US-Präsident Donald Trump

Trump will heimische Ölindustrie stützen USA heizen den Ölpreis-Streit an

Stand: 05.04.2020, 12:23 Uhr

Die Lage am globalen Ölmarkt spitzt sich weiter zu. Jetzt mischt sich auch noch die aufstrebende Ölgroßmacht USA in den Ölpreis-Krieg ein. US-Präsident Donald Trump droht mit Zöllen auf Rohölimporte.

"Ich werde tun, was auch immer nötig ist", sagte Trump am Samstagabend im Weißen Haus. Die US-Regierung will die amerikanische Öl- und Gasindustrie angesichts des jüngsten Preisverfalls mit allen verfügbaren Mitteln unterstützen. Falls es nötig sei, könnten auch neue Zölle auf Ölimporte erwogen werden, sagte Trump. In der wichtigen Industrie stünden in den USA viele Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Mehrere Fracker vor dem Aus

Der drastische Preisverfall am Rohölmarkt macht nicht zuletzt aufstrebenden amerikanischen Ölproduzenten zu schaffen, die wegen ihrer umstrittenen "Fracking"-Technik auch "Fracker" genannt werden. Viele dieser meist mittelständischen Unternehmen sind hoch verschuldet. Ihnen setzt der krisenbedingte Nachfrageausfall und der niedrige Ölpreis massiv zu. Nicht wenige Fracker können nicht mehr rentabel fördern und stehen vor der Pleite.

Opec+-Konferenz verschoben

Auf der Angebotsseite tobt zwischen Russland und Saudi-Arabien ein Preiskrieg, dessen Fortgang ungewiss ist. Ein ursprünglich für Montag anberaumtes Treffen der Opec+-Länder, das aufgrund der Corona-Pandemie per Videokonferenz stattfinden soll, wurde auf Donnerstag verschoben. Wer alles an dem Treffen teilnehmen soll, ist gegenwärtig nicht ganz klar. Eine Zusammenkunft ohne die beiden Hauptkontrahenten aus Moskau und Riad ist aber schwerlich vorstellbar.

Ob sich die USA als dritte Großmacht am Erdölmarkt beteiligen werden, steht in den Sternen. Aus Sicht der beiden Streithähne Russland und Saudi-Arabien wäre eine amerikanische Beteiligung wünschenswert. Denn die USA sind in den vergangenen Jahren zu einem der weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegen. In einzelnen Monaten sind die Vereinigten Staaten sogar schon zu einem Netto-Ölexporteur geworden. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Freitagabend indirekt eine Beteiligung der USA gefordert. Auch aus Saudi-Arabien gab es zuletzt immer wieder Stimmen, die die USA mit ins Boot holen wollten.

Putin bietet gemeinsame Drosselung der Ölförderung an

Putin hat zudem eine Zusammenarbeit bei der Drosselung der Ölförderung angeboten. Sein Land sei bereit zu einer Zusammenarbeit in dieser Frage mit der Opec+ und den USA. Er glaube, "dass es notwendig ist, die Anstrengungen zu vereinen, um den Markt auszugleichen und die Produktion zu verringern", sagte Putin laut einer vom Kreml veröffentlichten Mitschrift eines Gesprächs mit seinem Energieminister Alexander Nowak. Putin sagte auch, dass er über die Ölfördermengen kürzlich mit Trump gesprochen habe. Trump hatte am Donnerstag mit Verweis auf ein Gespräch mit Riad eine Förderkürzung von 10 bis 15 Millionen Barrel ins Spiel gebracht. Dies entspräche bis zu 15 Prozent der täglichen Ölförderung auf der Welt.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Die Putin-Aussagen hatten die Rally am Ölmarkt weiter angeheizt. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Freitag um 14 Prozent auf 33,70 Dollar je Barrel. Brent stieg auf Wochensicht um 36,8 Prozent, die größte relative Zunahme seiner Geschichte.

Reicht die Kürzung um 10 Millionen Barrel?

Die Internationale Energieagentur IEA ist jedoch skeptisch, ob eine derart starke Kürzung ausreichen würde, um die schwache Nachfrage mit dem hohen Angebot in Ausgleich zu bringen. Schätzungen gehen von einem krisenbedingten Nachfrageeinbruch von bis zu einem Drittel aus. Auch Rohstoffexperten sind vorsichtig. Eine Förderkürzung um 10 Millionen Barrel je Tag oder mehr sei "illusorisch", kommentierte Erdölfachmann Eugen Weinberg von der Commerzbank.

Das britische Analysehaus Capital Economics pflichtet ihm bei: "Wir bleiben skeptisch, dass eine Kürzungsvereinbarung zustande kommen wird", sagte Expertin Simona Gambarini. Zum einen sei Saudi-Arabien aufgrund seiner hohen Finanzreserven in einer recht guten Position, den Preiskrieg noch eine Zeit lang durchzustehen. Zum anderen hält es die Expertin für unwahrscheinlich, dass Russland und andere Förderländer ihre Förderung derart stark kürzen werden.

Nachfrageeinbruch wegen Corona

Die Lage am Rohölmarkt ist gegenwärtig beispiellos, weil ein extrem hoher Nachfrageeinbruch wegen der Corona-Krise auf eine massive Angebotsausweitung infolge des Preiskriegs trifft. Der Einbruch der weltweiten Nachfrage nach Rohöl- und Ölprodukten ist eine direkte Folge der Corona-Krise. Viele Staaten haben aus Angst vor einer Infektions- und Sterbewelle teils drastische Gegenmaßnahmen beschlossen. Diese Schritte haben vielerorts zu einem Einbruch des Wirtschaftslebens und zu einer drastisch geringeren Ölnachfrage geführt.

Ausgerechnet in dieser heiklen Lage haben sich die beiden Ölriesen Russland und Saudi-Arabien dazu entschlossen, einen Preiskrieg vom Zaun zu brechen. Seit Ende 2016 hatten die Saudis und das ihr folgende Opec-Kartell mit anderen großen Ölstaaten, darunter Russland, das Ölangebot begrenzt. Dieser Zusammenschluss namens Opec+ war angesichts stark fallender Erdölpreise notwendig geworden. Nach gut dreijähriger Zusammenarbeit trennte man sich Anfang März im Streit. Seither herrscht Funkstille zwischen den Streithähnen.

Saudisch-russischer Preiskrieg treibt die Preise

Die Folgen der Trennung waren drastisch: Saudi-Arabien hat seine Ölförderung massiv hochgefahren, die Rohölpreise sind stark gefallen. Seit Jahresbeginn haben sie sich in etwa halbiert. Fachleute sagen, bei diesen Preisen könne vielleicht noch Russland rentabel Öl fördern. Viele andere Länder benötigten aber deutlich höhere Preise. So ergeht es etwa den kanadischen Produzenten, deren Transportkosten mittlerweile über ihren Verkaufspreisen liegen solle

nb