Passagiere auf dem Tui- Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 3

Deutliche Gewinnsteigerung dank Spanien-Boom Tui im Reisefieber

von Notker Blechner

Stand: 13.12.2017, 10:32 Uhr

Trotz Terrorangst ist die Reiselust der Deutschen ungebrochen. Vor allem Spanien und Griechenland waren 2017 als Urlaubsziel gefragt. Vom guten Geschäft mit den schönsten Wochen des Jahres profitiert die Tui.

Weder die Wirbelstürme in der Karibik noch die Türkei-Krise konnten Europas größten Reisekonzern bremsen. Der boomende Spanien-Tourismus bescherte der Tui kräftige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 zog der Umsatz um acht Prozent auf 18,5 Milliarden Euro an. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebita) stieg gar um zehn Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Hotels und Kreuzfahrtschiffe als Wachstumstreiber

Der Ergebnissprung kam nicht nur aus dem klassischen Reiseveranstalter-Geschäft. Mehr als die Hälfte des Gewinns steuerten die Hotel- und Kreuzfahrt-Gesellschaften des Tui-Konzerns bei. Zum Hotel-Portfolio von Tui zählen die Robinson-Clubs, die Riu-Häuser und die neue Marke Tui Blue. Im Kreuzfahrtgeschäft betreibt der Konzern Marken wie Tui Cruises, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten und Thomson Cruises. Im Juni dieses Jahres hat die "Mein Schiff 6" die Flotte der Tui Cruises erweitert. 2018 geht die neue "Mein Schiff 1" auf (Kreuz-)Fahrt. "Der Konzern war im Kern ein Reiseveranstalter, heute ist die Tui Entwickler, Investor und Betreiber von Hotel- und Kreuzfahrtgesellschaften", sagt Vorstandschef Fritz Joussen.

Dank der guten Geschäfte mit den eigenen Hotels und den Kreuzfahrtschiffen entwickelte sich die Tui besser als der gesamte deutsche Reisemarkt. Laut ersten Berechnungen der GfK erwirtschafteten die Reiseveranstalter im Ende Oktober abgelaufenen Geschäftsjahr zwei Prozent mehr Umsatz.

Spanien und Griechenland heiß begehrt

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,48
Differenz relativ
-0,45%

Mit Abstand beliebtestes Urlaubsziel der Deutschen war Spanien mit zweistelligen Buchungszuwächsen. Auf Platz zwei in der Urlaubsgunst landete Griechenland. Dagegen mieden die deutschen Urlauber die Türkei. Das Land am Bosporus verzeichnete erneut ein zweistelliges Minus bei den Buchungen. Gegenüber 2015 hat sich die Zahl der Türkei-Touristen fast halbiert.

Urlauber lassen sich nicht von weltpolitischen Spannungen und Terror abschrecken, meinte unlängst Tui-Chef Joussen. "Es gibt zwar Verschiebungen bei den Zielen, aber der Terror hält die Menschen nicht vom Urlaub ab", sagte er. Die Sommerbuchungen lagen in den Quellmärkten der Tui um acht Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Sommerurlaub wird teurer

Auch die Aussichten für das Wintergeschäft sind vielversprechend. Die Buchungen in den Quellmärkten hätten um sechs Prozent zugelegt, berichtete die Tui am Mittwoch in ihrem Ausblick. Besonders hohe Buchungszuwächse verzeichnen Thailand, die Kapverden und Nordafrika, hieß es. Selbst für die Türkei würden die Buchungen inzwischen wieder anziehen.

Füße am Sandstrand

Gute Aussichten - jedenfalls für Tui. | Bildquelle: colourbox.de

Im kommenden Jahr will die Tui die Preise für Sommerurlaubsreisen im Schnitt stabil halten. Die Konkurrenten hingegen drehen an der Preisschraube. Alltours hebt die Preise insgesamt um rund drei Prozent an. Bei Thomas Cook (Neckermann) wird der Urlaub nach Spanien und Griechenland um jeweils vier Prozent teurer. Dagegen sinken die Preise für die Türkei und Ägypten.

Kleine Dividendenerhöhung winkt

Die Aktien der Tui legen am Mittwoch gut zwei Prozent zu. Auf Ein-Jahres-Sicht haben die Reisetitel knapp 30 Prozent gewonnen. Die Aktionäre können sich für das abgelaufene Geschäftsjahr auf eine Dividende von 65 Cent je Aktie freuen - das sind zwei Cents mehr als im Vorjahr.

In den nächsten Jahren soll sich der rasante Wachstumskurs des Reisekonzerns fortsetzen. Bis 2020 will die Tui das Ergebnis jährlich um zehn Prozent verbessern. Neuen Schub erhoffen sich die Tourismus-Macher von Asien, Südamerika und Südeuropa. Dort will Joussen bis 2022 eine Million neue Kunden gewinnen. Zudem soll die Investition in neue Hotels und Kreuzfahrtschiffe die Expansion der Tui vorantreiben.