Donald Trump

Kräftige Zinssenkung gefordert Trump greift Fed frontal an

Stand: 20.08.2019, 07:45 Uhr

US-Präsident Donald Trump schießt weiter gegen die US-Notenbank Fed und fordert eine massive Zinssenkung. Auch sein Handelsminister Wilbur Ross greift die Fed scharf an. Es herrscht ein rauher Ton vor dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole.

Donald Trump wünscht eine Zinssenkung um mindestens 100 Basispunkte, also einen Prozentpunkt. Begleitet werden könne dies von weiteren Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur ("quantitative easing"), findet er. "Wenn das passieren würde, würde es unserer Wirtschaft noch besser gehen, und die Weltwirtschaft würde deutlich und schnell verbessert werden - gut für alle", wie Trump twitterte.

Trump beklagte eine Stärke des Dollars, die "leider anderen Teilen der Welt Schmerzen bereitet". In den vergangenen Monaten hatte der Präsident die Fed immer wieder scharf kritisiert und in einer für einen US-Staatschef unüblichen Art Zinssenkungen gefordert, um die Wirtschaft anzuschieben.

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: Imago

"Wir sind sehr verärgert"

Handelsminister Wilbur Ross warf der Fed am Montag zudem vor, für den jüngsten Kursanstieg des Dollar mitverantwortlich zu sein: „Wir sind sehr verärgert über den Teil der Dollar-Stärke, der auf die Geldpolitik der Fed zurückzuführen ist“, sagte er dem Sender Fox Business.

Wilbur Ross, Milliardär oder nicht?

Das US-Magazin "Forbes" ist unter anderem auch für "Forbes 400" bekannt, eine Rangliste der US-Milliardäre. Bis zum Jahr 2016 war der aktuelle US-Handelsminister Wilbur Ross mit einem Vermögen von regelmäßig mehr als zwei Milliarden Dollar auf der Liste vertreten. Ross, dessen Tätigkeit man mit "Investor" umschreiben könnte, wurde im Jahr 2017 von der Liste gestrichen. "Forbes" wirft Ross vor, jahrelang über die Höhe seines Reichtums gelogen zu haben. Die Journalisten haben ihn mehrfach heruntergestuft, aktuell geben sie sein Vermögen mit 600 Millionen Dollar an.

Mit einem Anstieg der US-Währung verteuern sich amerikanische Produkte auf dem Weltmarkt. Konkurrenten aus anderen Ländern sind dann preislich im Vorteil. Seit Jahresbeginn ist der Dollar zum Euro um 3,3 Prozent gestiegen. Der Dollar-Index, der den Wechselkurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gewann 2,1 Prozent.

Wilbur Ross

Wilbur Ross, Unternehmer und Handelsminister. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"It’s the economy, stupid"

Der Präsident hat ein ausgeprägtes Interesse daran, dass die Wirtschaft der USA nicht vor den kommenden Präsidentschaftswahlen in konjunkturelle Schwierigkeiten gerät. Für die Aktienmärkte ist das forsche Agieren der US-Regierung zumindest vordergründig eine gute Nachricht. Analyst Markus Reinwand von der Helaba stellte in seinem Wochenausblick fest: "Trump kann es sich angesichts der im kommenden Jahr anstehenden Wahlen nicht leisten, dass der Aktienmarkt einbricht und die US-Wirtschaft in eine Rezession schlittert."

Gestern hatte unter anderem auch die Aussicht auf weitere Unterstützung der Notenbanken den Dax nach vorn getrieben. Und an der Wall Street schlossen die Indizes ebenfalls mit soliden Gewinnen.

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Den Druck erhöhen

Der Zeitpunkt für Trumps Fed-Kritik ist nicht zufällig gewählt. Am Donnerstag beginnt das internationale jährliche Treffen der Notenbanker in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Angesichts der jüngsten Befürchtungen vor einem globalen Konjunkturabschwung hoffen die Anleger natürlich auf weitere Lockerungen der Geldpolitik. Warum also nicht vorher ein wenig den Druck erhöhen, wird sich der Präsident gedacht haben.

Außerdem erwarten die Anleger mit Spannung die Veröffentlichung der jüngsten Sitzungsprotokolle der US-Notenbank Fed (Mittwoch) und der Europäischen Zentralbank (EZB) (Donnerstag).

ts