Leerer Einkaufswagen vor Toys R Us-Filiale
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Das neueste Amazon-Opfer Toys 'R' Us hat ausgespielt

von Angela Göpfert

Stand: 19.09.2017, 07:53 Uhr

Toys 'R' Us ist kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft das Geld ausgegangen. Die amerikanische Spielzeugkette ist pleite. Einer dürfte sich allerdings freuen: Amazon-Chef Jeff Bezos.

Toys 'R' Us hat in Richmond, Virginia, einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 gestellt. Es ist eine der größten Insolvenzen eines Fachhändlers in den USA.

Europa-Geschäft nicht betroffen

Im Rahmen der "Chapter 11"-Insolvenz hat Toys 'R' Us einen Neukredit in Höhe von mehr als drei Milliarden Dollar von einer von JPMorgan angeführten Bankengruppe sowie früheren Kreditgebern erhalten.

Mit Hilfe dieses Kredits will das Unternehmen sein Geschäft während der Restrukturierung und Umschuldung fortführen. Die Aktivitäten des Händlers außerhalb der USA und Kanadas sind nicht Teil des Insolvenzantrags.

Niemand ist vor Amazon sicher

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Damit ist Toys 'R' Us das jüngste Opfer der allgegenwärtigen Amazon-Expansion. Statt in den Toys-'R'-Us-Läden bestellten Kunden das Spielzeug lieber bei Amazon oder anderen Billiganbietern.

Der weltgrößte Onlinehändler wird zu einer immer größeren Bedrohung für den physischen Handel. Laut Bloomberg haben in diesem Jahr bereits mehr als ein Dutzend große amerikanische Einzelhändler einen Insolvenzantrag gestellt. Zuletzt hatten Medien über Probleme beim Schuhhandelsriesen Footlocker berichtet.

Spielzeug ohne Ende

Toys 'R' Us wurde 1948 gegründet. Weltweit hat das Unternehmen mehr als 1.450 Läden. Die Kette beschäftigt weltweit 64.000 Mitarbeiter. Laut der deutschen Internetseite betreibt der Konzern, der von Bauklötzen bis zu Fahrrädern alles im Angebot hat, allein in Deutschland 66 Filialen. In Österreich sind es 15 und in der Schweiz zehn. Toys 'R' Us ist seit 1986 in Deutschland vertreten.

Nicht nur ein Opfer

Allerdings wäre es zu stark vereinfacht, in Toys 'R' Us nur ein Opfer zu sehen, ein Opfer der Expansionsgelüste von Amazon-Chef Jeff Bezos. Denn viele der Probleme, die jetzt in die Insolvenz geführt haben, sind auch hausgemacht.

So ist das Gros der Schulden des Spielzeughändlers das Erbe des 2005 vollzogenen Verkaufs an KKR, Bain Capital und Vornado Realty Trust. Die Investorengruppe hatte das Unternehmen mit hohen Schulden belastet, um es privatisieren zu können.

Für das Quartal bis Ende April hatte Toys 'R' Us einen Verlust von 164 Millionen Dollar gemeldet. Das Unternehmen hat seit 2013 keinen Jahresgewinn mehr ausweisen können.

Wenn Sorgen wahr werden

Bereits am Montag hatten Gerüchte über eine drohende Insolvenz an der Wall Street die Runde gemacht. Die Aktien der Spielzeughersteller Mattel ("Barbie") und Hasbro ("Marvel", "Monopoly") gerieten mächtig unter Druck. Die Mattel-Aktie verlor 6,2 Prozent, für Hasbro-Papiere ging es 1,7 Prozent abwärts.

Sie litten unter der Sorge, der Spielzeughändler Toys 'R' Us könnte noch vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft Konkurs anmelden. Eine Sorge, die sich nun bewahrheitet hat.

Sendung: B 5 Börse, Bayrischer Rundfunk, 19.09.2017, 8.15 Uhr

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1. Mattel
1945 von Harold Matson, Elliot Handler und dessen Frau Ruth in einer Garage gegründet, ist Mattel heute der größte Spielzeugkonzern der Welt. 2016 machten die Amerikaner einen Umsatz von umgerechnet 5,2 Milliarden Euro. Bekannt wurde Mattel durch seine Barbie-Puppen und die Masters-of-the-Universe-Action-Figuren.