Gesichtsmasken und TUI-Logo

Nun also doch Tui könnte mehr Geld gebrauchen

Stand: 02.10.2020, 11:19 Uhr

Der Reisekonzern Tui will offenbach nun doch sein Kapital erhöhen. Anleger nehmen es allerdings noch recht gelassen.

Die viel diskutierte Kapitalerhöhung beim von der Corona-Krise schwer getroffenen Reisekonzern Tui könnte tatsächlich kommen. Das bereits staatlich gestützte Unternehmen erwägt nun einen solchen Schritt. "Zu den derzeit erwogenen Maßnahmen gehört auch eine kurz- oder mittelfristige Kapitalerhöhung", teilte Tui mit. Sollte diese umgesetzt werden, werde sie aber "sehr deutlich geringer" ausfallen als die in der Presse genannten 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen, auch Zeitpunkt und Volumen stünden noch nicht fest.

Konzernchef Fritz Joussen hatte am erst am Mittwochabend erklärt, dass in nächster Zeit keine Kapitalerhöhung geplant sei. "Ich denke schon, dass wir auf der M&A-Seite und der Kapitalseite etwas machen müssen, aber nicht jetzt." Er widersprach damit Medienberichten von Mitte September, wonach Tui in den kommenden Wochen bis zu eine Milliarde Euro frisches Geld von Aktionären einsammeln könnte.

Tui stellte zudem klar, dass der Konzern verschiedene Maßnahmen prüfe, um seine "Bilanzstruktur und das Fälligkeitsprofil der Finanzverbindlichkeiten zu optimieren".

Die Flaute in der Reisebranche durch die Viruspandemie hat den Konzern schwer getroffen: Tui will deshalb jährliche Kosten zwischen 300 und 400 Millionen Euro einsparen und hat bereits unter anderem den Abbau von rund 8.000 Stellen angekündigt Außerdem soll die konzerneigene deutschen Fluggesellschaft Tuifly verkleinert werden.

Hilfen über Hilfen

Den Konzern war im Frühjahr als erstem deutschen Großunternehmen bereits ein Corona-Darlehen über 1,8 Milliarden Euro zugesprochen worden. Derzeit wird ein weiteres Hilfspaket auf den Weg gebracht. Das recht komplizierte Konstrukt der geplanten neuen Staatshilfen war zuletzt einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Am Mittwoch hatte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesrepublik wie geplant eine Wandelanleihe in Höhe von 150 Millionen Euro gezeichnet, wodurch sämtliche Voraussetzungen für eine weitere Kreditlinie der KfW-Bank erfüllt wurden. Zusammen mit der Anleihe erhält der weltgrößte Reisekonzern damit weitere 1,2 Milliarden Euro, um die Corona-Krise zu bewältigen. Der Staat kann die mit 9,5 Prozent verzinste Anleihe jederzeit in neun Prozent der Unternehmensanteile wandeln.

Tui verfügt nach jüngsten Angaben über Finanzmittel in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Der Konzern hatte bereits mitgeteilt, dass das Paket ausreichend Liquidität sicherstelle, um die saisonalen Schwankungen im Winter 20/21 abzudecken "Wir müssen diese Zeit ohne nennenswerte Umsätze überbrücken und beschleunigen gleichzeitig den Umbau für die Zeit nach Corona", hatte Tui-Chef Fritz Joussen erklärt.

Die Krise lässt sich auch am Börsenkurs ablesen. Seit dem kurz vor dem Corona-Schock erreichten Zwischenhoch haben die Papiere jeweils gut zwei Drittel an Wert eingebüßt. Am Freitag verlor die Tui-Aktie rund drei Prozent an Wert auf 3,10 Euro. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 2,42 Euro.

ME/dpa/rtr