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Turbulente Hauptversammlung erwartet ThyssenKrupp zerschlagen?

Stand: 18.01.2018, 08:48 Uhr

Einen Tag vor der morgigen Hauptversammlung bringt sich Großaktionär Cevian in Stellung und fordert erneut die komplette Zerschlagung des Industriekonzerns. Doch macht das überhaupt Sinn?

ThyssenKrupp steht am morgigen Freitag eine kontroverse Hauptversammlung bevor. Kritik kommt vor allem vom schwedischen Finanzinvestor und Großaktionär Cevian, der inzwischen 18 Prozent an dem Essener Unternehmen hält und damit eine ernstzunehmende Größe darstellt. In einem Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" fordert Cevian-Chef Lars Förberg erneut eine zügige Zerschlagung des Essener Konglomerats: "Ob das am besten durch Joint Ventures, Spin-offs oder den Börsengang einer Tochter zu erreichen ist, müssen Aufsichtsrat und Vorstand gemeinsam entscheiden."

"Die Struktur von ThyssenKrupp mit fünf Sparten, die nicht zueinander passen, und mit einem Wasserkopf an Verwaltung ist einzig ein Ergebnis der Geschichte des Konzerns. Es gibt da keine Synergien". Auch komme der Umbau des Essener Industriekonzerns nicht schnell genug voran. Die Strategie habe "nicht das geliefert, was man versprochen hat".

Rücktritt von Hiesinger gefordert

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Die Kritik von Förberg ist nicht neu, nimmt aber an Intensität zu. Vor fünf Jahren habe sich der Thyssen-Vorstand das Ziel gesetzt, außerhalb der Stahlsparte eine operative Marge von sechs bis sieben Prozent zu erreichen. Bis heute schaffe das Unternehmen aber weiterhin nur die Hälfte. "Das ist eindeutig zu wenig." Deshalb müsse sich an der Unternehmensstruktur etwas ändern.

Auf die Frage, ob er auch den Rücktritt von Vorstandschef Heinrich Hiesinger verlange, sagte Förberg: "Eigentlich ist es doch ganz einfach: Wenn eine Strategie nicht die angestrebten Ergebnisse bringt, muss man sie ändern. Das erwarten wir sowohl vom ThyssenKrupp-Vorstand als auch vom Aufsichtsrat des Unternehmens."

AR-Chef Lehner kontert Kritik

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Thyssenkrupp-Logo in Einzelteilen. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Für Konzernchef Heinrich Hiesinger lehnt eine Zerschlagung des Konzerns entschieden ab. Er will die Technologiesparten stärken und zusammenhalten, da diese Strategie langfristig höhere und stabilere Gewinne erwarten lasse. Die Industriebereiche sind für ihn Kern einer neuen Thyssen-Krupp AG.

Auch für Aufsichtsratschef Ulrich Lehner ist eine Zerschlagung des Konzerns "überhaupt kein Thema". Im "Handelsblatt" verwies Lehner auf eine Analyse des Aufsichtsrates aus dem Jahr 2014: "Das Ergebnis war, dass die einzelnen Bereiche zukunftsfähig und unter der Dachmarke Thyssen-Krupp synergiestiftend und damit stärker sind." Lediglich beim Stahl habe es Handlungsbedarf gegeben. Dieses Problem werde mit der geplanten Fusion der Sparte mit Tata Steel Europe angegangen.

Nicht verschiebbar wie Schachfiguren

Zudem findet Lehner die wiederholte Kritik an dem Unternehmen wenig vorteilhaft. "Wenn sich ein Aktionär in der Art und Weise öffentlich positioniert, dann schadet das dem Unternehmen", sagte er bereits im Dezember dem "Handelsblatt". Er hätte sich gewünscht, offen und konstruktiv miteinander zu reden - zum Wohle des Unternehmens.

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Gegenwind bekommt Förberg auch von Corporate-Governance-Experte Christian Strenger. "ThyssenKrupp ist mit den fünf Konzernsparten nicht so leicht verschiebbar wie die Figuren auf einem Schachbrett. Das sollte Cevian-Chef Förberg erkennen und das Motto 'Eile mit Weile' beherzigen", sagte er der "Börsen-Zeitung". Das gelte umso mehr nach den schlechten Erfahrungen mit Cevian bei ABB und Volvo.

lg