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Noch kleineres Ergebnis Thyssenkrupp: Nächste Gewinnwarnung

Stand: 09.11.2018, 08:26 Uhr

Hiobsbotschaft nach Börsenschluss. Wegen einer drohenden Kartellstrafe dampft der Essener Dax-Konzern seine Gewinnerwartung für das abgelaufene Geschäftsjahr ein. Die Anleger sind entsetzt.

Das Thyssenkrupp-Papier, das im regulären Xetra-Handel mit einem Tagesverlust von 0,91 Prozent bei 19,06 Euro aus dem Handel gegangen war, verlor im Späthandel weiter an Boden. am Morgen rutscht die Aktie um über sechs Prozent ab und fällt unter 18 Euro. Ein weiterer Tiefschlag, kostete das Papier doch im Januar noch 26,52 Euro.

Damit setzt sich der negative Nachrichtenfluss fort. Erst im August hatte der Konzern seine Prognose für das operative Ergebnis (Ebit) gesenkt. Dies wurde nun nochmals von 1,8 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro gekürzt. Laut Analyst Luke Nelson von JPMorgan sind die Markterwartungen damit zu hoch angesetzt.

Rückstellungen wegen drohendem Kartellverfahren

Am Abend teilte Thyssen mit, wegen neuer Risiken im Kartellverfahren eine zusätzliche Rückstellung anzulegen. Diese führe zu einem Jahresüberschuss unter dem Vorjahresniveau. Erwartet wird für das Geschäftsjahr 2017/18 (per 30.9.) noch ein Jahresüberschuss von 100 Millionen Euro nach 271 Millionen im Vorjahr.

Thyssenkrupp sei neben anderen Firmen und Verbänden der Stahlbranche Gegenstand laufender Ermittlungsverfahren des Bundeskartellamts zu mutmaßlichen Kartellabsprachen in der Vergangenheit, erklärte der Konzern. Dabei gehe es um die Produktgruppen Grobblech und Qualitätsflachstahl.

"Im Verdacht der noch laufenden Verfahren stehen insbesondere Absprachen bei der Festlegung von Zu- und Aufschlägen bei Stahlpreisen. Thyssenkrupp nimmt diese Angelegenheit sehr ernst und hat mit externer Unterstützung eine eigene interne Untersuchung der Vorgänge vorangetrieben. Nach derzeitiger Erkenntnislage können wir erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Vermögens, Finanz und Ertragslage des Konzerns nicht ausschließen."

Seit Jahren gewarnt

Vor dem Risiko hatte Thyssenkrupp seit Jahren gewarnt, nun sah sich der Konzern offenbar zum Handeln gezwungen. In einem Reuters vorliegenden Brief an die Mitarbeiter versichert der Vorstand, dass die Entwicklungen keinerlei Auswirkungen auf das geplante Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel haben: "Die Parteien tragen etwaige Risiken aus der Vergangenheit selbst." Es gehe zudem um Altfälle.

Thyssenkrupp muss bei der Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr auch negativen Entwicklungen im Geschäft mit Autoteilen und Aufzügen Rechnung tragen. So müsse für "Risiken aufgrund von Qualitätsthemen im Geschäftsbereich Components Technology" eine Risikovorsorge getroffen werden. "Dies führt zusammen mit Einschränkungen in Produktion und Versand im vierten Quartal bei Steel Europe und dem im vierten Quartal unter den Erwartungen liegenden Ergebnis bei Elevator Technology zu dem genannten Ergebnis.

rm/rtr

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