Bonita-Store in Lünen

Auf dem Eigenkapitalforum Tom Tailor: Wird Bonita verkauft?

Stand: 26.11.2018, 17:00 Uhr

Für die Aktionäre von Tom Tailor war 2018 ein weiteres Horrorjahr, hat doch die Aktie des Modeanbieters seit Januar zwei Drittel ihres Wertes verloren. Nun verspricht Vorstandschef Heiko Schäfer endlich Besserung.

Die erst 2012 zugekaufte Marke Bonita, spezialisiert auf Mode für Frauen über 50, soll verkauft werden. Die Zukunft der Marke stehe auf dem Prüfstand, sagte Vorstandschef Heiko Schäfer auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt. Dazu gehört auch ein möglicher Verkauf der 770 eigene Läden umfassenden Kette.

Seit fast zwei Jahren versucht sich Tom Tailor an der Sanierung der 2012 der Marke. Die über mehrere Jahre angesammelten Restposten wurden mit hohen Rabatten losgeschlagen und die Filialen umgestaltet. Zwei neue Chefs sollten die Marke verjüngen.

Reißleine gezogen

Trotzdem musste der seit zwei Jahren amtierende Vorstand im September die Reißleine ziehen und eine Gewinnwarnung herausgeben. Grund war ein Einbruch der Verkaufszahlen bei Bonita, während die Erlöse der Kernmarke Tom Tailor dem allgemeinen Negativtrend trotzen konnte.

Dabei kletterte der Umsatz der Marke Tom Tailor im dritten Quartal insgesamt um 1,9 Prozent auf 163,6 Millionen Euro, obwohl der deutsche Textilmarkt in dieser Zeit wegen des heißen Wetters um fünf bis sechs Prozent gesunken ist. Das Ebitda der Marke blieb dabei mit 19,3 Millionen auf Vorjahresniveau.

In die roten Zahlen gerutscht

Düster sah es dagegen bei Bonita aus. Die Marke verzeichnete einen Umsatzrückgang im dritten Quartal von 16,7 Prozent. Die Rohertragsmarge sank auf 63,0 Prozent. "Der überproportionale Umsatz- und Ergebnisrückgang lag deutlich unterhalb unserer Erwartungen", sagte Schröder. "Wir werden uns daher zunächst auf die Stabilisierung des Geschäfts konzentrieren."

Tom Tailor-Schriftzug auf einem Jeans-Knopf

Tom Tailor. | Bildquelle: Unternehmen

Insgesamt sank der Konzernumsatz im dritten Quartal um 10,7 Prozent auf 214,3 Millionen Euro. Unter dem Strich rutschte der Konzern sogar in die roten Zahlen. Die Aktie verlor zwischenzeitlich mehr als 12 Prozent.

Umbau schwieriger als gedacht

Zudem wird der Umbau der Marke Bonita nicht nur länger dauern als prognostiziert: er erweist sich offenbar als so schwierig, um nicht zu sagen aussichtslos, dass das Management immer deutlicher eine Trennung in Aussicht stellt. Dabei hatte Heiko Schäfer die Probleme bei der Marke wohl unterschätzt. Noch im august sagte der dem Handelsblatt: "Wir kommen bei Bonita aus zehn Jahren Missmanagement. Doch die handwerklichen Fehler kann man abstellen. Wir haben kein fundamentales Problem“.

Das hört sich nur drei Monate später ganz anders an. Bonita und Tom Tailor seien uim Grunde zwei verschiedene Unternehmen, ohne große Überschneidungen, sagte Schäfer auf dem Eigenkapitalforum. Deshalb ließen sich auch nur wenige Synergien erzielen.

Fokus steht auf Profit

Tom Tailor Shop

Tom Tailor Shop. | Bildquelle: Unternehmen

Tom Tailor war in den vergangenen zwei Jahren in die Krise geraten. Vorstandschef Dieter Holzer, der das Unternehmen 2010 an die Börse geführt hatte, musste gehen. Er hatte das Unternehmen ausschließlich auf Wachstum getrimmt, wozu 2012 auch die Übernahme von Bonita gehörte. Nachfolger Schäfer verordnete dem Konzern einen Neustart, zog sich aus zahlreichen Märkten wie Frankreich und den USA zurück, schloss Filialen. Bei Bonita fiel die Herren-Kollektion weg, bei Tom Tailor etwa die Polo-Linie. Der Fokus steht nun auf Profit.

Die Sanierung sollte eigentlich dieses Jahres beendet sein. Ab 2019 soll Tom Tailor wieder einen positiven Cash flow erwirtschaften. Dazu gehört auch eine neue Wachstumsoffensive der Kernmarke in Zentral- und Osteuropa.

lg