Silhouette mit Reiseprospekt vor TUI-Logo
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Aktie steigt trotz Gewinnrückgang Tui muss 737-MAX-Debakel wegstecken

Stand: 13.08.2019, 15:33 Uhr

Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe hat der weltgrößte Touristikkonzern in seiner Neunmonatsbilanz zu verkraften - die Folgen der Flugausfälle das Boeing-Fliegers 737 MAX. Die Strategie des Konzerns deutet aber dennoch in die richtige Richtung.

Deutlicher Gewinnrückgang in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 - und dennoch klettert die Tui-Aktie in London an die Spitze des britischen Auswahlindex' FTSE 100. Anleger sind mit der grundlegenden Ausrichtung des Touristikriesen offenbar zufrieden. Tui setzt zunehmend auf das Geschäft mit eigenen Hotels und Kreuzfahrten. "Die Abhängigkeit von den klassischen Reiseveranstaltern ist inzwischen deutlich niedriger als noch vor fünf Jahren", sagte Konzernchef Friedrich Joussen.

300 Millionen-Belastung durch 737 MAX

Diese Perspektive hilft der Aktie am Dienstag gegen an sich schlecht aussehende Zahlen zu den ersten drei Quartalen. Der Ausfall des Boeing-Fliegers 737 MAX hat den Gewinn einbrechen lassen. Allein im dritten Quartal schlugen die Kosten für die Miete von Ersatzflugzeugen mit 144 Millionen Euro zu Buche.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (bereinigtes Ebita) fiel um 46 Prozent auf rund 101 Millionen Euro. "Wir erwarten für das Gesamtjahr 2019 eine solide Entwicklung, das Ergebnis wird aber durch das Flugverbot für die 737 MAX wie erwartet nicht an das Ergebnis des Vorjahres anknüpfen", so Joussen. Tui rechnet wegen der Notfallmaßnahmen, um das Flugzeug-Modell im Sommerflugplan zu ersetzen, insgesamt mit Kosten von bis zu 300 Millionen Euro. Nach zwei Abstürzen wegen Software-Fehlern dürfen die Maschinen derzeit weltweit nicht fliegen. Zu Gesprächen mit Boeing und möglichen Entschädigungen äußerte sich Joussen nicht.

Brexit macht weiter Sorgen

Weiterhin bleibt aber das Ziel, den Gewinn rund ein Viertel unter dem Vorjahreswert von 1,18 Milliarden zu halten Euro. Und das, obwohl Tui auch durch die Brexit-Unsicherheit und Überkapazitäten im Flugangebot nach Spanien Belastungen spürt.

Im Zuge der Neustrukturierung hat Tui zudem den Verkauf seiner Spezialanbieter Berge & Meer und Boomerang Reisen in die Wege geleitet. Der Verkauf für rund 100 Millionen Euro an die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Genui sei am Montag vereinbart worden, teilte die Tui mit.

Im Gegensatz zur Aktie des Rivalen Thomas Cook hat sich die Strategie bei Tui auch in einem deutlich besseren Kursverlauf bei Tui niedergeschlagen. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich dieser zwar bei Tui in etwa halbiert. Doch bei Kursen unter 8,00 Euro (im Frankfurter Handel) hat sich in den vergangenen Wochen eine Bodenbildung vollzogen. Bei Thomas Cook dagegen zeigt der Trend weiter abwärts, obwohl die Aktie ohnehin nur noch auf Pennystock-Niveau notiert. Erst gestern kam der Titel erneut unter Druck, als bekannt wurde, dass Thomas Cook zur Rettung vor der Pleite eine weitere Finanzspritze braucht.

AB