Teneriffa, Kanarische Inseln, Spanien
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Deutlich gestiegener Verlust Tui in der Kanaren-Falle

Stand: 12.02.2019, 10:15 Uhr

Immer mehr Deutsche machen Urlaub in der Türkei und in Tunesien – zum Leidwesen der Tui. Der Reisekonzern blieb im Weihnachtsquartal auf seinen Kapazitäten in den Kanaren sitzen. Die Folge: ein hoher Verlust.

Auf der heutigen Hauptversammlung in Hannover dürfte die Stimmung weniger entspannt sein als in den Vorjahren. Die Tui-Aktie ist auf Ein-Jahres-Sicht um gut 42 Prozent abgesackt. Am Dienstag fällt sie um über vier Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte 2016.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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Bei dem Reisekonzern ist der saisonal übliche Verlust im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2018/19 (Oktober bis Ende Dezember) viel höher ausgefallen als vor Jahresfrist. Operativ betrug das Minus gut 105 Millionen Euro. Das ist fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (57 Millionen Euro).

Billig-Trend drückt die Marge

Schuld daran ist der Billig-Trend im Reisegeschäft. Weil viele Deutsche die günstigeren Urlaubsorte in der Türkei und in Nordafrika wählten, blieben Betten auf den Kanarischen Inseln frei. Die Überkapazitäten auf dem dortigen Markt zehrten an der Marge des Tui-Konzerns.

Tui-Chef Fritz Joussen klagt über den harten Preiskampf bei Pauschalreisen. "Plötzlich haben wir mehr Angebot als Nachfrage", erklärte er am Dienstag vor Beginn der Hauptversammlung. Tourismus bleibe zwar ein Wachstumsmarkt. "Die Kunden reisen, aber sie akzeptieren keine Preiserhöhungen."

TUI-Chef Friedrich Joussen

Friedrich Joussen. | Bildquelle: Unternehmen

Auch der lange Sommer in Nordeuropa und die Schwäche des britischen Pfunds bremsten die Nachfrage. Tui-Chef Fritz Joussen hatte sein Gewinnziel für 2018/19 deshalb bereits vergangene Woche gekappt. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Joussen nur noch ein operatives Ergebnis auf Vorjahreshöhe, also knapp 1,2 Milliarden Euro. Reiseveranstalter schreiben im Winter meist rote Zahlen. Ihre Gewinne fahren sie in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Profiteur der Konsolidierung?

Der Druck zu einer Marktbereinigung in der Luftfahrt bleibe enorm hoch, erklärte Joussen. Das wolle die Tui mit ihrem Airline-Geschäft Tuifly für sich nutzen. "Wir sind in einer sehr starken Position, um von der anstehenden Konsolidierung zu profitieren", sagte Joussen.

Dabei müsse es nicht unbedingt um die Übernahme von Wettbewerbern gehen. So sei der Konzern nicht in Gesprächen mit seinem Rivalen Thomas Cook (Neckermann Reisen), der gerade seine komplette Airline-Sparte samt der Fluglinie Condor zum Verkauf gestellt hat. "Wir sind in diesem Markt ein aktiver Beobachter", sagte Joussen. Ein klares Nein zu einer Übernahme ließ sich der Manager jedoch nicht entlocken. "In Sachen Konsolidierung sollte man nie etwas ausschließen."

Mehr Buchungen online

Den Gewinnschwund will die Tui mit der Digitalisierung seiner Buchungsplattformen für Reisen und Ausflüge sowie einer strafferen Struktur bei der Tuifly kontern. Die starken Preisschwankungen unterliegenden Pauschalreisen und Flüge machen nur noch 30 Prozent des Betriebsergebnisses aus. 70 Prozent verdient Tui mit den eigenen Hotels, Kreuzfahrtschiffen und Angeboten am Reiseort wie Ausflügen. Allein in diesem Jahr will der Konzern 28 neue Hotels eröffnen und drei weitere Schiffe vom Stapel laufen lassen.

nb

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