Ernte bei Tilray

Weiterhin gigantische Wachstumsquoten Cannabis-Hersteller Tilray enttäuscht

Stand: 14.11.2018, 11:29 Uhr

Zwar hat der kanadische Cannabis-Riese Tilray seinen Umsatz im dritten Quartal erheblich steigern können, blieb aber dennoch hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Auch das Ergebnis fiel eher mau aus. Die Anleger reagieren frustriert.

Auch im dritten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen gerade einmal zehn Millionen US-Dollar - trotz eines Börsenwerts von immer noch 8,53 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Durchschnitt mit rund 10,2 Millionen Dollar Umsatz gerechnet. Die an der Nasdaq gelistete Firma fuhr im vergangenen Dreimonatszeitraum einen Nettoverlust von 18,7 Millionen Dollar ein, das sind 0,2 Dollar je Aktie und 16,9 Millionen Dollar mehr als im Jahr zuvor. Auch das Ebitda ging zurück. So lag es im dritten Quartal 2017 noch bei 1,7 Millionen Dollar im Minus, nun stieg der Verlust auf 7,4 Millionen Dollar.

Tilray nennt als Gründe für den Rückgang Aufwendungen für den Ausbau internationaler Teams, Finanzierungskosten, den Börsengang im Juli sowie besonders den anhaltenden Wachstum. Und tatsächlich: Der Cannabis-Hersteller hat gigantische Wachstumszahlen. Im Vergleich zu den drei Monaten im Vorjahr kletterte der Umsatz um 85,8 Prozent. Bereits im zweiten Quartal waren die Erlöse um 95 Prozent in die Höhe geschossen.

Erhöhte Patientennachfrage für medizinisches Cannabis

Tilray IPO an der Nasdaq

Tilray. | Bildquelle: Unternehmen

Deshalb zeigt sich die Führungsriege von Tilray auch selbstbewusst. "Die Cannabisbranche ist nach wie vor sehr robust und wir sind mit unserer Umsatzdynamik und unseren strategischen Erfolgen im dritten Quartal zufrieden" sagte CEO Brendan Kennedy. Tilray befinde sich in einem frühen Stadium des Erreichens ihres Wachstumspotenzials. Das Legalisierungstempo beschleunige sich weltweit weiter.

Beim Umsatzanstieg verweist das Unternehmen auf die erhöhte Patientennachfrage, Massenverkäufe an andere Hersteller und einen beschleunigten Großhandelsvertrieb auf dem globalen Markt. Im dritten Quartal 2018 verkaufte Tilray 1.613 Kilogramm seiner Produkte. Zum Vergleich: Im Juli, August und September 2017 waren es gerade einmal 684 Kilogramm. Wegen eines Anstiegs der Massenverkäufe sind die Verkaufspreise pro Gramm allerdings gesunken.

Tilray stellt Patienten in zwölf verschiedenen Ländern medizinisches Cannabis zur Verfügung. Nach eigenen Angaben ist es das erste und einzige Unternehmen, das medizinische Cannabisprodukte auf Blüten- und Ölbasis auf den deutschen Markt exportiert. In Kanada ist der Anbau, Verkauf und Konsum von Marihuana inzwischen sogar komplett legal.

Achterbahnkurs an der Börse

Die Anleger reagierten am Dienstagabend enttäuscht auf die Quartalszahlen. Die Tilray-Aktien verloren zum Handelsende an der Nasdaq um 1,67 Prozent an Wert. An der Tradegate verliert der Titel zur Stunde über fünf Prozent.

Insgesamt fährt das Papier einen gefährlichen Achterbahnkurs an der Börse. Im September schnellte der Titel auf ein Rekordhoch von 214 Dollar und war damit seit dem Börsengang im Juli um 600 Prozent gestiegen. Kurz zuvor hatten die US-Behörden Tilray erlaubt, medizinisches Cannabis in großem Stil in die USA zu bringen. Fünf Tage später brach die Aktie jedoch wieder auf 99 Dollar ein.

In der vergangenen Woche erlebten die Marihuana-Aktien dann ein kleines Revival. Durch den Rückzug des US-Justizministers Jeff Sessions, ein großer Gegner der Cannabis-Legalisierung, ging das Tilray-Papier mit einem Plus von 30 Prozent aus dem US-Handel.

Konkurrenz schläft nicht

Tilray-Konkurrent Aurora legte derweil am Montag ebenfalls seine Bücher offen. Das Unternehmen habe im vergangenen Quartal einen Reingewinn von 105,5 Millionen Dollar erzielt. Damit schnitt es erheblich besser ab als Tilray. Auch der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 260 Prozent. Die Aktie kletterte daraufhin zeitweise um 6,7 Prozent, musste die Gewinne im Tagesverlauf aber wieder abgeben. Dafür sorgten offenbar die steigenden Kosten und eine Schadensersatzklage.

tb