Thyssenkrupp Quartier
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Aktie haussiert ThyssenKrupp wird aufgeteilt

Stand: 27.09.2018, 17:45 Uhr

Paukenschlag am Nachmittag. Der Mischkonzern ThyssenKrupp aus dem Dax soll aufgespaltet werden. An der Börse schlägt das ein wie eine Bombe.

Die ThyssenKrupp-Aktie steht mit großem Abstand an der Dax-Spitze und legt derzeit fast elf Prozent auf über 22 Euro zu. Im Tageshoch hat das Papier bisher schon die Kursmarke von 23,50 Euro erreicht. Die Anleger sind elektrisiert nach der Meldung, dass der zuletzt führungslose Traditionskonzern in zwei Teile gespaltet werden soll.

Zuvor hatte bereits eine entsprechende Meldung der Nachrichtenagentur "Bloomberg" für Bewegung bei der Aktie gesorgt. Nunmehr bestätigt der Konzern die Aufspaltungspläne in einer Pflichtmitteilung.

Zwei eigenständige Gesellschaften

Der Vorstand, aktuell geführt von Interimschef Guido Kerkhoff, werde dem Aufsichtsrat das entsprechende Konzept auf einer Sitzung am Sonntag vorschlagen. Ziel seien "zwei deutlich fokussiertere und leistungsfähigere Unternehmen", hieß es. Beide sollen an der Börse notiert sein.

Auf der einen Seite werde die "Thyssenkrupp Materials AG" unter anderem den 50-Prozent-Anteil aus dem fusionierten Stahlgeschäft mit dem indischen Partner Tata enthalten. Hinzu kommen der Handel mit Werkstoffen sowie der Marineschiffbau. In dem zweiten Unternehmen "Thyssenkrupp Industrials AG" soll dagegen etwa das Geschäft mit Aufzügen oder Zulieferungen für die Autoindustrie gebündelt werden.

Die überraschenden Abgänge von Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hatten den Konzern im Sommer in eine tiefe Krise gestürzt. Noch immer machen Thyssenkrupp die Folgen einer milliardenteuren Fehlinvestition in Brasilien und den USA zu schaffen.

Als Sorgenkind gilt nicht nur die schwächelnde Sparte für Anlagenbau, die vor einer weiteren Umstrukturierung steht. Auch die kurz vor seinem Abgang von Hiesinger eingefädelte Stahlfusion mit Tata ist noch nicht vollzogen. Zuletzt hatten Aktionäre wie Cevian oder der US-Fonds Elliott Druck auf das Management ausgeübt. Sie forderten einen schnelleren und radikalen Umbau des Konzerns. Beide zurückgetretenen Manager hatten auf Differenzen im Aktionärskreis hingewiesen. Eine Schlüsselrolle kommt bei der Suche nach einer neuen Strategie zudem der Krupp-Stiftung als größtem Einzelaktionär zu.

rm/dpa