Thyssenkrupp Quartier
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Sparten mit Schlagseite ThyssenKrupp sieht rot

Stand: 09.08.2018, 09:18 Uhr

Der Industriekonzern wankte erwartungsgemäß im dritten Geschäftsquartal 2017/18. Bereits Ende Juli hatte man vor schwächeren Ergebnissen gewarnt. Der Verlust, denn der Dax-Konzern nun melden muss, schmerzt dennoch.

Die Aktie reagierte im frühen Handel am Donnerstag nicht nennenswert negativ auf das Zahlenwerk, das Interimschef Guido Kerkhoff am Morgen präsentiert hatte. Vor rund einer Woche hatte er bereits Anleger und Analysten auf Belastungen durch hohe Kosten bei laufenden Großprojekten in mehreren Regionen unterrichtet. Die Probleme spielen sich in der Anlagenbau- und Schiffssparte ab.

"Nichts schönreden"

Nun muss das Unternehmen die Konsequenzen ziehen: 131 Millionen beträgt der Nettoverlust für das dritte Geschäftsquartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2017/18. Im Vorjahreszeitraum hatte ThyssenKrupp noch 254 Millionen Euro netto verdient. Auch operativ ging es deutlich bergab, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) reduzierte sich von 519 auf 332 Millionen Euro. Allein beim Umsatz gab es einen kleinen Zuwachs von 10,4 auf elf Milliarden Euro. "Da lässt sich nichts schönreden", so Kerkhoff, "das ist ein Zustand, der auf Dauer nicht tragbar ist". Insbesondere der schwache Mittelzufluss (Free Cash Flow) aus der Geschäftstätigkeit sei deutlich zu verbessern, so der Manager.

Dieser Free Cash-Flow soll nun mittelfristig auf mindestens eine Milliarde Euro steigen. Das Ziel will man durch drastische Kostenreduzierungen in der Verwaltung und eine Neustrukturierung in den Sparten Anlagenbau und Marinegeschäft erreicht werden. Im Komponentengeschäft, hier beliefert man etwa die Autoindustrie, soll die operative Marge (Ebit im Verhältnis zum Umsatz) von fünf auf sieben Prozent klettern. Die profitabelste Sparte, der Aufzugsbereich, soll eine Ebit-Marge von 13 Prozent erreichen.

Stahlbereich auf dem Weg in die Ehe mit Tata

Auf der Habenseite kann der Konzern wohl auch die Loslösung der Stahlsparte verbuchen, die mit der indischen Tata Steel verschmolzen werden soll. Nach dem Abschluss der Joint-Venture-Verträge Ende Juni kämen die Vorbereitungen zum Start des Gemeinschaftsunternehmens weiter gut voran. Kurzfristig führt die im Juni geschlossene Vereinbarung aber zu einem einmalig erhöhten Steueraufwand, da Verlustvorträge in Deutschland künftig nicht mehr angesetzt werden können.

Ob die weitere Transformation noch unter der Ägide des Übergangschefs vollzogen wird, steht dahin. Kerkhoff hatte den Chefposten von Heinrich Hiesinger übernommen, der unter Verweis auf eine mangelnde Unterstützung durch die größten Aktionäre vor wenigen Wochen zurückgetreten war. Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hatte mit ähnlicher Begründung Ende Juli seinen Posten aufgegeben. Für beide werden Nachfolger gesucht. Investoren wie Großaktionär Cevian oder der Fondsgesellschaft Union Investment hatten die fehlende Krisenstrategie des Führungsduos bemängelt und die Rücktritte damit ausgelöst.

Aktie ohne Richtung

Die Aktie von ThyssenKrupp tritt seit gut einem Jahr unter hohen Ausschlägen auf der Stelle. Im Dax ist der Titel chronisch einer der Underperformer. Nur die Aussicht auf eine klare Strategie und die Rückkehr in die schwarzen Zahlen dürfte Anleger wieder zum Kauf bewegen.

AB