Blöd dreinschauender Mops mit heraushängender Zunge

Aktie nach Gewinnmitnahmen auf Talfahrt Zooplus: Unklarheit über Einfluss des Coronavirus

Stand: 25.03.2020, 12:02 Uhr

Der Online-Tierbedarfshändler rechnet im laufenden Jahr wegen der Corona-Pandemie mit einem Rückgang des operativen Ergebnisses - will aber weiter wachsen. Die Zooplus-Aktie schmiert dennoch ab.

Über 25 Prozent verlor das Papier zeitweise am Mittwoch. Zuletzt war es aber auch stark gestiegen. Nachdem der Titel bereits am Vortag um 3,5 Prozent nachgab, haben sich die Gewinnmitnahmen nun noch einmal verschärft.

In den vergangenen zwei Jahren lief es für die Aktie nicht gerade rosig. Im jüngsten Corona-Crash wurde sie allerdings von vielen Anlegern als eine Art Rettungsinsel wahrgenommen. In nur fünf Börsentagen hatte das Papier eine Rally von 67 Prozent hingelegt. Nun steht der Kurs in etwa auf dem Stand von Anfang des Jahres.

Analysten reagieren enttäuscht

Anleger hatten auf das Papier als Gewinner der Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen des Coronavirus gesetzt. Sowohl die Zahlen im vierten Quartal als auch die Prognosen für 2020 blieben nun aber hinter den Erwartungen zurück, schrieb Analystin Alvira Rao von der Barclays Bank.

Zudem sei nicht klar, inwiefern das Virus die Geschäfte des Unternehmens beeinträchtigt, ob positiv oder negativ. Eigentlich sollte Zooplus davon profitieren, so die Expertin, denn die Haustierpflege habe defensiven Charakter.

Grundlegend sieht Rao für die Münchener aber nach wie vor strukturelle Herausforderungen, vor allem durch die gewaltige Konkurrenz von Amazon. Die britische Investmentbank hat die Einstufung für Zooplus auf "Underweight" mit einem Kursziel von 95 Euro belassen.

Liberum-Analyst Wayne Brown und Baader-Bank-Experte Volker Bosse sprachen ebenfalls von einem enttäuschenden Ausblick. Das operative Ergebnisziel für das laufende Jahr sei enttäuschend, schrieb auch Analyst Thilo Kleibauer in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Er moniert die Berechenbarkeit der mittelfristigen Gewinnentwicklung.

Unsicherheit über die Corona-Folgen

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) solle zwar positiv bis ausgeglichen ausfallen und damit nicht ins Minus rutschen, werde aber dennoch unter dem Bereich des Vorjahres erwartet, teilte das SDax-Unternehmen am Mittwoch in München mit.

Zooplus-Vorstände (l.-r.) Dr. Mischa Ritter, Florian Welz, Dr. Cornelius Patt, Andreas Maueröder

Zooplus-Vorstände (l.-r.) Dr. Mischa Ritter, Florian Welz, Dr. Cornelius Patt, Andreas Maueröder. | Bildquelle: Unternehmen

Mittelfristig werden wir von der stabilen Nachfrage in unserer Kategorie profitieren, die vergleichsweise wenig dem gesamtkonjunkturellen Risiko ausgesetzt ist", sagte Mitgründer und Vorstandschef Cornelius Patt. "Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass auch uns die Auswirkungen der notwendigen drastischen Bekämpfung des Coronavirus in Form von höheren Kosten und Absatzverlusten treffen werden."

Dass die Menschen wegen der Pandemie in vielen Ländern derzeit Zuhause bleiben und verstärkt online einkaufen, nahm Berenberg-Experte James Letten zu Beginn der Woche zum Anlass, sein Anlageurteil komplett über den Haufen zu werfen. Statt für einen Verkauf sprach er sich für einen Kauf aus und erhöhte sein Kursziel von 60 auf 136 Euro.

Noch tiefer in den roten Zahlen

2019 erzielte Zooplus ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 11,8 Millionen Euro, nach 8,6 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Das lag am unteren Ende der von Zooplus anvisierten Spanne von 10 bis 30 Millionen Euro. Als Grund führte das Unternehmen hier eine leicht rückläufige Wiederkaufrate an.

Im laufenden Jahr dürften zudem Schwierigkeiten in der Logistik im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf das Ergebnis drücken. Der Umsatz soll 2020 im Bereich des Vorjahres wachsen, in absoluten Zahlen also um mindestens 180 Millionen Euro. Wie bereits bekannt, stieg der Umsatz der Münchener im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro. Auch hier erreichte Zooplus lediglich das untere Ende der Zielspanne von 14 bis 18 Prozent Wachstum.

Unter dem Strich rutschte das Unternehmen 2019 noch deutlich tiefer in die roten Zahlen: Beim Konzernergebnis stand ein Minus von mehr als 12 Millionen Euro. 2018 belief sich der Verlust noch auf etwas über zwei Millionen Euro.

Drei Millionen Neukunden

Um neue Kunden zu gewinnen, gibt Zooplus seit geraumer Zeit viel Geld für Werbung aus. 2019 registrierten sich mehr als drei Millionen Neukunden bei dem Onlinehändler - so viel wie noch nie in einem Jahr. Das Umsatzwachstum werde letztlich aber vom Bestandskundengeschäft getragen, hieß es. Hier ging die Wiederkaufrate im Vergleich zu 2018 leicht auf 91 Prozent zurück.

Unterdessen soll der Vertrag von Cornelius Patt um eine weitere Amtszeit verlängert werden. Diese beginne ab dem 1. Januar 2021 laufe bis zum 31. Dezember 2023.

tb/dpa-AFX

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Das sind die Stubenhocker-Aktien Von Amazon bis Zooplus

<strong>Amazon</strong><br/>Während Einkaufszentren geschlossen und Innenstädte verwaist sind, gelten Onlinehändler wie Amazon oder Ebay als Profiteur der Krise. Tatsächlich haben die Online-Einkäufe seit Ausbruch der Pandemie derart zugenommen, dass Amazon in den USA 100.000 zusätzliche Mitarbeiter für Lager und Auslieferung eingestellt hat. Umfragen zufolge will jeder vierte Amerikaner wegen Corona mehr im Internet bestellen.<br/><br/>Bislang erwartet Amazon im E-Commerce einen Umsatz von 93,5 Milliarden Dollar in diesem Jahr - nach 86,1 Milliarden Dollar 2019. Dank Corona wollen einige Analysten sogar einen Umsatz oberhalb der magischen Schwelle von 100 Milliarden Dollar in diesem Jahr nicht ausschließen.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 3 Monate

Amazon
Während Einkaufszentren geschlossen und Innenstädte verwaist sind, gelten Onlinehändler wie Amazon oder Ebay als Profiteur der Krise. Tatsächlich haben die Online-Einkäufe seit Ausbruch der Pandemie derart zugenommen, dass Amazon in den USA 100.000 zusätzliche Mitarbeiter für Lager und Auslieferung eingestellt hat. Umfragen zufolge will jeder vierte Amerikaner wegen Corona mehr im Internet bestellen.

Bislang erwartet Amazon im E-Commerce einen Umsatz von 93,5 Milliarden Dollar in diesem Jahr - nach 86,1 Milliarden Dollar 2019. Dank Corona wollen einige Analysten sogar einen Umsatz oberhalb der magischen Schwelle von 100 Milliarden Dollar in diesem Jahr nicht ausschließen.