Probefahrt für automatisiertes Fahren von Bosch mit Kartenmaterial von TomTom
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Aktie steuert in die Tiefe TomTom-Aktie ohne Orientierung

Stand: 18.09.2018, 14:24 Uhr

Um bis zu 30 Prozent abwärts geht es am Dienstag mit den Papieren des Navigationsspezialisten aus den Niederlanden. Gleich drei Autokonzerne holen den Rivalen Google für ihre Navigationssysteme an Bord. Für TomTom ein potenzielles Desater.

Zumindest die Marktreaktion ist eindeutig. TomTom-Aktien verloren mit einem Schlag die gesamten Gewinne der vergangenen zweieinhalb Jahre. Dabei wechselten bis zum Mittag bereits fast sechs Mal so viele TomTom-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Der Android im Auto

Renault und seine japanischen Partner Nissan und Mitsubishi haben haben sich für die Entwicklung eines "Infotainmentsystems der nächsten Generation" für Google entschieden, hieß es in einer Mitteilung. Experten zufolge ist die die Entscheidung zunächst vor allem als Erfolg für Google zu bewerten. Der US-Konzern versucht schon seit Jahren, mit dem mobilen Betriebssystem Android auch im Autobau Fuß zu fassen. Geplant sind außerdem offenbar Online-Updates für die Fahrzeug-Software und Cloud-basierte Fahrzeug-Diagnostik. Die ersten Modelle aus dieser Zusammenarbeit würden 2021 auf den Markt kommen.

Dabei könnte TomTom gewissermaßen als "Kollateralschaden" wichtige Kunden in der Autoindustrie für seine Navigationsgeräte und Kartendaten verlieren. Das sehen nicht nur Anleger, sondern auch Analysten so: "Das ist ein schwerer Schlag für TomTom", so etwa Jos Versteeg vom Vermögensverwalter InsingerGilissen. TomTom habe stets betont, dass die Fahrzeug-Hersteller unabhängige Anbieter für Navigationssysteme bevorzugten. Google habe nun einen Fuß in der Tür. "Das macht TomToms Bemühungen, mit Google und Apple in der Automobilindustrie zu konkurrieren, ziemlich hoffnungslos."

Druck auf die Auto-Konkurrenz

Renault, Nissan und Mitsubishi verkauften im vergangenen Jahr weltweit rund 10,6 Millionen Fahrzeuge. Die Android-Technik werde den Fahrern einen verbesserten Zugriff auf Navi-Karten und den App-Stores ermöglichen, teilten die Autobauer mit. Fest verbaut im Armaturenbrett wird demnach auch der Sprachassistent von Google zugänglich sein. Damit können Fahrer auch während der Fahrt das Informationsangebot steuern.

Laut Branchenexperten setzt Google mit seiner Konzernmutter Alphabet damit auch die Auto-Konkurrenz unter Druck. Viele Hersteller zögern noch, Daten für Infotainment-Systeme an einen externen Anbieter zu geben. Der Umgang solchen Daten, bei denen auch Verbraucherinformationen erfasst werden, ist eine wichtige Einnahmequelle der Zukunft - bei Renault, Nissan und Mitsubishi ist der US-Konzern nun offenbar am Ziel.

AB