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Höhere Zölle nahen Trump nimmt deutsche Autobauer ins Visier

Stand: 11.06.2018, 11:08 Uhr

So wie die Dinge liegen, scheinen höhere US-Einfuhrzölle für deutsche Autos nicht mehr abwendbar. An der Börse ist das Thema schon zu einem Teil eingepreist.

Auch wenn man Donald Trumps krude Verhandlungsstrategie und eine gewisse Unberechenbarkeit seiner Reaktionen mit in Betracht zieht - seine Zollpläne gegen die deutsche Autoindustrie scheinen kein Bluff zu sein. Vielmehr scheint der US-Präsident wild entschlossen, seine wiederholte Drohung wahr zu machen und die Einfuhrzölle auf deutsche Autos drastisch zu erhöhen.

Die jüngsten Twitter-Statements anlässlich des Rückzugs von der geplanten G7-Abschlusserklärung lassen kaum einen anderen Schluss zu. "Deutschland zahlt (langsam) ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die Nato, während wir vier Prozent eines viel größeren Bruttoinlandsproduktes zahlen", twitterte Trump etwa. "Glaubt irgendjemand, dass das Sinn ergibt? Wir beschützen Europa (was gut ist) mit großen finanziellen Verlusten, und dann werden wir beim Handel unfairer geschröpft", fügte der US-Präsident hinzu.

"Warum sollte ich als Präsident der Vereinigten Staaten Ländern erlauben, weiter gewaltige Handelsüberschüsse zu erzielen, wie sie es seit Jahrzehnten getan haben, während unsere Bauern, Arbeiter und Steuerzahler einen so großen und unfairen Preis zahlen müssen?", fragte Trump in einem weiteren Tweet.

25 Prozent erwartet

Als wahrscheinlich gilt ein Zollsatz von 25 Prozent, der möglicherweise bereits in wenigen Monaten droht. Bisher werden auf Pkw-Importe nur 2,5 Prozent Zoll fällig, bei Lastwagen und SUVs werden bereits heute 25 Prozent erhoben.

Trump hatte schon häufiger mit höheren Importzöllen auf deutsche Autos gedroht. "Ich bin über die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen sehr besorgt", sagte der Präsident des Autoverbands VDA, Bernhard Mattes, der "Süddeutschen Zeitung".

Deutsche Automobilindustrie in den USA

Deutsche Automobilindustrie in den USA. | Bildquelle: Feri, Grafik: boerse.ARD.de

Her mit den Tatsachen!

An der Börse wird diese Sorge geteilt. Seit Ende Januar stehen deutsche Autotitel tendenziell unter Druck, so hat die Daimler-Aktie seit Jahresbeginn bis heute über 13 Prozent eingebüßt. Bei Daimler belastet am Montag zusätzlich die jüngste Ausweitung des Dieselskandals.

Aus Sicht der Börse dürfte aber bald der Punkt erreicht sein, an dem vollendete negative Tatsachen eher begrüßt werden, weil sie die andauernden Spekulationen beenden. Das gilt für das Zollthema ebenso wie für den weiterhin schwelenden Abgasskandal.

la