Donald Trump blickt skeptisch
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Nach Strafzöllen für Stahl und Aliuminium Trump droht Europas Autobauern

Stand: 04.03.2018, 13:48 Uhr

US-Präsident Donald Trump nährt mit neuen Abgabe-Drohungen gegen Importeure die Furcht vor einem ernsthaften Handelskonflikt. Jetzt hat er die europäischen Autohersteller im Visier.

"Wenn die EU ihre ohnehin schon massiven Zölle und Barrieren für US-Unternehmen, die dort Handel betreiben, weiter anheben will, werden wir auf ihre Autos, die frei in die USA strömen, einfach eine Abgabe erheben", twitterte der Präsident am Wochenende.

Nicht nur die EU, auch China wollen US-Strafmaßnahmen nicht tatenlos hinnehmen. Und auch in der US-Wirtschaft formiert sich Widerstand gegen Trumps Zoll-Pläne, die viele US-Produkte verteuern könnten. Angesichts des Konfrontationskurses der Regierung äußerten sich Vertreter der deutschen Wirtschaft erleichtert, dass es nach dem SPD-Votum für eine große Koalition bald wieder eine voll handlungsfähige deutsche Regierung geben dürfte. Dies sei "insbesondere angesichts des Säbelrasselns in Washington und Moskau" besonders wichtig, sagte Außenhandelspräsident Holger Bingmann.

Deutsche Autokonzerne haben Werke in den USA

Strafabgaben auf Autos aus Europa würden ganz besonderes die deutschen Hersteller treffen. BMW, Daimler und Volkswagen verkaufen zwar weniger Autos in den USA als in China. Dennoch haben sie dort im vergangenen Jahr 1,35 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Damit kamen sie zuletzt auf einen Marktanteil von knapp acht Prozent.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,52
Differenz relativ
-2,87%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,01
Differenz relativ
-5,38%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,20
Differenz relativ
-1,79%

Allerdings bauen die deutschen Autokonzerne auch in den USA selbst Autos. Von den 1,35 Millionen deutschen Autos, die 2017 in den USA verkauft wurden, stammen 844.000 aus Fabriken in dem Land selbst. So produziert BMW in seinem Werk in South-Carolina seine SUV-Modelle für den Weltmarkt – vom kompakten X3 bis zum großen X6. Als einziger Autokonzern bauen die Münchener sogar mehr Autos in den USA, als sie verkaufen.

Harsche Vorwürfe

Auch Daimler und Volkwagen haben eigene Werke in den USA. Denn Porsche und Audi betreiben kein eigenes Werk in den USA. Nur die Sportwagen von Porsche, die in den USA verkauft werden, kommen aus Deutschland. Audi hat im Herbst 2016 ein Werk im mexikanischen San Jose Chiapa eröffnet.

In Spartanburg (South Carolina, USA) produzierter BMW X4

In Spartanburg (South Carolina, USA) produzierter BMW X4. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Trump warf den Europäern vor, US-Autokonzernen das Leben schwerzumachen. "Sie machen es unmöglich, unsere Autos (und mehr) dort zu verkaufen." Trump warf der EU vor, "brutal" Handelshürden gegenüber US-Konzernen aufgebaut zu haben. "Sie haben sich zusammengetan, um die USA im Handel zu schlagen", warf er ihnen bei einem Auftritt in Florida vor.

Der US-Präsident beklagt seit langen das hohe US-Defizit im Außenhandel, das 2017 bei knapp 800 Milliarden Dollar lag. Fast die Hälfte davon entfällt auf den Handel mit China. Den deutschen Autobauern hatte Trump bereits kurz nach seinem Amtsantritt eine Sondersteuer von 35 Prozent auf importierte Autos angedroht.

lg