Kreuzfahrtschiff

Viel Geld in die Kasse Tui fädelt großen Kreuzfahrt-Deal ein

Stand: 07.02.2020, 11:27 Uhr

Der Reisekonzern Tui bandelt im Kreuzfahrtbereich noch stärker mit der weltweiten Nummer zwei Royal Caribbean an. Die Luxus-Tochter Hapag-Lloyd Cruises wird dazu in das Gemeinschaftsunternehmen Tui Cruises eingebracht.

Die auf Luxus- und Expeditionskreuzfahrten spezialisierte Hapag-Lloyd Cruises wird im Zuge dessen mit 1,2 Milliarden Euro ohne Schulden bewertet - durch die Transaktion fließen 700 Millionen Euro in die Kassen von Tui. "Wir ändern die Gesellschaftsstruktur hinter der Marke und wachsen dadurch bei den Kreuzfahrten stärker, schneller und weniger kapitalintensiv", sagte Tui-Chef Fritz Joussen. Das Geschäft mit Royal Caribbean Cruises erleichtere vor allem den Zugang zu internationalen Märkten und die Finanzierung neuer Schiffe. Entlassungen seien im Zuge der Umstrukturierung nicht geplant.

Der Kreuzfahrtbereich ist für den Hannoveraner Konzern außerordentlich wichtig. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) erreichte im vergangenen Geschäftsjahr 366 Millionen - 41 Prozent vom Gesamtjahresergebnis des gesamten Konzerns.

Stattliche Preise

Für das sehr gute Abschneiden dürften die hohen Einnahmen verantwortlich sein. So lag die durchschnittliche Tagesrate im vergangenen Geschäftsjahr bei der britischen Tochter Marella Cruises bei 149 Euro pro Person und Tag. Bei der deutschen Tochter Tui Cruises, ein 50-prozentiges Gemeinschaftsunternehmen mit Royal Caribbean, betrug die Tagesrate im Schnitt bei 174 Euro pro Person. Den Vogel schoss aber Hapag-Lloyd Cruises ab. Hier waren es durchschnittlich gewaltige 641 Euro pro Tag und Person.

Tui hat sein Kreuzfahrtgeschäft in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut. 2008 gründete der Reisekonzern das Gemeinschaftsunternehmen Tui Cruises, das die "Mein Schiff"-Flotte betreibt. Doch die stürmische Expansion ist aufgrund weltweit begrenzter Werftkapazitäten erst einmal vorbei. Die "Mein Schiff"-Flotte kann erst in den Jahren 2023, 2024 und 2026 weiter ausgebaut werden.

Tui Cruises wird nach der Übernahme von Hapag-Lloyd-Cruises anfangs zwölf Schiffe betreiben. Die bislang aus fünf Schiffen bestehende Luxus- und Expeditionsflotte von Hapag-Lloyd Cruises soll in den kommenden Jahren erweitert werden. Zudem setzt Tui verstärkt auf Kunden außerhalb Deutschlands. "Produkte und Marken wie MS Europa und MS Europa 2 haben international Potenzial und Strahlkraft", sagte Joussen.

Die Tui-Aktie reagierte positiv mit einem Anstieg um bis zu knapp drei Prozent auf 10,27 Euro.

ME/rtr