Gea Unternehmenszentrale

Ein Opfer der US-Steuerreform Trump reißt Löcher bei Gea

Stand: 23.01.2018, 09:07 Uhr

2017 lief es für Gea mäßig, 2018 wird anspruchsvoll. Der deutsche Maschinenbauer ist ein Leidtragender der Trump'schen Steuerreform. Und dann schwächeln auch noch wichtige Kunden des MDax-Konzerns. Das schmeckt Investoren gar nicht.

Aus der Getränke- und aus der Milchverarbeitungsindustrie kommen nur zögerlich Bestellungen rein, wie Gea heute anlässlich seiner vorläufigen Quartalsbilanz mitteilt. Das sind zwei der wichtigsten Branchen für Gea, sie machten zuletzt rund ein Drittel des Konzernumsatzes aus. Zusätzlich belastet der starke Euro. Daher geht der Anlagenbauer aus Düsseldorf von einem "anspruchsvollen" Jahr 2018 aus.

Gea

Gea: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
31,40
Differenz relativ
-0,25%

Das schlägt auf die Aktie des MDax-Unternehmens. Der Kurs gibt zu Handelsbeginn mehr als fünf Prozent nach.

Auch im vergangenen Jahr lief es bescheiden, die Erlöse stiegen nicht so stark an wie erhofft und das operative Ergebnis fiel noch schlechter als zuletzt ohnehin erwartet aus. Der Umsatz stieg um knapp zwei Prozent auf 4,58 Milliarden Euro und liege damit am unteren Rand der eigenen Erwartungen, teilte Gea mit. Von Bloomberg befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem etwas höheren Erlös gerechnet.

Der Trump-Effekt

Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verzeichnete Gea einen leichten Rückgang auf voraussichtlich rund 565 Millionen Euro. Damit verfehlte das Unternehmen den eigenen Prognosekorridor von 573 bis 633 Millionen Euro und die Erwartungen der Experten. Die von US-Präsident Donald Trump angeschobene Steuerreform in den Vereinigten Staaten belastete den Überschuss im vergangenen Jahr zusätzlich mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Für 2018 stellt Gea ein Ebitda von 590 bis 640 Millionen Euro in Aussicht, womit absehbar sei, dass man den Erwartung der Experten von 635 Millionen Euro wohl nicht entsprechen werde. Auch beim operativen Ergebnis dürften die bisherigen Erwartungen der Experten nicht erfüllt werden, teilte Gea mit.

»Derzeit müssen wir für 2018 weiterhin von einer verhaltenen Auftragslage in den Kundenindustrien Milchverarbeitung und Getränke ausgehen, die die gute bis sehr gute Entwicklung unserer anderen Kundenindustrien relativieren wird.«

Gea-Chef Jürg Oleas

Die Gea-Aktie

Die aktuellen Nachrichten sind weiterer Ballast für die Gea-Aktie, die sich in den vergangenen drei Jahren - gerade im Vergleich zu vielen anderen deutschen Maschinenbauern - ohnehin schon schwach entwickelt hat. Dies rief im vergangenen Jahr einige als aktiv geltende Anleger auf den Plan. Im August war bekannt geworden, dass der einflussreiche belgische Investor und Unternehmer Albert Frère und die Familie Desmarais ein größeres Aktienpaket halten.

Seit Anfang Oktober hatte dann Investor Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott Management seinen Anteil auf mehr als drei Prozent ausgebaut. Dieser ist dafür bekannt, mit relativ geringen Beteiligungen zum Beispiel durch öffentlichen Druck oder der Zusammenarbeit mit anderen Anlegern möglichst hohen Einfluss auf die Geschäftspolitik auszuüben.

Angesichts der neuen Nachrichten könne sich nun der Druck von diesen aktivistischen Investoren erhöhen, prognostizierte ein Händler. Seitdem bekannt ist, dass die beiden Investoren sich beteiligt haben, hat sich der Kurs zwar etwas erholt, liegt aber immer noch lediglich auf dem Niveau von Anfang 2015, während der MDax mit vielen vergleichbaren Unternehmen von Rekord zu Rekord eilte. Besonders pikant ist, dass Gea an der Börse mit 7,7 Milliarden Euro weniger wert ist als der schwedische Hauptkonkurrent Alfa Laval, obwohl dieser weniger umsetzt, dabei aber profitabler ist.

Gea-Chef räumt Fehler ein

Oleas, der seit 2004 an der Spitze des Konzerns steht, wurde von den aktivistischen Investoren unter anderem wegen seines Führungsstils und vor allem wegen der geringen Ertragskraft des Konzerns angegriffen. Er räumte nun Fehler ein. Gea sei zwar gut gerüstet, "wir müssen jedoch anerkennen, dass die vollständige Transformation längere Zeit benötigt als ursprünglich angenommen". Und weiter: "Wir sind aber unverändert davon überzeugt, dass sich die bereits eingeleiteten Maßnahmen vor allem bei Einkauf und Produktion künftig noch stärker positiv auswirken werden."

Gea wolle weitere strategische Initiativen insbesondere im Hinblick auf Umsatzwachstum, Service, Portfolio sowie weitere Optimierungsmaßnahmen konsequent angehen. Mehr dazu will das Unternehmen auf dem Kapitalmarkttag im März berichten.

bs