Eine junge Japanerin schlägt die Glocke an der Börse in Tokio

Auswirkungen auf ganz Asien Panne in Tokio: Börsenhandel ausgesetzt

Stand: 01.10.2020, 13:37 Uhr

Das gab es noch nie: Wegen einer technischen Panne ist der Handel an der Tokioter Börse den ganzen Tag ausgesetzt worden. Morgen soll wieder gehandelt werden können.

Wie die Börsenleitung in Tokio bekanntgab, trat am Morgen ein Problem bei der Übermittlung von Daten auf. Dadurch konnten die Handelsaufträge nicht verarbeitet werden. In der Folge entschied der Börsenbetreiber, Japan Exchange Group (JPX) , den Handel mit sämtlichen Aktien auszusetzen. Lediglich der Derivatehandel in Osaka lief weiter.

Der Handelsstopp mit Aktien betraf ganz Japan und galt auch für die Märkte in Sapporo, Nagoya und Fukuoka, die ebenfalls das Tokioter Börsensystem benutzen. Im weiteren Tagesverlauf entschied die Japan Exchange Group, den Handel für den Rest des Tages auszusetzen. Hinweise auf einen Hackerangriff gebe es aber nicht. Der Börsenbetreiber entschuldigte sich für die Panne. Der Handel werde nach dem Austausch defekter Systeme am Freitag wieder aufgenommen, kündigte ein Spitzenmanager an.

Größere Panne zuletzt 2005

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
22.977,13
Differenz relativ
-1,52%

2005 hatte die Japan Exchange Group einmal den Handel aller Aktien wegen einer Technikpanne für viereinhalb Stunden stoppen müssen. In den Jahren danach hatte der Betreiber immer wieder technische Probleme, die aber nie zu einer Aussetzung des kompletten Aktienhandels geführt hatten.

2010 führte die Börse dann ein neues Handelssystem ein, das aber nicht alle Probleme lösen konnte. Auch in den Jahren danach kam es immer wieder zu Pannen, allerdings nicht in diesem Ausmaß.

Einer der größten Handelsplätze der Welt

Ein Sprecher der japanischen Regierung sprach von einem "äußerst bedauerlichen" Vorfall. Tatsächlich können derartige Pannen das Vertrauen der Anleger in einen Aktienmarkt erschüttern.

Die japanischen Börsen, allen voran der Handelsplatz in Tokio, sind nach New York und Shanghai der drittgrößte der Welt. Im vergangenen Jahr betrug der tägliche Umsatz durchschnittlich 22 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: der durchschnittliche Umsatz an der Börse Frankfurt beträgt 3,7 Milliarden Euro, etwa 4,3 Milliarden Dollar.

lg/dpa/rtr