eingebracht.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Tui-Aktien steigen am Dienstag um rund elf Prozent und notiert damit inzwischen etwas höher als vor einem Jahr. Im August war der Kurs zeitweise auf ein Sieben-Jahres-Tief gefallen.

nb