Sportwetten in den USA

Ausfall zahlreicher Sportevents Trotz Corona: Hält der Sportwetten-Boom an?

Stand: 25.03.2020, 16:19 Uhr

Überall auf der Welt fallen derzeit Sportveranstaltungen aus. Das trifft nicht nur die Fans, sondern auch die Anbieter von Sportwetten hart. Dabei befindet sich der Markt eigentlich im Boom.

Die Sportwetten-Branche leidet enorm unter der Coronakrise. "Die Auswirkungen sind natürlich schon jetzt immens und in ihrer ganzen Tragweite noch gar nicht abzuschätzen", erklärte etwa ein Sprecher von bwin dem Sport-Informations-Dienst. Dies werde am Ende maßgeblich davon abhängen, wie die Pandemie weiter verlaufe.

Belastbare Aussagen könne man diesbezüglich noch nicht machen, sagte auch Luka Andric, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Sportwettenverbandes, den "Badischen Neuesten Nachrichten".

Das neue Stadion in Tokio

Tokio 2020. | Bildquelle: picture alliance / dpa, kyodo

Aktuell finden kaum noch Topveranstaltungen statt, auf die Sportwetten-Fans setzen können. Ob Bundesliga, NBA oder Tennis-Tour - allesamt haben ihren normalen Betrieb länger unterbrochen. Selbst die Olympischen Spiele in Tokio und die Fußball-Europameisterschaft wurden abgesagt oder verschoben.

Aktien brechen ein

Das hat auch Auswirkungen auf die Aktien des größten deutschen börsennotierten Anbieters Bet-at-home.com. Vom Jahreshoch von 54,50 Euro im Januar rutschten die Papiere vergangene Woche auf 18,28 Euro ab - ein sattes Minus von mehr als 66 Prozent. In den vergangenen Tagen konnte sich der Titel wieder etwas erholen.

Auch die Titel anderer Unternehmen aus der Branche befinden sich auf Talfahrt. Der Aktienkurs des neu gegründeten und wohl weltweit größten Konzerns Flutter Entertainment, entstanden aus Paddy Power und Betfair, rauschte um rund 47 Prozent nach unten, ehe es kürzlich einen Erholungsversuch startete. Am Mittwoch stieg das Papier zeitweise um mehr als zehn Prozent.

Ähnlich sieht es auch bei der britischen bwin-Muttergesellschaft GVC aus. Die GVC-Aktie verlor bis zur vergangenen Woche etwa 67 Prozent an Wert. Schwierige Zeiten also für die großen Anbieter.

Branche boomt - eigentlich

Dabei liefen die Kassen der Sportwettenanbieter vor der Krise auf Hochtouren. 2019 belief sich die Kaufsumme der Deutschen bei ausländischen Anbietern von Online-Glücksspielen wie Sportwetten auf 3,06 Milliarden Euro, wie die Bundesbank Anfang der Woche bekanntgab.

Die Wetteinsätze in Deutschland betrugen laut der Glücksspielaufsichtsbehörden allein im vergangenen Jahr etwa 9,3 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 3,5 Milliarden Euro. Viele Anbieter haben darüber hinaus Kooperationen mit Vereinen und Verbänden.

Anfang 2020 war außerdem entschieden worden, dass ab Mitte 2021 Sportwetten im Internet in Deutschland länderübergreifend erlaubt sein sollen. Zudem eröffnen sich größere Möglichkeiten wie Ergebniswetten. Anbieter von Online-Sportwetten agierten bisher in einer rechtlichen Grauzone.

Große Ligen fehlen auf Tippscheinen

Experten sehen die boomende Branche als nicht gefährdet an. Zwar würden die Umsätze zurückgehen, doch sobald die Pause beendet ist, sollte sich der Hype gerade mit Blick auf den geänderten Glücksspielstaatsvertrag fortsetzen.

So bestätigte Analyst Marcus Silbe von FMR Research seine Kaufempfehlung für Bet-at-home.com und schraubte das Kursziel nur minimal nach unten. Im schlimmsten Fall werde die komplette Saison abgesagt - mit rasanten Umsatzeinbrüchen.

Wahrscheinlicher sei seiner Meinung nach aber eine Wiederaufnahme in den nächsten Wochen. Dann sei die momentane Situation lediglich eine kleine Delle. Auf die Beliebtheit von Sportwetten könne weiter gezählt werden.

Dennoch: Besonders die großen Spielklassen und Sportevents locken die meisten Kunden an. Und ein Ende der Zeit ohne sportliche Events ist nicht Sicht. So verlängert sich etwa die Zwangspause der Bundesliga mindestens bis zum 30. April. Alle großen Ligen sind aktuell nicht auf den Tippscheinen vertreten.

In Weißrussland wird Fußball gespielt

Allerdings gilt nach wie vor: Auf irgendein Event auf der Welt kann man immer tippen. So zum Beispiel auf ein Schach-Duell zwischen Fabiano Caruana und Ian Nepomnijatschtschi bei einem laufenden Turnier in Russland.

Oder aber auf die Fußball-Liga in Weißrussland: Während fast ganz Europa sämtliche Spiele ausgesetzt hat, hält das Land am Saisonstart fest. Treibende Kraft hinter dem Spielbetrieb war Präsident Alexander Lukaschenko, dem Maßnahmen von Nachbarländern wie Grenzschließungen und Absagen öffentlicher Veranstaltungen nach eigener Aussage zu weit gehen.

In Weißrussland hat die Fußballsaison gerade erst begonnen. Um Kälte und Schnee im Winter zu umgehen, wird in dem Land von März bis Dezember gespielt. Es sei nicht geplant, die Saison später auszusetzen, erklärte die Weißrussische Fußballföderation.

"Wir laden die Fans ein, auf die Tribünen zu kommen", hieß es in einer Erklärung. Da praktisch nirgendwo auf der Welt noch Ligafußball gespielt wird, könnte das Geschehen in Weißrussland für manche Fernsehsender oder Fans durchaus interessant sein - und natürlich für Sportwettenanbieter.

tb