Thyssenkrupp-Aufzugstestturm in Rottweil

Verkauf der Aufzugssparte Thyssenkrupp verhandelt nur noch mit Finanzinvestoren

Stand: 17.02.2020, 17:10 Uhr

Bei den Verkaufsverhandlungen für die lukrative Aufzusgsparte bei Thyssenkrupp ist heute eine wichtige Weichenstellung erfolgt. An der Börse kommt die Entscheidung des MDax-Konzerns aber gar nicht gut an.

Da waren es nur noch zwei - Thyssenkrupp hat eine Vorauswahl für einen Verkauf seiner Aufzugssparte getroffen. Es werde vorrangig mit zwei Gruppen von Finanzinvestoren verhandelt, teilte der Stahl- und Industriekonzern am Montag mit. Ziel sei es, kurzfristig eine Einigung über einen Mehrheits- oder Vollverkauf zu erzielen. Verhandelt werde mit dem Konsortium Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan Investment Board sowie Advent und Cinven.

Eine Hintertür lässt sich Thyssenkrupp aber noch offen: Falls keine Einigung mit einem Bieter erreicht werden könne, stelle ein Börsengang unverändert eine Option dar. Dieser wäre dann ab dem Frühsommer möglich. Thyssenkrupp erwartet Erträge in Milliardenhöhe aus dem Geschäft. Aus dem Rennen ist damit der finnische Konkurrent Kone, der ebenfalls zu den Bietern gehört hatte. Die Finnen hatten Insidern zufolge mit mehr als 17 Milliarden Euro das höchste Angebot vorgelegt, gefolgt von der Gruppe um Blackstone mit knapp 16 Milliarden.

Moody's senkt den Daumen

Zuvor stand das Unternehmen bereits im Fokus des Marktes. Denn dessen Bonität wird von der Ratingagentur Moody's noch schlechter eingestuft als ohnehin schon. Das Kredit-Rating für Thyssenkrupp wurde auf "B1" von "Ba3" gesenkt. Die Rückstufung spiegle die weitere operative Schwächung des Unternehmens und den negativen Cash Flow wider. Die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Erholung in den kommenden Quartalen sei gesunken.

Den Ausblick stellte Moody's auf "developing" (neural), darin zeige sich die Möglichkeit von Mittelzuflüssen aus anstehenden Verkäufen. Dieser Verkauf ist heute also ein Stück näher gerückt. Thyssenkrupp kann das Geld dringend gebrauchen, wie die sehr schwache Kreditbewertung zeigt.

Aktie geht auf Talfahrt

An der Börse reagieren die Investoren prompt. Sie werfen das Papier aus den Depots. Aktuell ziert die Aktie mit einem Verlust von über drei Prozent das MDax-Ende.

Ein Verhandlungspartner weniger bedeute auch weniger Konkurrenz um die Sparte, stellte ein Marktbeobachter in einer ersten Reaktion fest. Und da als weitere Option nach wie vor ein Börsengang genannt wurde, lasse dies darauf schließen, dass es Thyssenkrupp schwer habe könnte, seine Preisvorstellungen durchzusetzen.

Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank indes sieht in der Reduzierung des Bieterkreises den Druck auf die potenziellen Käufer steigen. Das dürfte seines Erachtens die Ernsthaftigkeit der Gebote erhöhen, könnte den Verkaufsprozess wesentlich beschleunigen und verbessere die Ausgangslange für Thyssenkrupp. "Insbesondere die Betonung eines möglichen IPOs ist dabei essenziell", sagte er.

Kartellrecht ist die große Unbekannte

Branchenexperten hatten darauf verwiesen, dass Thyssenkrupp gute Argumente haben müsse, um vor seinen Aktionären im Fall einer Abfuhr an Kone den Verzicht auf eine Differenz von rund 1,5 Milliarden Euro zu rechtfertigen. Im Arbeitnehmerlager hatte es Sorge gegeben, dass bei einem Zusammenschluss mit Kone zahlreiche Jobs gestrichen werde könnten oder es zu einer Zerschlagung kommt. Thyssenkrupp hatte befürchtet, dass es zu einer langwierigen Prüfung durch die Kartellbehörden kommt - mit ungewissem Ausgang.

Kone erklärte gegenüber "Reuters", man habe geglaubt, kartellrechtliche Fragen wären kein Hindernis gewesen. Man sei nun endgültig raus aus dem Bieterrennen.

Positive Analystenstimme

Der Abschied des Konkurrenten aus dem Bieterkreis sei wohl mit dem Wunsch nach einem saubereren Verkaufsprozess zu begründen. Bei Finanzinvestoren sei das kartellrechtliche Risiko deutlich geringer, als es bei einem Verkauf an Kone zu erwarten gewesen wäre, schrieb Jefferies-Analyst Alan Spence in einer am Montag vorliegenden Studie. Er rechne noch in diesem Monat mit einer Entscheidung. Der Experte beließ die Thyssenkrupp-Aktie auf "Buy" mit einem Kursziel von 14,80 Euro.

dpa/rtr/rm