Thyssenkrupp-Aufzug in einem modernen Gebäude

Hohe Schulden und Pensionslasten drücken Thyssenkrupp: Doch Vollverkauf der Aufzugssparte?

Stand: 21.02.2020, 09:41 Uhr

Bei Thyssenkrupp läuft es offenbar auf einen Komplettverkauf der milliardenschweren Aufzugssparte hinaus - an einen Finanzinvestor. Der Aufsichtsrat will am 27. Februar entscheiden.

Noch ist nichts entschieden. Doch einer Meldung der Agentur Reuters zufolge wird ein Komplettverkauf der milliardenschweren Aufzugssparte von ThyssenKrupp immer wahrscheinlicher. Durch die Abgabe des ganzen Pakets lasse sich der höchste Kaufpreis erzielen, hieß es.

Möglich sei allenfalls eine geringe Restbeteiligung. Bislang hatte es starke Stimmen für den Verkauf nur eines Minderheitspakets gegeben, damit Thyssenkrupp die Ertragsperle weiter konsolidieren kann. Auch die Krupp-Stiftung geht nun von einem Verkauf der Mehrheit oder aller Teile aus. Thyssenkrupp wollte sich zu der Frage am Donnerstag nicht äußern.

Angebote können nachgebessert werden

Den Insidern zufolge können die beiden verbliebenen Bieter - ein Konsortium der Finanzinvestoren Blackstone, Carlyle und dem Canada Pension Plan Investment Board sowie eine von der RAG-Stiftung unterstützte Bietergruppe um Advent und Cinven - noch bis zur kommenden Woche ihre Angebote nachbessern.

Der Aufsichtsrat will am 27. Februar entscheiden. Sollten die Bieter in letzter Sekunde noch wesentliche Änderungen vornehmen, könnte es wohl auch ein paar Tage länger dauern. Die Angebote der beiden Konsortien lagen Insidern zufolge zuletzt bei knapp 16 Milliarden Euro. Dies entspricht der Summe der zuletzt in die Höhe geschossenen Netto-Finanzschulden von 7,1 Milliarden und der Pensionslasten von rund neun Milliarden Euro.

"Viele Aspekte zu berücksichtigen"

Arbeitnehmervertreter und auch der größte Einzelaktionär, die Krupp-Stiftung, hatten sich für eine möglichst hohe Restbeteiligung des Konzerns an der Aufzugssparte ausgesprochen - der einzigen Ertragsperle des Konzerns, der neben Aufzügen auch Stahl, Chemieanlagen, Autoteile oder U-Boote herstellt.

Nun könnte Thyssenkrupp angesichts anhaltender Verluste mit einem Vollverkauf den Befreiungsschlag versuchen. "Natürlich wäre eine weitere Beteiligung an Elevator für das Unternehmen ertragreich", sagte die Chefin der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" laut Vorab-Bericht aus der Freitagausgabe. "Es sind sehr viele Aspekte bei der anstehenden Entscheidung zu berücksichtigen, für die ein Mehrheits- oder ein Komplettverkauf Optionen sind."

Kone hatte eine Milliarde mehr geboten

Nach dem Ausstieg des finnischen Aufzugherstellers Kone aus dem Bieterrennen hoffen Investoren auf einen raschen Verkauf des Geschäfts an Finanzinvestoren. "Aus Aktionärssicht ist es natürlich bedauerlich, dass nicht das höchste Angebot zum Zuge kommt, aber Thyssenkrupp hat offenbar keine Zeit mehr zu verlieren", sagte der Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Union Investment, Michael Muders, der Nachrichtenagentur Reuters. "Der Preis ist immer noch attraktiv." Wichtig sei, dass man jetzt schnell zu einem Abschluss komme.

Kone hatte 17 Milliarden Euro für die Sparte geboten, eine Milliarde mehr als die Finanzinvestoren. Doch aus kartellrechtlichen Bedenken, mussten sich die Finnen zurückziehen.

lg/rtr